Energie Cottbus

Seit Oktober 2016 schreibe ich auf der offiziellen Internetseite des FC Energie Cottbus e.V. (www.fcenergie.de) die Kolumne Fernglas.

Nachfolgend alle bisherigen Ausgaben. Ganz unten auf der Seite: Wie alles begann mit meinem Engagement bei Energie

Der Mann mit dem Fernglas

Der Mann mit dem Fernglas

Mein Trikot – bin im Kader von Pele allerdings relativ weit hinten, siehe Rückennummer

Ein Tor, ein Aufsteiger und ein Neunpunktespiel 

05_2018/19    10.06.2019

Heute ist der Tag des Dampfablassens. Manchmal ist es notwendig, die Emotionalität eines Ereignisses ein paar Tage einzusortieren. Aber dann müssen verschiedene Aspekte einfach ausgesprochen werden. Um es mal vornehm auszudrücken.

Es ist nicht unbedingt zielführend und doch muss ich auf das Fernglas vom 30. Mai des vorigen Jahres referenzieren.

>>45 Punkte sind wohl erforderlich, um die Klasse sicher zu halten. Denn es gibt zwar einige Aufstiegskandidaten, aber wer in dieser Klasse am 18. Mai 2019 ins sprichwörtliche Gras beißen wird, ist keineswegs ausgemacht. Es gibt für Pele Wollitz und sein Team nur ein Ziel. Nach dem 38. Spieltag sagen zu können: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – in der 3. Liga.<<

Jeder hätte vor zehn Monaten gesagt: „Ja, 45 Punkte. Ja, sollten reichen. Ja, würden wir nehmen.“.

Ein Blick zurück verdeutlicht, warum. In den Spielzeiten zuvor – mit Absteigern ab Platz 18 – hatten die Mannschaften auf dem jeweils ersten Abstiegsplatz ganze 31, 40, 43 (die Stuttgarter Kickers sind nicht nur wegen einem Tor zu wenig abgestiegen, nein die Verschärfung bei den Blauen vom Degerloch war im Mai 2016, dass sie in der Tordifferenz pari standen mit Bremen II, jedoch vier Tore weniger erzielt hatten und deswegen dem Profifußball ade sagen mussten. Wehen Wiesbaden, neuer Zweitligist hatte die gleiche Anzahl an Punkten, jedoch die wenigsten Tore im Vergleich zu den beiden Mannschaften erzielt, aber die um ein Tor bessere Tordifferenz.), 39 und 40 Zähler im Jahr 2014. Da spielte Energie noch eine Etage höher. Das ist natürlich Statistik, die hinkt und Schwächen hat. Wie jeder Vergleich von Sportereignissen, die von so vielen weichen Faktoren beeinflusst werden. Ich wollte nicht abschweifen. Aber dieser Exkurs musste sein. Um zu verdeutlichen, dass ein Abstieg mit 45 Punkten eher die Ausnahme zu sein scheint in der 3. Liga.

Ein Wort noch zu der Übergangsaufstiegsregelung der Regionalligen zur 3. Liga. Der Fluch der guten Tat bestraft im Nachhinein Pele Wollitz und Energie Cottbus. Der im Februar 2017 als Revoluzzer bezeichnete Wollitz hatte so lange beim DFB für schlechte Stimmung gesorgt, bis man sich auf eine Übergangsregelung für die darauffolgenden Spielzeiten verständigt hatte. Casus Knaxus: Ein besonders wichtiger und in seiner damals in der Zukunft liegenden Tragweite völlig unbeachtet gebliebener Teil besagt, dass die die Zahl der Absteiger identisch zu sein hat mit der Zahl der Aufsteiger. In der Saison 2018/19 war von dieser Regelung erstmals auch der Viertletzte betroffen. Jede weitere Ausführung dazu ist wohl überflüssig.   

Es ist müßig, der ganzen Saison den Stempel des einen fehlenden Tores aufdrücken zu wollen. Die Mannschaft hat aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt und es deutete nicht viel darauf hin, dass diese Ausbeute nicht reichen sollte zum großen Ziel. Aber es ereigneten sich in den letzten Spieltagen Dinge, die niemand hätte voraussehen können. Stellvertretend dafür das fulminante 5:2 von Sonnenhof Großaspach gegen den FSV Zwickau. Der Andrea-Berg-Club, gelegen zwischen Heilbronn und Stuttgart, die Unentschieden-Könige aus dem Schwäbischen fegten am drittletzten Spieltag die Zwickauer nach allen Regeln der Kunst vom Platz. Nachbarschaftshilfe Ost sieht wohl anders aus. Gerade wenn man sich den unfreundlichen Montagabend im März in Erinnerung ruft, als die Sachsen fighteten, als ginge es um nicht weniger als die vorzeitige Sicherung des Klassenerhalts. Okay, Zwickau holte in der Folge weitere neun Punkte aus den folgenden fünf Spielen und legte damit den Grundstock für den letztlich sicheren Klassenerhalt. Sonnenhof Großaspach holte im letzten Spiel den benötigten Dreier bei den bereits abgestiegenen Fortunen aus Köln. Der Rest ist Geschichte. Die Reanimation in Rotweiß Anfang April im Paradies in Jena kam einem Offenbarungseid gleich. In den letzten sieben Spielen holten die Thüringer achtzehn von möglichen einundzwanzig Punkten, mussten nur gegen die wirklich sportlich auftretenden Würzburger Kickers in einem hochdramatischen Spiel zu Hause mit 3:4 die Segel streichen. Inkludiert in den achtzehn Punkten ist der endgültig rettende Dreier aus dem letzten Heimspiel gegen München 1860. Ohne sieben Stammspieler war der Auftritt der Giesinger in Jena eine Ohrfeige für das Fairplay und den Sportsgeist.

Apropos Fairplay: Was in der Nacht vor dem entscheidenden Spiel in Braunschweig vor dem Mannschaftshotel des FCE von BTSV-Fans abgezogen wurde, war Unfairplay in Reinstform. Wenn man in so einer erbärmlichen Art und Weise seinem Team zur Seite stehen muss, um die Klasse zu halten, dann spricht das nicht für ein großes Vertrauen in die Fähigkeiten der eigenen Mannschaft. Und es ist einfach nur zum Fremdschämen. Das zu dem Thema.

Jetzt aber genug „Mimimi“. Letztlich hat es der FC Energie 38 Spieltage selbst in der Hand gehabt, die Dinge auf dem Platz zu regeln und die erforderlichen Punkte einzusammeln. Beispielsweise am 19. Spieltag gegen besagte Braunschweiger. Die zu diesem Zeitpunkt mit zehn Punkten – und zehn Punkte hinter Energie stehenden – quasi abgeschlagenen Niedersachsen durften das Stadion der Freundschaft nie und nimmer als Sieger verlassen. Kurios und tragisch im Nachhinein, dass Matuwila mit einem Eigentor die Reinkarnation der Braunschweiger unter ihrem neuen Trainer André Schubert befeuerte. Will man nur kurz zurückgehen, muss einem das Spiel gegen die bereits abgestiegenen Aalener am 11. Mai einfallen. Top-Kulisse mit über 12.000 Zuschauern. Energie mit breiter Brust nach dem Sieg in Uerdingen. Und doch wieder das Dilemma, dass die Mannschaft von Pele Wollitz die gesamte Saison über begleitete: Überlegenheit in Tore umzumünzen. Okay, der Aalener Torhüter Bernhardt erwischt einen Sahnetag und produziert ein 90-minütiges Bewerbungsvideo. Und trotzdem: So ein Gegner muss in die Knie gezwungen und mit drei, vier Stück nach Hause geschickt werden. Und da sind wir auch schon beim Aufsteiger der Saison. Streli Mamba wurde vor einigen Tagen vom Wieder-Bundesligisten SC Paderborn unter Vertrag genommen. In den Gazetten stand zu lesen, er wäre jetzt Bundesligaspieler. Kann man so sehen. Es gibt jedoch nicht wenige, die sagen, Um in der Bundesliga mithalten zu können, ist es für Streli Mamba noch ein weiter Weg. „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“ … sang einst Xavier Naidoo. Streli wird seinen Weg gehen und wer weiß, vielleicht schlägt er ein wie eine Bombe und macht in Ostwestfalen den nächsten Schritt.

Den nächsten Schritt sollte man beim FCE auch im Hinblick auf einen konkurrenzfähigen Regionalligakader gehen. Irgendwie scheint der Vorstand und die sportliche Leitung immer noch damit beschäftigt, den Scherbenhaufen zusammenzukehren, der nach dem Abstieg zurückblieb und die verbliebenen Teile des schon die ganze Saison über äußerst fragil wirkenden Mannschaftsgebildes zu einer neuen Mannschaft zusammenzusetzen. Es zeichnet sich ab, dass von den Leistungsträgern kaum jemand in der kommenden Saison die Fußballschuhe für den FCE schnüren wird. Nachvollziehbar, denn es macht schon mehr Spaß, in der dritten Liga seine Brötchen zu verdienen, noch dazu, wenn sie zwei- bis dreimal so groß geraten wie in der Regionalliga.

Um noch einmal auf die Tragik der vergangenen Saison zurück zu kommen: Die nach Heim und Auswärts gesplitteten Tabellen sehen den FCE jeweils über dem vielzitierten Strich. In der Auswärtstabelle auf Platz 11, im Heimtableau auf Platz 15. Es ist nach wie vor nur schwer zu fassen. Eine latente Abschlussschwäche hat letztlich dazu geführt, dass man sich z.B. gegen Großaspach zweimal torlos unentschieden trennte. Gegen eine Mannschaft, die letztlich nur dreimal zu Hause verlor und damit noch vor den drei Aufsteigern den Ligabestwert für die abgelaufene Saison stellte.

Man kann es drehen und wenden wie man will, dieser Abstieg war relativ einfach vermeidbar. Nur wie? Klar ist, die sportliche Leitung muss sich nach so einer Saison hinterfragen und für sich selbst entscheiden, ob jeweils das bestmögliche Team auf dem Platz gestanden hat. Es ist von außen und aus der Ferne nicht einfach zu ergründen, warum diese Mannschaft, die sich über die gesamte Saison als Einheit verstand und das auch jederzeit nachgewiesen hat, warum das Team nicht immer an seine Grenzen gegangen ist. Es stellen sich nach solch einer Saison immer die stereotypen Fragen, ob der Trainer die Mannschaft zu allen Zeiten erreicht hat, ob er sich nicht zu oft in dem gängigen Jargon („Alles auf die Platte bringen“, „Mentalität zeigen“, „Demut vor der Aufgabe/Respekt vor dem Gegner zeigen“ etc.) verfangen hat. Alles nur dem Umstand geschuldet, dass er dem Kader vielleicht doch nicht zutraute, die Klasse frühzeitig zu halten. Fakt ist, dass ein regulierendes Moment in Person eines Sportdirektors mangels Budget fehlte und fehlt. Ich möchte hier nicht verschweigen, dass leise und verhaltene Kritik, nach dem Abstieg auch vehementer, über die sozialen Medien und die Leserbriefseite der Lausitzer Rundschau in Richtung des „Trainagers“ abgestrahlt wurde. Klar ist natürlich, dass ein Pele Wollitz unter Profibedingungen nicht für ein Amateurgehalt antritt und Tag für Tag sein Bestes gibt. Aber wie in der freien Wirtschaft, wo jede Führungskraft ab einer gewissen Hierarchiestufe eine Scorecard hat, mit vereinbarten, festgeschriebenen Zielen, die am Ende einer Periode erfüllt sein müssen, gibt es im Profisport Ziele, an denen sich die leitenden Angestellten nach Ablauf der vereinbarten Periode, sprich Saison, messen lassen müssen. Und da wird es schon ein wenig eng für den guten Pele. Er ist und bleibt eine ehrliche Haut, man kann sich darauf verlassen, dass das von ihm Gesagte auch noch nächste Woche Gültigkeit hat. Deswegen fühlt sich vielleicht auch das Präsidium so wohl mit dem Ostwestfalen. Er ist ein konservativer Arbeiter, ein Fußballlehrer der alten Schule, der sicher sehr gut einschätzen kann, was er unter der Woche und am Spieltag seinen Schützlingen abverlangen kann. Ob die Spieler immer alles geben, steht auf einem anderen Blatt. Aber auch das ist eine Fähigkeit, das letzte Prozent aus einem herauszukitzeln. Ihn an der Ehre zu packen und vielleicht auch mit psychologischen Tricks dorthin zu bringen, wo er den Spieler haben will. In dieser Hinsicht fehlt mir bei Pele Wollitz dieses Fünkchen Esprit und Genialität, dass ihn befähigt, in Spielen mal ein Überraschungsmoment zu setzen und den Gegner damit in Verlegenheit zu bringen. Matuwila in einem Spiel Spitz auf Knopf mal auf Mittelstürmerposition zu schicken. Wo der Gegner erstmal zehn Minuten braucht, sich darauf einzustellen. In der Zeit kann schon etwas Entscheidendes passiert sein. So was eben. Pele ist weitgehend berechenbar und seine Mannschaft war es über die Saison gesehen auch. Das könnte ein kleines Mosaiksteinchen sein, das an der falschen Stelle sitzt und das gesamte Bild unvollständig erscheinen lässt. Ich habe zu meinem Freund Matthias vor drei Jahren, als Wollitz das Himmelfahrtskommando übernahm, gesagt: „Pele kann nur Aufstieg, Abstieg kann er nicht.“ Es hat sich bewahrheitet und es ist Fakt. Alleine schon der Auftritt in Jena hat jeden Zuschauer, der es mit Energie hält, fassungslos gemacht. Ein Neunpunktespiel. Ein Sieg in Jena war möglich, jedoch nicht an diesem Tag mit dieser Mannschaft. Auch da fehlte mir der konsequente Eingriff von außen. Sei es drum. In der Regionalliga weht ein anderer Wind. Es wird wieder auf Plätzen gespielt, die entweder zu klein, zugefroren oder eher an eine Sommerwiese erinnern. Die Zuschauer stehen einen Meter hinter der Ersatzbank und scheuen sich nicht, Spieler und Trainer fortgesetzt zu beschimpfen. Auf den Tischen bei den Pressekonferenzen stehen mitunter wieder ein paar „Pilsken“, die die Blüte ihrer „Blume“ schon lange hinter sich haben, wenn die Trainer ihr Statement abgeben und es gibt vielleicht wieder Pressesprecher, die den FCE-Cheftrainer als „Pelle“ bezeichnen, oder ihn mit einem freundlichen „Moin Herr Lolwitz“ begrüßen. All‘ das, diese ganze, latent peinliche Folklore kann keiner gewollt haben, hat niemand vermisst. 

Die „Mission Wiederaufstieg“ wird ein unglaublicher Kraftakt. Der getreue, jedoch an dieser Stelle doch eher realistische Chronist hofft, allein die Überzeugung und der Glauben fehlen. Es liegt jedoch nicht an dem (noch nicht formierten) Kader, den Mitwirkenden im sportlichen Bereich oder Präsidium. Es liegt nicht an den Zweifeln, dass der Verein und seine Entscheidungsträger ein Team zusammenstellen werden, welches die treuen, Energie ergebenen und gleichermaßen leidensfähigen Fans erneut ein Stockwerk nach oben hieven könnte. Nein, es liegt an der Gesamtkonstellation. Der Verein ist einem ständigen Umbruch und Wandel unterzogen, muss in naher Zukunft dicke Pfähle einschlagen, um sich für den Profisport und externe Kapitalgeber schick und fit zu machen. Daran führt kein Weg vorbei. Und das hat auch damit zu tun, dass sich kein eingetragener Verein inklusive seiner Gemeinnützigkeit leisten kann, einen millionenschweren Etat für eine Fußballmannschaft und so ganz nebenbei die kostenintensive Unterhaltung für ein „unser Wohnzimmer“ genanntes Stadion zu stemmen. Wenn es der Verein geschickt anstellt, kann er durch die Ausgliederung der ersten Männermannschaft in eine Kapitalgesellschaft einen hohen Kostenblock auslagern. Und gleichzeitig den Weg freimachen für Investoren, die in die Marke investieren wollen und die dadurch nach oben entwickeln helfen. Ähnlich verhält es sich mit dem Stadion. Wenn der Verein „das Wohnzimmer“ in eine Betriebsgesellschaft auslagert, können im Stadion der Freundschaft auch noch andere Dinge stattfinden außer Fußballspiele. Mit ein bisschen Feintuning und einem Stufenplan könnten mittelfristig Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen am Stadion vorgenommen werden, ohne den e.V., der natürlich Hauptgesellschafter der ausgegliederten Teile des Vereinsvermögens bleibt, zu belasten.

Die Region ist von einem tiefgreifenden Strukturwandel durch den Kohleausstieg betroffen. Sie muss sich quasi neu erfinden, um den Menschen auch in Zukunft eine lebenswerte Perspektive zu bieten. Nur noch ein Satz, bevor es zu politisch wird: Man sollte sich nicht zu sehr auf Strukturausgleichsförderungen verlassen. Die Auswirkungen sollte man nicht abwarten, sondern so früh wie möglich Konzepte entwickeln, die Oberlausitz attraktiv zu machen für die Menschen, die dort leben und arbeiten und Anreize zu schaffen, junge Leute anzuziehen, die gerne in der Region leben und arbeiten wollen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Dazu gehören auch ein breitgefächertes Sportangebot für Jedermann und natürlich ein Fußballclub, mit dem man sich identifizieren kann. In jeder Hinsicht. Ohne politisches Wenn und Aber. Der FC Energie Cottbus muss – und das ist eine Kernaufgabe – dafür Sorge tragen, dass sich in ihm Menschen jeder Couleur wohlfühlen und ohne Vorbehalte und Ängste am Wochenende in „ihr Wohnzimmer“ gehen können. Guten Fußball sehen, Gleichgesinnte treffen, eine Wurst und ein Bier gemütlich zusammen mit Freunden genießen. Sich begegnen eben. Eine Vision. Aber eine charmante immerhin.

Klar, es hängt vieles am Geld. Apropos Geld: Es spricht natürlich nicht für den Willen der Stadt Cottbus, einen großen Traditionsverein und das sportliche Aushängeschild FC Energie Cottbus, also einen Verein mit über dreitausend Mitgliedern, in eine Zukunftsplanung wie gerade angerissen, mit einzubeziehen, wenn die Anfrage nach einer jährlichen Unterstützung bei der Unterhaltung des Stadions der Freundschaft kategorisch abgelehnt wird. Nur zum Vergleich: Die Stadt Münster baut das Preußen-Stadion für 35 – 40 Millionen Euro aus. Die Stadt Krefeld saniert die Grotenburg-Kampfbahn, Heimspielstätte des KFC Uerdingen mit knapp zehn Millionen Euro. Die Stadt Karlsruhe baut dem KSC für die 2. Liga ein Stadion für mindestens 40 Millionen Euro, die Stadt Wiesbaden macht das Stadion des SVWW für mehrere Millionen für die 2. Liga fit. Und so weiter und so fort. In dieser Beziehung ist die Stadt Cottbus ein echter Standortnachteil für den Verein.

Der FCE ist finanziell seit Jahren nicht auf Rosen gebettet und wird es auch auf absehbare Zeit nicht sein. Sofern nicht doch irgendwann ein Investor im großen Stil in die Marke Energie einsteigt. Die vorhandenen Sponsoren und Gönner halten den Verein und den Fußball unter professionellen Bedingungen am Leben. Aber auch hier ist es wie im richtigen Leben. Keine Leistung ohne Gegenleistung. Von diesen Abhängigkeiten muss sich der e.V. über kurz oder lang lösen. Ohne irgendeinen der treuen Partner zu verprellen, unabhängig von der Größenordnung und in welchem Segment auch immer.

Bestandteil der Zukunftsplanung sind auch die verschiedenen U-Mannschaften, die derzeit den Freunden des FCE viel Freude bereiten. U17 und U19 spielen in der Bundesliga. Das heißt, in Vorlage treten für Spieler, die eventuell in naher Zukunft in der ersten Mannschaft auflaufen. Das sollte das primäre Ziel sein. Nachwuchsspieler an die Profis heranführen und zu integrieren. Das Nachwuchsleistungszentrum Stück für Stück weiterentwickeln. Die Premium-Sponsoren auch für den Nachwuchs begeistern. Dann sind die U-Mannschaften irgendwann kein Kostenblock mehr.     

Zurück in die Gegenwart. Der treue FCE-Anhänger wird das Team, egal, wie es sich aufstellt und unabhängig von den handelnden Personen, auch durch die nächste schwere Saison begleiten. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Der FCE muss den Fans aber schon bald eine Perspektive aufzeigen, mittelfristig und kontinuierlich weiter oben spielen zu können.

 

 

ENDGAME                                                    04_2018/19    02.05.2019

 1,2 Mrd. US-Dollar hat der vierte Teil der Avengers-Serie in den ersten Tagen eingespielt. Einskommazweimilliarden. In Zahlen: 1 200 000 000. Damit könnte man den Spielbetrieb des FC Energie circa zwei- bis dreihundert Jahre (!) finanziell sicherstellen, egal ob in der Bundesliga oder in welcher Klasse auch immer. Stellt sich die Frage, was das alles mit der Situation des FCE zu tun hat. Endgame heißt der Film und Endgame heißt es auch für Energie. Das nächste schon am kommenden Sonntag im Duisburger Wedau-Stadion aka Schau-ins-Land-Arena. Gegner ist der KFC Uerdingen. Auffällig geworden ist der Klub und Mitaufsteiger während der Saison durch seine regelmäßigen Trainerentlassungen, die der Sponsor, Investor und Lautsprecher Mikhail Ponomarev jeweils höchstselbst verkündete. Die Krefelder Vorstädter, mit hohen Ambitionen und einem mit etlichen bundesligaerprobten Ex-Profis gespickten Kader in die Saison gestartet, konnten sich am vergangenen Wochenende quasi den Erhalt der Klasse durch einen Auswärtssieg gegen Aalen sichern, das dadurch erstmals seit vielen Jahren den bitteren Gang in die Viertklassigkeit antreten muss.

Das Hinspiel gegen Uerdingen ging Anfang Dezember bekanntermaßen verloren. Am Sonntag muss gepunktet werden, idealerweise dreifach. Eine Binse. Die Mannschaft ist willig und bereit. Und doch vermisst man aus der Ferne etwas, was der Trainer gerade in einer der letzten Pressekonferenzen hervorgehoben hat: Mentalität. Mentalität. Und nochmals Mentalität. Früher: Einsatz, Engagement, Willensstärke, breite Brust, Eier. Ohne die Grundkompetenzen geht es nicht in dieser Liga, in der vor den letzten drei Spieltagen alle Mannschaften von Platz 11 bis 19 dem VfR Aalen in die fußballerische Unterwelt folgen könnten. Mentalität ist nicht nur, vor dem Spiel anzukündigen „alles raushauen zu wollen“ und nach dem Spiel zu konstatieren „wir haben heute alles rausgehauen“, sondern im Kopf klar zu sein und sich zu sagen „heute geht hier nur eine Mannschaft als Sieger vom Platz – und das sind wir, der FCE!“ Und dies den Gegner von der ersten Sekunde spüren zu lassen. Nicht durch übertriebene Härte. Nein, ein Blick auf die Liste der Gelbgefährdeten (Streli Mamba 10, in Duisburg gesperrt) zeigt, dass das nicht das Rezept sein kann. Präsenz, Ausstrahlung, Entschlossenheit. Dann wird man auf dem Platz vom Gegner anders wahrgenommen. Und es spielt sich auch entsprechend leichter.

Dann kommt es auch nicht zu solch schwachen Vorstellungen wie in Jena, als der FCE auf einen völlig verunsicherten Gegner traf, der seit August (!) kein Heimspiel mehr gewonnen hatte und der an diesem Tag mit dem letzten Schubser über die Klippe durch Energie rechnen musste. Die Mannschaft von Pele Wollitz ließ in der zweiten Halbzeit alles vermissen, Jena gewann nicht unverdient und findet sich nach der erfolgreichen Reanimation durch den FCE nach vier Siegen in Folge über dem ominösen „Strich“ wieder. Auch das (zu diesem Zeitpunkt) Sechspunktespiel in Zwickau an diesem letzten Montag im März lässt sich unter Aufbau Ost ablegen. Die Zwickauer gewannen mit dem Sieg gegen Energie vier von den letzten sechs Spielen und haben sich aus der Abstiegszone katapultiert. An diesen Tagen hätten 90 Prozent dessen gereicht, was Pele Wollitz immer wieder von seinen Schützlingen einfordert. Spielerisch kann Energie mithalten, wie die Heimspiele gegen den designierten Aufsteiger Karlsruher SC und Meister VfL Osnabrück gezeigt haben. Einzig die immens hohe Fehlerquote in der Defensive und eine gefühlte Unsortiertheit bei den Gegentoren verhagelt den Lausitzern auch die Heimbilanz gründlich. Lediglich fünf von achtzehn Heimspielen konnten gewonnen werden. Es muss definitiv noch ein sechster Heimdreier her. Und nicht nur das. Fünf Punkte sind die Minimalquote aus den drei Spielen. Sonst wird es megaschwer, die Klasse zu halten.

Gefordert sind auch die Fans. Gegen Aalen müssen acht- bis zehntausend Zuschauer kommen. Es könnte schon das entscheidende Spiel um den Klassenerhalt sein. Der Kader ist definitiv drittligatauglich. Man stelle sich einmal vor, Energie wäre vom Verletzungspech verschont geblieben. Nur zu 50 Prozent. Die Mannschaft hätte die Qualität, weiter oben mitzumischen. Und würde sich zukünftig jegliches Endgame schon viel früher in der Saison ersparen.

(http://www.fcenergie.de/fernglas.html)

 

Tage der Arbeit – ein subjektiver Jahresrückblick                                  03_2018/19    31.12.2018

Der 1. Mai ist allgemein einer der beliebtesten Feiertage in unserem Land. Tag der Arbeiterbewegung, Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse oder auch als Maifeiertag bezeichnet, ist dieser Tag eine wunderbare Gelegenheit, z.B. seinen Kater nach einer durchzechten Walpurgisnacht zu verjagen, oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen, ob mit oder ohne Kater. Die Bezeichnung „Tag der Arbeit“ ist auf alle Fälle irgendwie paradox. Beim FC Energie Cottbus ist jeder Spieltag eine Art 1. Mai, denn an diesen Tagen wird gearbeitet. Fußball gearbeitet. Nicht zuletzt dokumentiert durch die Bekleidung der sportlich Verantwortlichen an der Seitenlinie. Unisono in schicken Outfits des Ausrüsters Jako gekleidet zeigen alle, was hier heute abgeht: Es wird gearbeitet. Wir sind hier nicht in der fußballerischen Sterneküche, wo bei den Trainern in der Regel feiner Zwirn zum Matchday getragen wird. Nein, hier in Liga 3 verdeutlicht das Team hinter dem Team: Wir tragen auch heute das, was wir die ganze Woche getragen haben. Sportkleidung. In höheren Gefilden ist das natürlich anders. Erinnert sei nur an den legendären Trainer der Frankfurter Eintracht Dragoslav Stepanovic, der ausschließlich im feinsten Armani-Zwirn an den Spieltagen vor seiner Trainerbank Zigarren der Marke Davidoff verrauchte. Darauf einmal angesprochen, antwortete Stepi in seinem originellen serbo-hessisch: “Ich habb‘ die ganse Woch‘ gearbeid‘, heut‘, beim Spiel, is‘ für mich Feierdaach.“ Guardiola, Simeone, Mancini, Ancelotti, Wenger. Keiner von ihnen wurde je am Spielfeldrand in Sportkleidung gesichtet. Anders in der 3. Liga. Stop! So beginnt man keinen Jahresrückblick.

Meine persönliche Einschätzung des FCE-Jahres 2018 ist durchaus zwiespältig. Sinnbildlich für die Situation des FC Energie und der gesamten Liga steht ein Artikel aus dem Fußballmagazin „11Freunde“, verfasst von Yanicc Lacombe, FCE-Fan und Autor, den Energie auf Twitter empfiehlt (https://www.11freunde.de/artikel/mein-fussballmoment-des-jahres). In Lacombes Stück kommt zum Ausdruck, welche Leidensfähigkeit ein Energie-Fan in diesen Zeiten mitbringen muss, zwischen den Zeilen steckt jedoch die klare Botschaft, dass irgendetwas nicht zusammenpasst im Konstrukt Profifußball, so, wie er sich derzeit in Deutschland aufstellt. Meine Sicht der Dinge etwas später. Auf den Aufstieg, erneuten Gewinn des Landespokals und das Elfmeter-Drama gegen Freiburg in der 1. Hauptrunde des DFB-Vereinspokals muss ich nicht weiter eingehen. Das wurde schon seinerzeit ausreichend gewürdigt.

Geht es darum, den Spieler des Jahres zu küren, kann die Antwort nur Marc Stein lauten. Der Käpt’n, der Stony, wie er von seinen Spielerkollegen (früher hieß das mal Mannschaftskameraden) liebevoll genannt wird, ist Protagonist in meinem Fußballmoment des Jahres. Unvergessen die Schrecksekunde auf dem Betzenberg am 2. November, als Stein schon früh in der Partie von seinem Gegenspieler im Kampf um den Ball rüde abgeräumt wurde und benommen liegenblieb. Kurioserweise bekam der Käpitän der Lausitzer den Freistoß gegen sich ausgesprochen. Stein wurde am Spielfeldrand behandelt während die Zeitlupe das Schlimmste erahnen ließ: Nasenbeinbruch. Ende der Veranstaltung. Ende der Veranstaltung? Nicht mit Stony. „Bewaffnet“ mit zwei riesigen Tampons in den Nasenlöchern machte Marc Stein kurze Zeit später weiter, erzielte das wichtige 1:0 noch in der ersten Halbzeit per Kopf (!) und ebnete damit den Weg zum zweiten Auswärtsdreier von Energie. Ebenfalls erwähnenswert, wie Stein gegen die Spielvereinigung Unterhaching durch seine zwei späten Tore die Nordwand und das gesamte Stadion der Freundschaft zum Beben brachte und seinem Team zumindest einen Punkt gegen die ambitionierten Münchener Vorstädter sicherte. Der Mann mit der Nummer 21 ist ganz klar meine Nummer 1 des Jahres 2018.

Bei einem weiteren Spieler muss ich etwas Abbitte leisten, denn ohne ihn würde Energie in der Tabelle nicht „über dem Strich“ überwintern. Dimitar Rangelov hat mit seinen Toren dem FCE mindestens vier Punkte auf dem Tableau verschafft. Und das ohne Spielpraxis, nach langer Pause und einigem Hin und Her vor der Verpflichtung. Ich hatte dem bald 36-jährigen Bulgaren nicht zugetraut, in dieser Spielklasse noch einmal Fuß fassen zu können. Das war eine kapitale Fehleinschätzung. Sorry, Mitko! Wie sagte schon Uli Stein ganz richtig: „Es gibt keine alten Spieler, es gibt nur gute und schlechte.“

Herbe Verluste muss der FCE in der Führungsetage verzeichnen. Dem langjährigen Geschäftsführer Normen Kothe sollte der große Dank aller Energie-Fans gelten. Normen Kothe war ein 24/7-Mann, er brachte alle seine Fähigkeiten zum Wohle des Vereins ein. Die jahrelange Arbeit konnte man ihm schon lange ansehen. Körperlich spüren, wenn man ihn traf. Es ist nachvollziehbar, dass er nun auf eigenen Wunsch bei der Stadt Cottbus als Betriebsleiter Grün- und Parkanlagen ein ganz anderes Berufsfeld betritt. Mit geregelten Arbeitszeiten und eventueller Pensionsberechtigung. Und dem ein oder anderen Besuch im Eliaspark. Viel Glück und alles Gute Normen! Seinem Nachfolger Karsten Sachs ebenfalls alles Gute für diese hochanspruchsvolle Funktion im FCE.
Eine weitere, eher kurze und doch hochintensive Ära endet mit dem Rückzug von Michael Wahlich als Präsident des FC Energie Cottbus e.V. zum Ende des Jahres 2018. Er trägt sich mit der faktischen Rettung des Vereins Ende 2016 und dem Wiederaufstieg in die 3. Liga im Frühsommer 2018 in die Chroniken des FCE ein. Er war ein Integrator, Moderator, ein Präsident für alle, kein Selbstdarsteller und ein Mann, der in den wenigen Interviews, die er gab, die Dinge auf den Punkt brachte. Oftmals augenzwinkernd mit einem verschmitzten Lächeln. Danke Herr Wahlich!

Um Gottes Willen! Schon fünftausend Zeichen und noch nicht einmal Pele Wollitz erwähnt! Der Cheftrainer ist der Anker zwischen der Mannschaft und den Gremien des Vereins. Meistens Lautsprecher, manchmal Philosoph. Steht für seine Dinge ein. Hat die Regionalliga-Reform zu einem Gutteil mit angeschoben. Legt seine Finger immer wieder in die Wunden, streut Salz hinterher, wohlwissend, dass er sich damit auch schon mal selbst wehtut. Er ist ein Original, mit der Region verwachsen. Manchmal denke ich, kann es beim FCE eine Zeit nach Wollitz geben. Im Prinzip ja, aber eher undenkbar. Er macht alles, um den Verein in der Außenwirkung populärer zu bekommen. Er öffnet die Türen für Telekom Sport, lässt den TV-Rechtevermarkter der 3. Liga tief eintauchen in die Welt des Lausitzer Traditionsvereins. Alles für den FCE. Und doch schwingt in seinen Pressekonferenzen oftmals etwas Resignatives mit, wenn Pele beispielsweise bemängelt, dass der Verein nicht in der Lage ist, Großsponsoren zu gewinnen oder es aus finanziellen Gründen nicht möglich ist ein Wintertrainingslager durchzuführen.

Es muss sich etwas ändern beim FCE. Die Strukturen sollten kurzfristig im Sinne eines gesunden Profispielbetriebs optimiert werden. Die Lizenzspieler aus dem Verein ausgegliedert, das Stadion der Freundschaft in eine Betriebsgesellschaft eingebracht werden. Alles unter der Regie des e.V. natürlich, der sich dadurch Freiräume und Optionen verschaffen könnte, Abhängigkeiten zu verringern und die finanzielle Struktur des Vereins auf eine breitere Basis zu stellen. Denn eines ist klar: Ein „weiter so“ verschiebt die Schwierigkeiten des Vereins nur um einige Jahre in die Zukunft. Wie so etwas endet, weiß man nur zu genau. Warnende Beispiele gibt es genug.

Und da sind wir nun wieder bei dem oben bereits erwähnten Artikel von Yannic Lacombe. „Unser Autor ist Fan eines durchschnittlichen Drittligisten.“ steht in dem Header, eine Art Unter-Überschrift, zu lesen. In dem Satz lese ich auch, dass die 3. Liga durchschnittlich ist. Da fällt man doch vom Glauben ab. Durchschnitt. Laut Duden Mittelmaß. So wird das nix mit einer besseren Vermarktung. Es gibt im Souterrain des deutschen Profifußballs einige Ungereimtheiten, die am Ende des Tages aus meiner Sicht eine Wettbewerbsverzerrung darstellen. Wenn Vereine, die aus der 2. Liga abgestiegen sind, Zahlungen aus einem Solidaritätsfonds in sechs- bis siebenstelliger Höhe erhalten, halte ich das für falsch. Wenn Kommunen Fußballstadien für 30 – 40 Millionen Euro modernisieren (wie in Münster) oder neu errichten (wie in Karlsruhe), das Stadion der Freundschaft jedoch Kosten in Höhe von einer Million Euro pro Jahr für den Verein als Eigentümer verursacht, halte ich das für einen existenzbedrohenden Standortnachteil. Wenn ausländische Investoren sich einen Verein als Spielzeug halten und eine Mannschaft mit Ex-Bundesliga-Profis spicken, um einen Durchmarsch von Liga 5 nach ganz oben zu pushen, dann halte ich das für rechtlich vielleicht in Ordnung, aber was das Financial Fairplay betrifft für mehr als bedenklich. Dass der Kollege Lacombe den inzwischen recht unübersichtlichen Markt an Pay-TV-Anbietern als latent qualitätsschädigend einstuft – meine Interpretation – ist der Gier aller beteiligten Unternehmen geschuldet. Wer bezahlt am Ende, ist immer der Fußballanhänger. Entweder als Abonnent und/oder als Verbraucher, der mit dem Kauf eines Autos, eines Fernsehers, Computers oder Smartphones immer auch den Fußball ein bisschen mitfinanziert. Selbst mit dem Einkauf beim Discounter um die Ecke. Denn der macht auch Werbung auf den Bezahl-Kanälen. Da bleibt wenig Platz für Fußball-Romantik. Und doch: Wenn der fast 36 Lenze zählende Spieler des durchschnittlichen Drittligisten bei strömendem Regen in einem mit 2997 Zuschauern spärlich besuchten durchschnittlichen Drittligaspiel kurz vor dem Abpfiff das 3:3 erzielt, dann werden Geschichten geschrieben, die sich hinter den großen Dramen der Champions League nicht verstecken müssen.
Da oben, bei den Großen der Zunft wird er zelebriert, der Fußball. Mit bestens gekleideten Coaches am Spielfeldrand. Im Souterrain wird Fußball gearbeitet. Nicht durchschnittlich, aber immer im Trainings-Outfit des Ausrüsters. Spieltage sind Tage der Arbeit.

(http://www.fcenergie.de/fernglas.html)

 

Der Trainer als Galionsfigur                                                                    02_2018/19    04.10.2018

Schönen guten Tag liebe Freunde des FC Energie Cottbus! Nein, ich trete nicht zurück. Auch wenn der eine oder andere Leser meiner kleinen, unsteten Kolumne zwischenzeitlich den Eindruck gehabt haben sollte, dass ich nichts mehr abzusondern habe zu unseren Lieblingen in Rotweiß. Weit gefehlt. Um ehrlich zu sein, ich habe bereits vier- oder fünfmal in den vergangenen Wochen das Fernglas herausgeholt, um einige Auffälligkeiten rund um den FCE zu Papier zu bringen. Wurde jedoch immer wieder von den Ereignissen überholt.

Heute beginne ich mit einem Slogan, den die Medienschaffenden gerne in Wort und Bild dem neuen Geschäftsführer Sport des VfL Wolfsburg Jörg Schmadtke zuschreiben: „Ruhig, ganz ruhig …“ Genau dieses Credo verkörpert seit gut zwei Wochen der Cheftrainer. Pele Wollitz ist sehr gefasst, fokussiert und zurückgenommen in den Pressekonferenzen. Nicht zu vergleichen mit den teilweise skurrilen Auftritten in der vergangenen Saison, als Wollitz, im richtigen Moment mit der richtigen Frage konfrontiert, ansatzlos zum sprichwörtlichen HB-Männchen mutierte. Natürlich wird der sportliche Leiter schon vor der Veröffentlichung in der vergangenen Woche von der Demission des FCE Präsidenten und dem Geschäftsführer gewusst haben. Pele Wollitz ist jedoch Profi genug und zu lange im Geschäft, um sich durch solche Personalien aus der Ruhe bringen zu lassen. Er ist natürlich einen langen Weg mit Normen Kothe gegangen, den er bis zum 31. Januar des nächsten Jahres beknien wird, nicht aufzuhören. Ein hehres Unterfangen. Doch es fehlt mir der Glaube, dass Normen es sich noch einmal anders überlegen wird. Michael Wahlich ist konsequent. Auch wenn seine Mission doch eher unbefristet erschien, ist er sich zu Recht zu schade, die elementare Angriffsfläche für die ständigen Querelen in den Gremien des FC Energie zu bieten. Gefühlt war die Mission von Herrn Wahlich noch lange nicht beendet, doch sein Rückzug zum Ende des Jahres ist nachvollziehbar.

Bleibt Pele. Es ist wirklich erstaunlich, was dieser Mensch, aus einer völlig anderen Region der Republik stammend, für eine Identifikation für die Lausitz, Cottbus und die gesamte Region abstrahlt. Ich wiederhole mich gerne. Ich bewundere den Fußballlehrer Pele Wollitz für seine sportliche Kompetenz, sein Fachwissen, seine Erfahrung in diesem Sport. Ich verneige mich jedoch vor dem Menschen Claus-Dieter Wollitz, der trotz aller Schwierigkeiten, den Profi-Fußball in der Lausitz fortzuführen und zu entwickeln, nie die Menschen der Region aus den Augen verliert. Und immer wieder verdeutlicht, für wen das alles stattfindet in Cottbus. Darauf hinweist, dass die Angestellten des Vereins schon seit längerem auf vieles verzichten. Für ihren Verein. Und nicht zuletzt auch, weil es einen Claus-Dieter Wollitz gibt, der eine große integrative Kraft verkörpert und in der Lage ist, alle mitzunehmen. Wollitz arbeitet an seinem Denkmal in Cottbus.

Trotz des Negativlaufs in den letzten Wochen mit sieben Spielen ohne Sieg und vier Partien in Folge ohne Tor, bleibt der Cheftrainer ruhig und verweist auf die enggedrängte Tabelle. Und in der Tat: bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass, wenn alles optimal läuft und Energie die beiden Ostderbys im Stadion der Freundschaft erfolgreich gestalten kann, durchaus Platz 7 winken könnte. Es benötigt dazu jedoch nicht nur eine gehörige Portion Matchglück sowie die uneingeschränkte Unterstützung der Energie-Fans, sondern auch der Überzeugung, dass die Mannschaft, egal in welcher Besetzung, Zwickau und Halle niederhalten kann. Und einer Galionsfigur, die den erforderlichen Siegeswillen aus jeder Pore verströmt.

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Schnell ankommen                                                                                     01_2018/19    27.07.2018

Na kribbelt es schon? Nein? Wer jetzt nicht langsam anfängt zu vibrieren, so kurz vor dem Heimspiel gegen den selbsternannten Aufstiegsaspiranten Hansa Rostock, der wird wahrscheinlich am Sonntag Mittag um 13.00 Uhr eher im Madlower Badesee chillen, als im Glutofen Stadion der Freundschaft bei subtropischen 29 Grad Celsius im Schatten den FC Energie anzufeuern. Geschätzte 15.000 sich nach gutem Drittligafußball verzehrende Fans werden die schmucke Arena am Eliaspark in einen brodelnden, rotweißen Hexenkessel verwandeln. Und nicht nur sie. Über 2500 Fans aus Rostock werden die 360 Kilometer Anreise aus der nördlichsten in die östlichste Drittligastadt nicht scheuen und die Sütribüne in ein tiefes, gischt-umtostes ostseeblauweiß tauchen.
Es ist angerichtet. Nicht weniger als zehn ehemalige Bundesligisten machen das Profi-Souterrain der Republik zu der wahrscheinlich von den Namen her attraktivsten eingleisigen 3. Liga ihrer jetzt zehnjährigen Geschichte. Es würde nicht verwundern, wenn der Zuschauer-Rekord aus der Spielzeit 2015/16 – knapp 2,7 Millionen Zuschauer hatten damals den Weg zu den 380 Spielen in die Stadien gefunden – in den kommenden zehn Monaten überboten würde. Schon am ersten Spieltag kommt es zum Südschlager zweier Bundesliga-Meister aus dem vergangenen Jahrhundert.

Wenn sich am Samstag um 14.00 der 1. FC Kaiserslautern und der TSV 1860 München im Absteiger-Aufsteiger-Duell gegenüberstehen, wird der „Betze“ beben und vielleicht mit knapp 50.000 Zuschauern ausverkauft sein. Nicht umsonst überträgt die ARD dieses Spiel live. Für alle anderen Mannschaften wird diese Begegnung wichtige Fingerzeige geben, wie es sich anfühlen wird, in die Hölle Betzenberg zu kommen und dem Druck der heimischen Fans im Fritz-Walter-Stadion standzuhalten.

Mit dem legendären Stadion in der Pfalz müssen sich die Spieler des FC Energie zunächst nicht auseinandersetzen, denn sie gastieren am 14. Spieltag, sprich dem ersten Novemberwochenende bei den „Roten Teufeln“. Zu diesem Zeitpunkt ist ein gutes Drittel der Saison gespielt und der FCE sollte sich bis dahin in der neuen Umgebung akklimatisiert haben. Leicht wird das nicht. Die ersten fünf Begegnungen gegen Rostock, Wehen-Wiesbaden, Haching, Würzburg und Meppen sind richtungsweisend, denn in diesen Spielen geht es gegen Aufstiegsaspiranten ebenso wie gegen Mannschaften, die froh sind, in der 3. Liga mitwirken zu dürfen und für die das Ziel Klassenerhalt das höchste der Gefühle sein wird. Ebenso für den FCE.

Da der FC Energie in der laufenden Transferperiode nicht auf das sich hochtourig drehende Spielerkarussell aufgesprungen ist und die sportliche Leitung zunächst eher auf die Geschlossenheit und die fußballerischen Fähigkeiten der Aufstiegsmannschaft setzt, muss das erste Etappenziel heißen, schnell anzukommen in dieser Klasse, sich den Heimnimbus erhalten, der Konkurrenz zu zeigen: wir sind konkurrenzfähig. Und zu Hause eine Macht mit den Fans im Rücken und der Fähigkeit, spielerisch und kämpferisch in jedem Spiel alles, was drin ist, „auf die Platte“ zu bringen.

Am Sonntag wird die Mannschaft ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte schreiben. Es ist der Beginn einer neuen Ära nach langen Jahren des Niedergangs und der Enttäuschungen und zwei Spielzeiten voller Entbehrungen in der Regionalliga Nordost. Die Überlebensfähigkeit des Vereins in den zwei Jahren der Viertklassigkeit hing oftmals an einem seidenen Faden. Doch die Liebe zu Energie und eine weise Vereinsführung haben den Club überleben lassen. Die Mannschaft hat sich die Reise durch die 3. Liga verdient und alle, die über zwei Jahre daran mitgewirkt haben zurück zu kommen, ebenfalls. Zurückkommen war gestern. Jetzt heißt es ankommen. Schnell ankommen. Am besten mit einem Erfolgserlebnis gegen Rostock.

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel                                                                30.05.2018 – 13_2017/18

Sie erscheinen immer wieder in den Medien, ob im TV, online auf den einschlägigen Internetseiten oder letztlich auch im Print: Sepp Herbergers Weisheiten. Der legendäre Fußballlehrer, der Deutschland im Jahr 1954 zur Weltmeisterschaft führte, hat es immer auf den Punkt gebracht. „Der Ball ist rund“, was soviel heißen soll wie “Im Fußball kann alles passieren“, oder „Ein Spiel dauert 90 Minuten“, eine Binse, die verdeutlichen soll, dass selbst in der letzten Sekunde (der Nachspielzeit) eines Spiels noch etwas Entscheidendes passieren kann. Oder eben der in der Überschrift genannte Spruch, der verdeutlicht, dass es schon damals, Mitte des vergangenen Jahrhunderts, nach dem Abpfiff kein Rasten und Ruhen gab, sondern schon am Tag nach dem Spiel die Vorbereitung auf die nächste Begegnung beginnt.

Nicht anders läuft es auch bei dem „Neu“-Drittligisten Energie Cottbus. Der Adrenalin- und Endorphin-Spiegel hat sich bei noch nicht allen nach dem vergangenen Sonntag auf Normalmaß zurückgestellt, die Mannschaft feiert auf Mallorca die Versetzung in die nächsthöhere Klasse und die Medien reflektieren die unzähligen schönen und die sehr raren weniger schönen Momente rund um dieses für die Stadt und Region identitätsstiftende Ereignis, welches letztlich doch nur ein Fußballspiel war. Aber was für eins. Nicht das Spiel an sich elektrisierte die Massen. Nein, diese 90 Minuten waren kein Spektakel wie beispielsweise das DFB-Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart. Dieses Spiel war ein Statement der Masse, dass der Fußball ein Sport für alle Fußballbegeisterten ist und bleiben sollte. Und dass sich die Menschen, die ins Stadion pilgern, 90 Minuten Sport wünschen, ohne den Missbrauch für Ideologien, gleich welcher Einfärbung. Es war mehr als eine Aktion, diese phänomenale Choreographie kurz vor Beginn des Spiels, die das ganze Stadion in rot-weiß einfärbte. Es war eine Demonstration der Menschen, dass sie für diese Farben ins Stadion kommen und auf braune, blaue, oder sonstige, politisch eingefärbte Ideologien verzichten können und sich davon distanzieren.

Zurück zu den Herberger’schen Weisheiten. ‚Nach dem Spiel ist vor dem Spiel‘ bedeutet natürlich, dass im Hinblick auf den Start der 3. Liga am 27. Juli alle sportlichen Leiter zusammen mit ihren Mitarbeitern und Kaderplanern versuchen werden, ihre Mannschaften in den nächsten acht Wochen optimal zusammenzustellen und vorzubereiten. Nicht wenige sprechen davon, dass die 3. Liga Jahrgang 2018/19 die beste aller Zeiten sei. Die hochkarätige Besetzung lässt die Mission Klassenerhalt als das einzig realistische Ziel für den FCE erscheinen. Mehr zu erwarten würde bedeuten, sofort eine Drucksituation zu generieren. Und eine entsprechende Erwartungshaltung bei den Fans zu erzeugen, die die gesamte Saison im Hintergrund mitlaufen würde. Das darf nicht die Prämisse sein. 45 Punkte sind wohl erforderlich, um die Klasse sicher zu halten. Denn es gibt zwar einige Aufstiegskandidaten, aber wer in dieser Klasse am 18. Mai 2019 ins sprichwörtliche Gras beißen wird, ist keineswegs ausgemacht.

Es gibt für Pele Wollitz und sein Team nur ein Ziel. Nach dem 38. Spieltag sagen zu können: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – in der 3. Liga.

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Mit breiter Brust                                                                                       16.05.2018 – 12_2017/18

Am vergangenen Montag war der 14. Mai 2018. Für viele ein Tag wie jeder andere. Für Anhänger des FC Energie Cottbus ist dieses Datum jedoch ein besonderes. An diesem Tag vor zwei Jahren ereignete sich der GAU. Energie führte bis zur 89. Minute gegen Mainz II und war zu diesem Zeitpunkt gerettet. Der dem FCE geneigte Verfasser dieser Zeilen schaltete also ob der vermeintlichen Rettung zum finalen Ballyhoo der Bundesliga ins Bezahlfernsehen. Interessehalber dann kurz vor Beginn der Spiele der Beletage nochmals ins dritte Programm gen Osten. Spieler in Rot am Boden, eine apokalyptische Stimmung im Stadion der Freundschaft, in diesem Moment das Stadion der Verzweiflung. Energie hatte sich in den letzten vier Minuten der Begegnung aus der Liga kegeln lassen. Das war schmerzhaft. Und doch hat das ultimativ gekränkte Lausitzer Fußball-Herz mit diesem Tag nicht aufgehört zu schlagen. Der Rest ist bekannt. In der Saison 1 nach dem fußballerischen Totalschaden war der Fußballclub aus Jena voraussetzungsbedingt reifer und letztlich verdient in die 3. Liga versetzt worden.

In der vergangenen Spielzeit konnte kein Team der Regionalliga Nordost dem FCE in jeglicher Hinsicht das Wasser reichen. Und nicht nur in der Regionalliga Nordost. Bayern München mit 84 Punkten und einer Tordifferenz von 64 Toren bleibt hinter dem FCE zurück. Ebenso wie die Aufsteiger aus Liga 3 und 2 und die Meister der restlichen Regionalligen der Republik. Die eindrucksvolle Energie-Bilanz des FCE: 89 Punkte – Tordifferenz 65 – Spielbilanz 28-5-1. Nicht zu unterschlagen der erneute Einzug ins Landespokalfinale gegen Babelsberg. Und doch sind die beeindruckenden Zahlen letztlich nur eine Momentaufnahme. Die Woche der Wahrheit naht. Und die Spannung steigt. Wer wird der Gegner von Energie am 24. Und 27. Mai?

Der SC Weiche 08 aus Flensburg hat mit einem 1:1 den erforderlichen Punkt in Havelse ergattert – Torschütze? Guder, wer sonst – und so kommt es zum Aufeinandertreffen von Groß gegen Klein. Der Verein aus der Handballhochburg Flensburg mutet im Vergleich mit den weiteren Aufstiegsaspiranten und ehemaligen Bundesligisten 1. FC Saarbrücken, SV Waldhof Mannheim, TSV 1860 München, KFC Uerdingen 05 und eben dem FC Energie Cottbus ein wenig wie das kleine gallische Dorf aus Asterix und Obelix an. Wikipedia konstatiert: „Der Stadtteil Weiche bietet nur wenige Sehenswürdigkeiten. Der Mückenwald dient mit dem dort am Rande liegenden Freibad der Naherholung der ortsansässigen Bevölkerung. Einen gewissen Schauwert hat der unweit gelegene Flugplatz Schäferhaus.“ Das sagt alles. Mit knapp sechstausend Einwohnern ist der Stadtteil Weiche im Südwesten von Flensburg eher unauffällig und frei von jeglichem Glamour im fußballerischen Sinn. Und auch der Sportplatz „Manfred-Werner-Stadion“ in der Bredstedter Straße 2 verströmt mit seinen kleinen Tribünen eher ländlichen Charme und wirkt aus der Ferne betrachtet wie ein Dauerprovisorium. Für das Aufstiegsspiel muss Weiche nach Kiel ins dortige Holstein-Stadion umziehen. Das Holstein-Stadion fasst ca. 13.400 Zuschauer. Es ist damit zu rechnen, dass die Energie-Fans die Partie zu einem ersten Heimspiel machen werden.

Kein Provisorium ist das Team von Trainer Daniel Jurgeleit, dass eindrucksvoll die Konkurrenten aus Hamburg und Wolfsburg über weite Strecken der Saison auf Distanz zu halten vermochte. Dass es nach hinten jetzt doch noch so eng wurde, ist dem Umstand geschuldet, dass Weiche im April und Mai ein extrem strammes Programm aus Nachholspielen zusätzlich zu den regulären Begegnungen zu absolvieren hatte und dem Team, dass den Aufstieg in die 3. Liga laut internem Plan erst für 2020 anvisiert hat, ein wenig die Puste auszugehen schien. Schien.

Weiche hat ebenso wie Energie noch ein Landespokalfinale zu absolvieren, spielt am kommenden Montag jedoch schon zur Mittagszeit beim Husumer SV. Mit einem Spieler, der den Unterschied machen kann: René Guder. Der Stürmer hat in dieser Saison bereits 14 Tore erzielt und trifft immer dann, wenn es mal eng wird für den SC. Die Offensivkraft hat bereits für Holstein Kiel in der 3. Liga gespielt, ist ein Leistungsträger im Team von Daniel Jurgeleit. Kein Grund jedoch für Energie-Trainer Pele Wollitz sich zu ängstigen, verfügt seine Mannschaft doch sicher über ein halbes Dutzend Akteure, die in den entscheidenden Momenten den Unterschied ausmachen können. Obwohl der Cheftrainer nicht müde wird, Respekt und Demut vor den kommenden Spielen von seinem Team einzufordern: Peles Mannen können in acht Tagen mit breiter Brust – und hoffentlich den AOK-Landespokal im Gepäck – nach Kiel fahren. Und den Grundstein legen für den ultimativen Showdown im lange ausverkauften Stadion der Freundschaft.

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Der Monat der Wahrheit                                                                      01.05.2018 – 11_2017/18

Drei wichtige Spiele hat der FC Bayern (theoretisch) noch in dieser Saison zu absolvieren. Voraussetzung dafür ist heute Abend ein Sieg mit zwei Toren Unterschied im Estadio Santiago Bernabéu zu Madrid. Ob der deutsche Rekordmeister die Vorspielniederlage gegen die abgezockten Madrilenen revidieren kann und das Finale der UCL erreicht, wird sich zeigen. Sollte den Bayern der Coup gelingen und das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt gewonnen werden, könnte das angestrebte Triple noch gelingen. Die Generalprobe in der Liga entschieden die Münchner mit einer verstärkten Jugendmannschaft gegen kraftlose Frankfurter, die den Abgang ihres Übungsleiters nach der Saison wohl als Alibi hernehmen, um sich die Ernte einer starken Saison noch auf der Zielgeraden selbst zu vermiesen.

Es gibt etliche Parallelen zwischen den Bayern und dem FC Energie. Auch Cottbus hat noch die drei wichtigsten Spiele vor der Brust. Beide Teams haben über 80 Punkte in der Liga eingesammelt, sind schon seit geraumer Zeit Meister. Stehen im Pokalfinale. Und auch Energie setzte, einige Tage vor den Bayern wohlgemerkt, im Heimspiel gegen Nordhausen – immerhin die Drittplatzierten der Regionalliga Nordost – auf eine durch erfahrene Kräfte verstärkte Boy-Group, die Nordhausen in beeindruckender Art und Weise niederhielt und einen völlig verdienten Heimsieg einfuhr. Die Demutsgeste nach dem Spiel, als Claus-Dieter Wollitz im Kreis seiner Jungs vor ihnen niederkniete, bringt deutlich zum Ausdruck, dass der Fußballlehrer in Cottbus noch lange nicht fertig hat. Die Art und Weise, wie Wollitz und sein Team die jungen Spieler an den Profibereich heranführen und dort scheinbar mühelos integrieren, zeugt von einer Weitsicht und perspektivischen Denke, die es schon per se ausschließt, dass der Ostwestfale sein Engagement in der Lausitz kurzfristig beendet. Eine entsprechende Ankündigung des Trainers vor gut zwei Wochen aufgrund der immer noch in ihm lodernden Wut über die scheinbare Ignoranz der Verbände im Hinblick auf den Termin des Landespokalendspiels, wurde vom treuen Publikum beim Heimspiel gegen Fürstenwalde eindrucksvoll und lautstark „weggestreichelt“. Die andauernden Ovationen des treuen Energie-Anhangs für ihren Pele ließen einem noch in 600 Kilometern Entfernung die eiskalten Schauer den Rücken herunterlaufen und Pipi in die Augen treten.

Es spricht für Wollitz, dass er seinem Team auch nach der früh errungenen Meisterschaft vermittelte, die restlichen Spiele in der Liga mit der nötigen Ernsthaftigkeit anzugehen. Nicht zuletzt, um die Spannung bei jedem einzelnen Spieler hochzuhalten, was schwierig genug ist in einer Phase des Durchatmens nach dem Staffelsieg. Ein gelungener Schachzug sind dabei die behutsamen Rotationen in der ersten Elf, die zu einem sanften Konkurrenzkampf innerhalb des Kaders geführt haben. Jeder darf sich zeigen, Stammplatzgarantien gibt es keine, postulierte der Cheftrainer unlängst. Zumindest auf dem Papier und in den restlichen Ligaspielen. Wenn es um die großen Ziele Pokal und Aufstieg geht, stellt sich die Mannschaft, so denn alle Leistungsträger fit und gesund sind, mehr oder weniger von selbst. Und doch weiß Pele Wollitz jetzt, dass er durchaus Alternativen auf der Bank hat, die sich im Falle des Falles nahtlos in die Stammelf einfügen. Und auch im taktischen Bereich ist das Team flexibler geworden.

Mit der entsprechenden Gier und einer hundertprozentigen Fokussierung sollte der FCE in der Lage sein, den Landespokal in der Lausitz zu behalten und die Mission Aufstieg erfolgreich zu gestalten. Die nächsten vier Wochen entscheiden über Erfolg und Misserfolg einer ganzen Saison. Der Mai ist der Monat der Wahrheit. Für Energie und die Bayern.

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Das Triple                                                                                                           13.04.2018 – 10_2017/18 

Für den ruhmreichen FC Bayern München gibt es ein Synonym, ein zusammenfassendes Wort für eine sehr erfolgreiche Saison: Triple. Drei Titel gilt es zu holen, um eine Spielzeit für die Bajuwaren zu einer außergewöhnlichen zu machen. Meisterschaft, Pokal und die UEFA Champions League.  Stellt sich die Frage, was das alles mit dem FC Energie zu tun hat. Nun, ein Trainer hat in der jüngeren Vergangenheit Energie Cottbus die Bayern der Regionalliga Nordost genannt. Ergo sind die Bayern der FC Energie der Bundesliga. Die Bayern haben den 28. Meistertitel kürzlich in Augsburg eingetütet, spielen im DFB-Pokal in der Vorschlussrunde am kommenden Dienstag bei der Werkself in Leverkusen und haben gegen die „Galaktischen“ von Real Madrid nur einige Tage später die Chance, in zwei Spielen ins Finale der UCL einzuziehen. Garniert sind diese Begegnungen immer von den noch ausstehenden Bundesligapartien an den Wochenenden zwischendurch. Ein strammes Programm. Der FC Energie hat das Pokalfinale bereits erreicht, den Staffelsieg vor Augen – es fehlen noch sieben bis acht Punkte – und spielt Ende Mai um den heißersehnten Aufstieg in die 3. Liga. Sollte der AOK-Landespokal in Babelsberg verteidigt werden und die Versetzung in Liga 3 gelingen, es wäre das Triple Marke FCE.

Mit einem Erfolg der Münchner aber kaum zu vergleichen, weil unter ungleich schwereren Bedingungen erkämpft, erarbeitet und erspielt.

Es hat sich doch einiges zugetragen rund um den Eliaspark in den letzten zehn Wochen. Und es würde sicherlich zu weit führen, alle diskussionswürdigen Sachverhalte nochmals aufzurufen, denn passiert ist passiert. Auch die erste Niederlage mit einer 1b in Zipsendorf hat den Energie-Express nicht aufhalten können. Zumal die Meuselwitzer wenige Tage später den BFC Dynamo ebenfalls mit einer Niederlage im Gepäck nach Berlin zurückgeschickt haben und ihre Leistung gegen den FCE bestätigten.

Haften geblieben sind jedoch drei Dinge. Zunächst einmal ist es ein absolutes No Go, wenn ein Unparteiischer den Kapitän einer (Regionalliga-) Mannschaft mit einem Ausdruck tituliert, der dem Vokabular der Gossen- bzw. Fäkalsprache entlehnt ist. Marc Stein steht nicht im Verdacht, hier die Unwahrheit wiedergegeben zu haben. Zugegeben: Die Männer in Schwarz müssen sich Woche für Woche jede Menge auf den Sportplätzen anhören. Hätte jedoch Marc Stein den Pfeifenmann als, na Sie wissen schon, bezeichnet, er hätte die rote Karte gesehen. Klarer Fall. Umgekehrt sollte der Verband  jedoch den Vorgang zum Anlass nehmen, seinen Unparteiischen ein wenig mehr Distanz und Kinderstube ans Herz zu legen. Marc Stein hat es überlebt und war souverän genug, nicht mit gleicher verbaler Münze zurück zu zahlen.

Am kommenden Sonntag kommt es zur Neuauflage des Pokalhalbfinales gegen Union Fürstenwalde. Eine brisante Partie, wenn man sich die Partie auf Brandenburgs gefühlt kleinstem Fußballplatz noch einmal in Erinnerung ruft. Pele Wollitz beschwerte sich nach dem Spiel noch auf dem Platz über mangelnden Respekt gegenüber den Cottbusern. Selbst wenn man nicht dabei gewesen ist, vermittelte der Cheftrainer des FCE mit seinen Worten eine gehörige Portion Wut, die ihm den Hals so anschwellen ließ. Aus der Ferne schwer zu beurteilen. Was jedoch die Zuschauer eines Fußballspiels dazu bewegt, ihre Gäste (!), trotz aller Rivalität und sportlichem Ehrgeiz, so zu behandeln, dass es einen Claus-Dieter Wollitz derart auf die Palme bringt, ist nicht nachvollziehbar. Die Atmosphäre ist aufgeladen und der Verband ist gut beraten, am Sonntag einen erfahrenen Schiedsrichter zu schicken, der auch schon höherklassig gepfiffen hat. Das Lazarett von Energie ist groß genug und braucht keine weiteren Zugänge.

Zu guter letzt ein paar Worte zum Cheftrainer. Pele Wollitz ist ein impulsiver Mensch. Und seine persönliche „Zündschnur“ ist nun einmal nicht die längste. Wer dem manchmal knurrigen Ostwestfalen in den letzten Monaten auf den Pressekonferenzen zugehört hat, könnte zu dem Schluss kommen, Wollitz bräuchte es einmal pro Woche, über die Dinge, die ihn stören, vom Leder zu ziehen. Es ist nicht soweit hergeholt, dass der Fußballlehrer aus Brakel gerne mal Dampf ablässt. Wer z.B. auf Google „Wollitz + Wutrede“ eingibt, bekommt innerhalb einer halben Sekunde 3600 Verweise. In Worten: Dreitausendsechshundert. Glatt. Schön und gut. Man sollte nicht vergessen, dass solche Ausbrüche durchaus Kraft kosten können. Oder Kräfte freisetzen. Wollitz reibt sich seit geraumer Zeit an dem Thema Ansetzung Pokalfinale kurz vor den Relegationsspielen, Solidarität mit dem Aushängeschild des Verbandes durch den Verband, die Schwierigkeiten, mit seinen Gedanken und Bedenken auf Gehör zu stoßen. Und, und, und. Durch dieses immerwährende Lamento über den Rahmenterminplan und die Koordinierung der entscheidenden Spieltermine wird es ja nicht besser. Die Termine stehen seit knapp einem Dreivierteljahr und es wäre zielführender gewesen, die nachvollziehbare Problematik schon viel früher, ob schon im Finale oder nicht, auf den Prüfstand zu stellen. Der Antrag auf Verlegung des Pokalfinales wurde abgelehnt. Punkt.

Wollitz‘ heute in der Pressekonferenz im übertragenen Sinne geäußerte Müdigkeit ist nicht zu unterschätzen. Der Mann braucht auch seine Anerkennung. 70 Punkte nach 27 Spielen sind schließlich eine Hausnummer.

Es gilt nun, die Kräfte zu bündeln, sich wieder auf das Tagesgeschäft zu konzentrieren, um den Staffelsieg baldmöglichst und mit „der besten Kapelle“ Ende Mai das Cottbuser Triple klarzumachen.

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Spektakel, der Spieler des Jahres und ein trügerischer Erfolg             31.12.2017 – 09_2017/18

Ja, der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Nein, nicht der AOK-Landespokal, den Energie souverän Ende Mai im Stadion der Freundschaft eintütete. Nein der DFB-Pokal. Hätte – hätte – Fahrradkette. Der glückliche Erstrundensieger aus dem August VfB Stuttgart, der von einigen, den Schwaben wohlgesonnenen Quadratzentimetern am Elfmeterpunkt nahe der Nordwand profitierte, setzte sich gegen die dauerstrauchelnden Betze-Buben durch und musste sich gegen keineswegs überragende Mainzer nun im Achtelfinale geschlagen geben. Statt dem VfB wäre der FCE gegen den 1. FC Kaiserslautern in die nächste Runde gegangen und wäre gegen Mainz 05 sicher nicht chancenlos gewesen. Tja und wer weiß, unter Umständen wäre es im Viertelfinale zu einem Aufeinandertreffen mit dem SC Paderborn und einem Wiedersehen mit Sven Michel gekommen. Und an einem guten Tag ist alles möglich – und Energie wäre plötzlich im Halbfinale. Peng! Wäre – wäre – wäre – Fahrradkette. Ja, der „Loddar“ Matthäus ist schon ein wahrer Fußball-Philosoph. Noch zwei Worte zu den Pokalen. Der Gewinn des AOK-Landespokals ist ein toller Erfolg für Energie, den man sich gerne in den Briefkopf schreibt. Ein Fußballfest vor über 8.000 Zuschauern. Das Spiel gegen Stuttgart war kaum an Dramatik zu überbieten. Lange Zeit war dem objektiven Zuschauer nicht klar, wer in der Bundesliga, bzw. in der Regionalliga spielt. Noch in der Verlängerung war ein Sieg der Lausitzer möglich. Doch die Latte des Stuttgarter Tores hatte etwas gegen den Kopfball von Marc Stein. Und dann die Wiese rund um den ominösen Punkt. Schwamm drüber. Energie Cottbus hat in diesem Spiel eindrucksvoll Werbung gemacht für den Viertligafußball, für die Region und die Begeisterung der Fans für ihren Lieblingsclub. Das war Spektakel vom Feinsten. Der Liga-Krösus FC Bayern hat sich zuletzt mit einer Halbzeit prickelndem Champagner-Fußball gegen das zunächst etwas labberige „Pilsken“ BVB Dortmund durchgesetzt. Im Verlauf dieser neunzig Minuten kam dem Chronisten immer wieder der Satz eines Trainers in den Sinn, dass der FCE die Bayern der Regionalliga Nordost seien. Nicht ganz so weit hergeholt, wenn man die Teams mal Mann für Mann vergleicht. Dazu: Bester Kader, bestes Stadion, beste Fans – okay, beste Fans ist im Vergleich zu den Bayern-Anhängern etwas subjektiv, weil nicht vergleichbar.

Ein bewegtes Jahr liegt hinter dem FCE. Fast-Insolvenz Ende 2016, Rettung durch einen ziemlich besten Freund von Energie-Präsident Michael Wahlich. Bau eines Kunstrasenplatzes für den Nachwuchs, ermöglicht durch zahlreiche Spenden der Fans und des Handwerks aus der Lausitz. Das Hase-und-Igel-Spiel mit dem FC Carl-Zeiss-Jena in der Regionalliga Nordost, gegen den immerhin vier Punkte geholt wurden. Das tolle 3:1 gegen den späteren Aufsteiger vor über 13.000 Zuschauern in Cottbus Anfang April zeigte, welch ein eingeschworenes Team Pele Wollitz in wenigen Monaten nach dem Abstieg aus der 3. Liga aus dem Nichts geformt hat. Die Früchte dieser Saat erntet das Team in der laufenden Saison. Leider auch in der Erinnerung geblieben sind die Vorfälle beim Ligaspiel in Babelsberg. Trauriger Höhepunkt einer sich längere Zeit andeutenden Radikalisierung von Gruppierungen, die den FC Energie als öffentliche Plattform für ihre kranke Gesinnung missbrauchten, die aber auch so gar nichts mit Fußball zu tun hat. Und dem Verein einen immensen Imageschaden zufügten. Die bundesweite Berichterstattung über die Vorfälle steht isoliert in der Öffentlichkeit und es wurde mit keiner Silbe in den überregionalen Medien erwähnt, welche Anstrengungen der FCE unternommen hat, um diesen Chaoten den Nährboden Fußball konsequent zu entziehen. Das Verfahren des NOFV musste zu einer (gesichtswahrenden) Bestrafung führen, die in zweiter Instanz reduziert wurde, dem Verein Energie Cottbus jedoch noch immer in jeder Hinsicht wehtut.

In Erinnerung geblieben sind auch die Neutronen, die vor einigen Monaten durch den Eliaspark zischten und in Form eines generösen, quasi aus dem Nichts auftauchenden Geldgebers Energie bis zu 10 Millionen Euronen, ähem, Euro in die stets aufnahmebereiten Kassen spülen sollten. Der ganze Auftritt des Hauptgesellschafters der besagten Firma war von Anfang geprägt von dem Willen und der merkwürdigen Ausstrahlung, seine Firma, die bis dato keine Geschäftstätigkeit, sondern nur eine Vision vorzuweisen hatte, über Energie Cottbus landesweit bekannt zu machen. Das ist nur kurz gelungen. Der weise Vorstand um Michael Wahlich und die Geschäftsleitung rochen den Braten schnell und beendeten die Zusammenarbeit mit den unsichtbaren Teilchen, noch bevor sie überhaupt begonnen hatte. Dass der FCE jedoch einem Geldregen durchaus nicht abgeneigt ist, zeigt die Causa Maximilian Philipp. Der Ex-Cottbuser wechselte im Sommer für ca. 20 Millionen von Freiburg nach Dortmund. Etwa 1,8 Millionen davon wanderten dem Vernehmen nach auf das Konto von Energie, weil der ehemalige Sportdirektor Christian Beeck beim Wechsel Philipps nach Freiburg vorausschauend einen 10-prozentigen Nachschlag bei einem weiteren Transfer des gebürtigen Berliners vereinbarte.

Gerade frisch ausgelost: Halbfinale AOK-Landespokal in Fürstenwalde auf einem Sportplatz, auf dem besser Acht gegen Acht gespielt werden sollte. Das wird ähnlich kompliziert wie in der Vorrunde, doch auch diese Hürde sollten Peles Mannen kurz vor Ostern nehmen können.
18 Spiele ungeschlagen, 50 Punkte, nur fünf Gegentore in der Liga, 43 selbst erzielt. Eine beeindruckende Serie, die wahrscheinlich nicht so schnell reißen wird. Ja, es gibt nichts zu meckern. Okay, manchmal wäre etwas mehr Spektakel gut für die Fan-Seele. Doch sollte man keine Sekunde vergessen, dass jeder Gegner das Aufeinandertreffen mit Energie Cottbus als Spiel des Jahres apostrophiert und dementsprechend motiviert gegen das Wollitz-Team antritt. Das muss alles erst einmal gespielt sein. Vor einigen Tagen wurde dazu aufgerufen, den Spieler des Jahres 2017 bei Energie zu wählen. Es gibt einige aus dem Team, die dafür in Frage kämen. Sie wären jedoch nichts ohne die Mannschaft. Aus diesem Grund wähle ich die Mannschaft des FC Energie Cottbus zum Spieler des Jahres 2017.

Spectaculum maximus wird es mit Sicherheit in den Spielen 35 und 36 geben, die der DFB sinnigerweise drei bzw. sechs Tage nach dem Tag der Amateure mit den 17 Landespokalfinalbegegnungen angesetzt hat. Es wird Einiges geboten zwischen dem 21. und 27. Mai des nächsten Jahres.
Apropos DFB. Nach dem „Revoluzzer“ Pele Wollitz seinen Willen durchgesetzt, dem Dachverband eins aufs Dach gegeben und ihn zu einem letztlich zeitschindenden Mini-Interims-Reförmchen getrieben hat, zeigt sich bei näherem Hinsehen, welch trügerischer Erfolg aus Sicht des „ewig abgehängten Ostens“ erstritten wurde. Das DFB-Zuckerl, dass in der Saison 2018/19 neben dem Südwesten der Nordosten den zweiten festen Aufsteiger stellt, ist gut und schön. Birgt jedoch für Energie die Gefahr, dass bei Nichtgelingen des großen Ziels in 2018 die Regionalliga Nordost in der darauffolgenden Saison vor Aufstiegskandidaten nur so wimmelt. Wenn, getreu nach Murphy‘s Gesetz, alles schiefläuft was schieflaufen kann, kommen aus der 3. Liga im Mai gleich drei Vereine in die Regionalliga Nordost. Das führt dann zu einem Massenabstieg in die 5. Liga und macht die Aufgabe, am Ende der Saison 2018/19 auf dem Platz an der Sonne zu sitzen, doppelt und dreifach schwer. Ergo ist der FC Energie mehr oder minder zum Aufsteigen verdammt. Peles Männer können es schaffen. Vor dem Triumph aber werden alle, die es mit Energie halten, mindestens zweimal im Stadion der Freundschaft und einmal in der Fremde zu einem kollektiven Spektakel beitragen müssen. Den Rest besorgt die Mannschaft.

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Murmeltiertag und Halloween am 1. April                                           22.11.2017 – 08_2017/18           

Wer glaubt, Pele Wollitz sei ein impulsiver Mensch, der täuscht sich gewaltig. Ohne ihm ein gewisses Temperament absprechen zu wollen, der Ostwestfale an sich ist ein ruhiger Vertreter. So auch Wollitz. Nur bei einem Thema hat der Cheftrainer des FC Energie eine extrem kurze Zündschnur. Immer wieder zu beobachten bei den wöchentlichen Pressekonferenzen im Stadion der Freundschaft. Nachdem Wollitz seinen Sachstandsbericht zu den Verletzten und Rekonvaleszenten abgegeben hat, wartet er auf die Fragen der anwesenden Journalisten. Derzeit ist der Mangel an Personal in der Offensivabteilung zu kompensieren, wie ist der Stand bei eventuellen Neuzugängen in der Winterpause, wie hält man die Spannung hoch bei dem weiten Abstand zum Tabellenzweiten, der nächste Gegner wird kurz beleuchtet. Und so weiter, und so fort. Wenn die üblichen Themen abgefrühstückt sind, muss man nicht lange warten, bis ganz vorsichtig aus den Reihen der Journaille die Frage nach dem vermaledeiten Aufstiegsmodus kommt. Dann wird Pele Wollitz emotional und springt jedesmal wie auf Knopfdruck sprichwörtlich aus dem Anzug. Sein Credo: Leistung – über lange 34 Spieltage nachgewiesen – muss sich lohnen. Die Meister der Regionalliga müssen ohne den Weg über die Relegation, der für die Hälfte der teilnehmenden Mannschaften mit einer bitteren Nichtversetzung endet, zurück in den Profifußball befördert werden. Das ist nachvollziehbar.

Die Diskussion läuft nunmehr seit gut einem Dreivierteljahr. Pele Wollitz wurde zeitweise als Revoluzzer karikiert. Und der Verfasser sprach an dieser Stelle im Februar von einer „Quadratur des Kreises“. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Monate, in der sich der zu Beginn renitente DFB als Dachverband der ganzen Veranstaltung extrem phlegmatisch, sprich reformunwillig präsentierte, mutet der ganze Prozess bei allen Bemühungen manchmal an, als ob Murmeltiertag, Halloween und der 1. April auf einen Tag fallen. Die vorgeschlagenen Optionen, die teilweise rollierende Regelungen mit wechselnden, festen Aufsteigern vorsähen, klingen wie ein Aprilscherz, sind gleichermaßen grausam-gruselig wie die Aufforderung der am 31. Oktober durch die Straßen marodierenden Kinder, die „Gib Süßes, sonst gibt’s Saures“ (kurz: „Süßes oder Saures“) reklamieren und erinnern fatal an den Murmeltiertag, den 2. Februar in Punxsutawney/Pennsylvania. Immer die gleichen Ansätze, monatelange fruchtlose, sich im Kreis drehende Diskussionen ohne befriedigenden Ausgang.

Seit einigen Wochen kristallisiert sich jedoch eine Regelung heraus, die, eine gewisse Beweglichkeit der Landesverbände vorausgesetzt, ab der Saison 2019/2020 greifen könnte. „4 aus 4“ heißt die Zauberformel, die einem jedoch zunächst ein großes Fragezeichen in das erstaunte Gesicht malt. Vier aus vier? Hey, wir haben doch fünf Regionalligen, oder? Ja, der DFB möchte die Anzahl der Regionalligen auf vier reduzieren. Relegation passé, die Meister würden direkt aufsteigen. Und Revoluzzer Wollitz hätte Satisfaktion.

Klingt einfach und sauber. Wenn alle mitspielen. Wenn. Schaut man sich jedoch die Erklärung der Dritt- und Viertligavereine des NOFV vom 16. November an (http://www.nofv-online.de/index.php/aktuelles-leser-114/erklaerung-der-vereine-des-nofv.html), die die Regelung „4 aus 4“ goutiert, gleichzeitig jedoch die Abschaffung der Regionalliga Nordost kategorisch ausschließt, kommen einem Zweifel an einer geschmeidigen Lösung, die auf dem ausserordentlichen DFB-Bundestag am 8. Dezember in Frankfurt am Main diskutiert und beschlossen werden soll. Fragen über Fragen schlössen sich einem entsprechenden Beschluss ad hoc an. Das alles muss den FCE nicht kümmern, wenn Wollitz‘ Mannen am 21., 24. und 27. Mai 2018 Geschichte schreiben, den AOK-Landespokal verteidigen und erstmals – und hoffentlich letztmalig – den Aufstieg in die 3. Liga schaffen.

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ZU HÖHEREM BERUFEN                                                                      09.11.2017 – 07_2017/18

Zunächst einmal müssen ein paar Worte gesagt werden zu Dingen, die alles andere als zu Höherem berufen sind. Da sind zum einen die Sportfelder in Fürstenwalde und Nordhausen, die gehobenen Ansprüchen eher nicht genügen. In Fürstenwalde fanden die Spieler einen Fußballplatz vor, der im Vergleich zum Hauptplatz im Stadion der Freundschaft um glatte zwei Handballfelder kleiner ausfiel. Das bei Union für den letztlich verdienten Dreier gleich drei Standards herhalten mussten, spielt letztlich keine Geige. Hat aber gezeigt, dass Energie im Gegensatz zur vergangenen Saison solche Spiele nicht mit filigranem Tiki-Taka gewinnt, sondern konsequent die sich bietenden Chancen ausnutzt und auch durch einen zwischenzeitlichen Rückstand nicht aus der Bahn geworfen wird. Die Kopfballtore von Weidlich und Boakye nach den Eckbällen von Zimmer wirkten einstudiert und der Freistoß von „Maximizer“ Zimmer war kein Glücksschuss, sondern eine weitere gelungene Finger- bzw. Zehenübung des FCE-Playmakers. Kleinfeld hin oder her.

Ein anderes Bild beim Auswärtskick in Nordhausen. Die thüringische Kreisstadt, idyllisch am Südrand des Harz zwischen Kassel und Leipzig gelegen und mit einer Affinität zur Produktion von Hochprozentigem hat in seinem schön gelegenen Albert-Kuntz-Sportpark ein Rasenspielfeld von normalen Ausmaßen. So weit, so gut. Jedoch hat der Platz nicht unbedingt die Qualität, um höheren Ansprüchen gerecht zu werden. Aber die wackeren Nordhäuser haben einen prominenten Spieler, der durchaus den Unterschied machen kann und auch auf schwierigem Geläuf zu reüssieren vermag. Der talentierte Lucas Scholl, Sohn des gleichnamigen Mehmet, durfte nach einer halben Stunde mit dem an der Eckfahne viel zu leicht erkämpften Spielgerät ein bisschen durch die rechte Abwehrseite von Energie kreiseln und die Flanke zum Ausgleich durch Pichinot in den Energie-Strafraum abstrahlen. Das sah einfach aus. Und war es auch. Zu einfach, trotz widriger Platzverhältnisse.

Dass die Serie des bis dato ungeschlagenen Tabellenführer weiter Bestand hat, lag einerseits an dem erneuten Geniestreich von Maximilian Zimmer, der schon früh eine scharfe Hereingabe von Viteritti gekonnt und unerreichbar für Wackers Keeper Rauhut in die lange Ecke drückte und ist zudem Avdo Spahic zu verdanken, der einen zu lasch von Propheter geschossenen Strafstoß parieren konnte. Den ansonsten ob ihrer Unterstützerqualitäten in einer völlig anderen Liga agierenden Energie-Fans, die wiederum zu mehreren Hundert ihre Lieblinge über 350 Kilometer in die Fremde begleitet haben, gingen nach dem Fehlschuss von Propheter mal eben sämtliche Gäule durch. Die Schmäh- und sonstigen Rufe waren völlig daneben und nötigten Pele Wollitz zu einer öffentlichen Entschuldigung nach dem Spiel. Das war eine glatte Sechs. Nachvollziehbar, dass die Mannschaft nach dem glücklichen Punktgewinn den Erhalt der Serie nicht mit den Fans feiern wollte.

Trotz dieser hoffentlich einmaligen peinlichen Ausfälle und Missklänge sind die Anhänger des FCE in ihrem schon immer aufopferungsvollen, leidensfähigen und enthusiastischen Support alles andere als viertklassig und durchaus zu Höherem berufen.

Ebenfalls auf dem Weg nach oben ist das gesamte Team des FCE, also auch das Team hinter dem Team. Alle arbeiten für das Ziel Aufstieg. Doch einer sticht trotzdem derzeit heraus. Maximilian Zimmer. Der Neuzugang vom BAK 07 ist ein sehr kompletter Spieler, der aus jeder Spielsituation das Optimum herauszuholen versucht. Ein echter Quarterback die Nummer 17, der das Spiel liest und jederzeit Offensivakzente setzen kann. Der gebürtige Berliner wurde bei Hertha BSC ausgebildet und hat in verschiedenen U-Auswahlmannschaften des DFB gespielt. Zimmer will mit dem FCE aufsteigen und noch länger den Weg der Lausitzer nach oben begleiten. Denn beide, Energie Cottbus und Maximilian Zimmer, sind zu Höherem berufen.

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DER BESSERMACHER                                                                                 25.10.2017 – 06_2017/18

Seit gut anderthalb Wochen hat die Überschrift einen festen Platz im Kopf und Konzept des Verfassers für den vorliegenden Text. Und justamente diesen Aspekt reflektiert Jan Lehmann dieser Tage in der Lausitzer Rundschau. Pele Wollitz mache nachweislich Offensivspieler besser und aus einem als Chancentod apostrophierten Angreifer einen echten Torjäger. Recht hat der Kollege Lehmann.

Man könnte jedoch die ganze Thematik noch weiter fassen. Der Cheftrainer macht nicht nur (Offensiv-) Spieler besser, nein, er potenziert den Effekt dadurch, dass es ihm in den letzten vier Monaten gelungen ist, seinem Kader ein Selbstvertrauen einzuflößen, welches die Mannschaft des FCE letztlich dazu befähigt, renitente Gegner wie Union Fürstenwalde am vergangenen Sonntag durch einen kleinen systemischen Schachzug niederzuhalten. Und sei es, ein zähes Spiel durch drei Standards im zweiten Durchgang zu drehen. Da weiß man, dass unter der Woche rund um den Eliaspark nicht nur „Fünf gegen Zwei“ gespielt wird. Dazu kommt, dass alle Mannschaftsteile funktionieren und ineinandergreifen wie ein Schweizer Uhrwerk. Avdo Spahic war bisher lediglich zweimal durch ruhende Bälle aus elf Metern zu bezwingen, die Viererkette um Kapitän Marc Stein lässt nicht viel zu und das meist sehr offensiv aufgestellte und durch die Bank torgefährliche Mittelfeld um Kruse, De Freitas, Viteritti, Weidlich und Zimmer – um das den FCE so mancher Drittligaverein beneidet – kreiert ergänzt durch die Außen Schlüter, der teilweise durch geniale Pässe glänzt, und Startsev mit variablem Umschaltspiel immer wieder erfolgversprechende Angriffe. Nicht zuletzt ist der Energie-Express nur schwer auszurechnen, denn die bisher erzielten 35 Ligatore verteilen sich auf jede Menge Schultern. Zehn Cottbuser Akteure zeichnen für im Schnitt knapp drei Treffer pro Spiel verantwortlich. Tormaschine Streli Mamba setzt natürlich mit seinen zehn Treffern eine überragende Quote, aber die Verteilung der restlichen Treffer macht deutlich, dass jeder Spieler im Kader des FCE in der Lage ist, für den unangefochtenen Tabellenführer zu treffen. Und hätte Malte Karbstein in der Schlussphase bei Lok Leipzig nicht in dem vortrefflichen Benjamin Kirsten seinen Meister gefunden, der FCE würde mit 36 Punkten nach zwölf Spieltagen alle Rekorde geknackt haben, die es für den Bereich der 4. Ligen und höher gibt. Und eine gesamte Elf an Torschützen aufbieten können, Avdo Spahic nicht mitgerechnet. Aber wer weiß. Wenn irgendwann mal ein sicherer Elfmeterschütze gesucht wird bei einem komfortablen Vorsprung – vielleicht schon gegen Luckenwalde? – sagt der oftmals dank seiner Vorderleute nur wenig beschäftigte Cottbuser Keeper sicher nicht nein.

Trotz aller Abschweifungen: Wir waren beim Bessermacher Claus-Dieter Wollitz. Der Trainer ist ein erfahrener Fahrensmann durch alle Profiligen im deutschen Fußball. Und dem Ostwestfalen macht so schnell keiner was vor. Dass ihm aber trotzdem nicht alles hinten vorbeigeht, zeigt die Causa Mamba. Der Stürmer, nach einigen Wochen Zwangspause im „Derby“ gegen Babelsberg wieder ganz in seinem Element, hat sich letzte Woche überraschend krankgemeldet. Hüftprobleme. Rund um die Hüfte verlaufen viele Muskeln, von denen Streli ja einige vorzuweisen hat. Das kann auch vom Rücken ausstrahlen, oder man hat sich unnatürlich verrenkt – bei was auch immer. Dem Spieler zu unterstellen, er würde „krankmachen“ um seinen „Abgang vorzubereiten“ ist reine Spekulation und gleichermaßen infam. Mamba hat Vertrag. Basta. Und wenn der Sprung in die 3. Liga gelingt, ist er bis 2019 bei Energie Cottbus gebunden. Und im Schaufenster für höhere Aufgaben. Er wird seine „Hüfte“ auskurieren und weiter für Energie treffen, die Tormaschine.

Vorschau: Im nächsten Fernglas geht es unter anderem um die fantastischen Fans, ohne die Energie nur die Hälfte wert wäre und um Maximilian Zimmer. Ein Juwel, ein echter „Quarterback“, wie ihn sich jeder Trainer wünscht. Auch der Bessermacher Pele Wollitz. Aber der hat ihn ja. Glücklicherweise.

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DIE SERIE                                                                                                        27.09.2017 – 05_2017/18

Ab und an gestaltet es sich schon etwas mühsam, an einem Wochenende, wie dem vergangenen, aus ungefähr 650 Kilometern dem FC Energie in den Medien live zu folgen. Einer nicht sehr stabilen Internetverbindung war es geschuldet, dass weder das Fanradio durchgehend empfangen werden konnte, noch der Livestream des rbb stabile Bewegtbilder aus dem Poststadion in die tiefe Provinz des Hintertaunus oberhalb der Lahn lieferte. Nicht zuletzt deshalb war es dem Tele-Kolumnisten verwehrt geblieben, den Moment des Spiels live miterleben zu dürfen.

Nachdem die Kommentatoren des Fanradios, die im Verlauf der Partie beim Berliner AK einem Unentschieden durchaus etwas abgewinnen konnten, wieder durch das digitale Nirvana empfangbar waren, hatte sich etwas ereignet, war offensichtlich einiges anders als zuvor. Energie war in Führung gegangen und auch das nun wieder erkennbare Bild des rbb-Livestreams postulierte die FCE-Führung eine Viertelstunde vor Schluss. Lasse Schlüter hatte Energie in Führung gebracht. Mit einem Husarenritt durch die rechte Abwehrseite des BAK, mit fulminanten Abschluss ins lange Eck, sicherte der begabte Cottbuser Akteur, der erfolgreich die linke Außenbahn bei Energie beackert, seinem Club den Dreier, der dem Lausitzer Vorzeige-Verein weiterhin mit makelloser Bilanz in der Tabelle die Spitzenreiterposition innehalten lässt und das vielfach zitierte Alleinstellungsmerkmal „verlustpunktfrei“ in den Ligen eins bis vier manifestierte. Das ist erfreulich und steigert das Selbstvertrauen, ist aber nur von gewisser Werthaltigkeit. Selbst wenn der FCE die Saison mit einem dreistelligen Punktekonto abschließen sollte, gilt am Ende der Saison die allseits ungeliebte Formel 3 aus 6. Da drohen Gegner wie die Offenbacher Kickers, München 1860 oder der 1. FC Saarbrücken – oder die zweite Mannschaft eines Bundesligisten.

Die Aufstiegsrelegation soll dem Vernehmen nach ab der Saison 2018/19 einem neuen Modus weichen. Egal, welche der angedachten Optionen letztlich das Rennen machen wird, die Drittliga -Vereine sind natürlich nicht erfreut über eine aufgestockte Liga und fünf Absteigern ab nächster Saison, so die Regelung sich beim nächsten DFB-Bundestag durchsetzen sollte. Auch für den FCE könnte solch eine Regelung Folgen haben. Muss man doch, im Falle des Aufstiegs, im schlechtesten Fall Platz 15 in der dritten Liga erreichen, um die Klasse halten zu können. Und nicht gleich wieder dort zu landen, wo die Spieler als Söldner und der Cheftrainer als „Pelle“ Wollitz begrüßt werden.

Apropos Pele Wollitz. Der Cheftrainer hat es in den vergangenen Wochen nicht leicht. Seine Offensivabteilung lahmt. Durch mehr oder weniger schwerwiegende Verletzungen ist der Sturm eher ein Stürmchen. Doch CDW wäre nicht der Pele, hätte er nicht immer eine Alternative in petto. Boakye hat gegen den BFC Dynamo und in seinem ersten Startelfeinsatz in Berlin gegen den BAK bewiesen, dass er unbedenklich in jedem Spiel gebracht werden kann. Benjamin Förster wird nach seinem Syndesmose-Bänderriss wohl erst in der Rückrunde zur Verfügung stehen. Und die Tormaschine Streli Mamba wird seinen Muskelfaserriss in den nächsten drei Wochen auskurieren und erst Mitte, Ende Oktober in den Kader zurückkehren.

Der Trainer besitzt jedoch alle Möglichkeiten, die nächsten Aufgaben auch ohne etatmäßige Stürmer erfolgreich gestalten zu können. Damit die Serie Bestand hat, und der FC Energie ungeschlagen bundesweit für Beachtung sorgt.

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ZWEISTELLIG                                                                                              27.08.2017 – 04_2017/18

Der dem FCE geneigte Unterstützer kann sich nach dem heutigen Spiel des Eindrucks nicht erwehren, die vereinte Schiedsrichter-Gilde der Regionalliga Nordost hätte beschlossen, die Staffel im Rahmen ihrer Möglichkeiten einigermaßen spannend zu halten. Bisher eher feinfühlig und unterschwellig, aber das muss ja nicht immer so bleiben. Sollte sich der eingeschlagene Weg, in jedem zweiten Spiel mindestens einen Energie-Akteur des Feldes zu verweisen, als nicht zielführend erweisen, gibt es ja auch noch das gern genommene Stilmittel zweifelhafter Elfmeter, um Spiele nachhaltig in eine gewisse Richtung zu lenken. Oder die Kombination aus Platzverweisen und nicht berechtigten Strafstößen hat noch immer jedes noch so gefestigte Team irgendwann demoralisiert. Dazu kann man ja den, an der Seitenlinie zum HB-Männchen mutierten, aufgebrachten Trainer im Zweifelsfall auf die Tribüne schicken. Und alle Verfehlungen in einem ausführlichen Report auf dem Spielberichtsbogen niederlegen. Spaß und Satire beiseite. Wenn das so weitergeht, wird Energie Cottbus nicht nur mit zweistelligem Punktvorsprung die Staffel für sich entscheiden. Nein, das Team von Pele Wollitz wird die Saison mit einer rekordverdächtigen Anzahl von Platzverweisen beenden und voraussichtlich keine zwei Spiele mit der gleichen Startaufstellung beginnen. Wenig tröstender Nebeneffekt: Die Mannschaftskasse wird bersten. Zum Platzverweis von „MAN OF THE MATCH“ Tim Kruse gegen die Zipsendorfer ist anzumerken, dass die zweite gelbe Karte wohl regelkonform war, aber ob man sie in der Nachspielzeit zeigen muss, ist zumindest diskussionswürdig. Der Freistoß in aussichtsreicher Lage hätte es doch auch getan. Zumindest aus Sicht aller FCE-Anhänger. Ärgerlich für Tim Kruse, der zuletzt einen Lauf hatte und zumindest im nächsten Ligaspiel beim Aufsteiger Germania Halberstadt zuschauen muss.

Ärgerlich aus Sicht der Cottbuser übrigens auch die Auslosung zur zweiten Runde im DFB-Vereinspokal. Wäre es doch, ein Weiterkommen gegen Stuttgart vorausgesetzt, zu der reizvollen, für den FCE durchaus machbaren Partie gegen den ruhmreichen, doch in den letzten Jahren finanziell arg gebeutelten 1. FC Kaiserslautern gekommen. Wäre, wäre, Fahrradkette (Zitat Lothar Matthäus). Die Zuschauerzahl hätte sich sicher ebenfalls im zweistelligen Tausenderbereich bewegt und mit einem Sieg steht man unversehens im Achtelfinale. Nicht zu vergessen die 280.000 Euro Garantiesumme. Wie gesagt: wäre, wäre …

So spielt nun der VfB Stuttgart gegen den Ex-Meister vom Betzenberg. Und wird wohl in die Runde der letzten Sechzehn einziehen. Auf die genannte Auflaufprämie des DFB, die für den FCE einen wahren Geldsegen darstellen würde, könnten die Stuttgarter leicht verzichten. Schenkt man den veröffentlichten Zahlen Glauben, spült der neue Fernsehvertrag dem Aufsteiger zum Ende der Saison 2017/18 knapp 30 Millionen Euro auf die relativ gefegten Konten. In Zahlen: 30.000.000,00.

Noch Fragen? Na sicher! Spielt der VfB Stuttgart zweitausend Mal besser als der FC Energie Cottbus? Ist es für den normalen Fußballfan nachvollziehbar, dass die Landeshauptstädter aus Baden-Württemberg fast doppelt so viel an Fernsehgeldern für eine Saison einstreichen, wie die 110 Vereine der 3. Liga und aller fünf Regionalliga-Staffeln zusammen? Nein und nochmals nein. Der DFB als Dachorganisation des deutschen Fußballs muss einen Teil der von der DFL ausgehandelten Fernsehgelder zur Erhaltung und Förderung des Unterbaus der Profiligen einfordern und auch erhalten. Schon fünf Prozent des Kuchens summieren sich auf einen Betrag im Bereich von ca. 55 Millionen Euro pro Jahr. Damit ließe sich einiges bewegen. Und der sogenannte „Amateurfußball“ würde sich nicht von den „Großkopferten da oben“ abgehängt fühlen.

Ganz beiläufig auch zweistellig: Die Rückennummer auf meinem neuen Trikot.  #WIR

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ABHAKEN                                                                                                  18.08.2017 – 03_2017/18

Eigentlich sollte die Überschrift „Unterzahl“ heißen, in Anlehnung an den vorherigen Beitrag („Überzahl“). Geschenkt, alles Schnee von vorgestern. Benjamin Förster hatte seine Nerven nicht im Griff und stieß seinen Gegenspieler Schmidt, der ihm kurz zuvor link und nicht ganz unabsichtlich auf den Knöchel gestiegen war, um, und kassierte nach noch nicht einmal 20 Minuten die rote Karte. Kann man so ahnden. Zwei Spiele Sperre, letztlich akzeptabel. Grobe Unsportlichkeit oder minderschwere Tätlichkeit. Egal, Förster wird sich die Bilder angesehen haben und seine Schlüsse für die Zukunft daraus ziehen. Warum der Bautzener Schmidt für seine Tätlichkeit lediglich den gelben Karton sah, bleibt das Geheimnis von Schiedsrichter Ostrin. Die gelbrote Karte für Jay-Jay Matuwila eine Viertelstunde vor Schluss war lediglich eine Randnotiz, hatten die Männer von Pele Wollitz doch Budissa Bautzen zu diesem Zeitpunkt schon knapp eine Stunde in Unterzahl in Schach gehalten. Dass der FCE spielerisch in dieser Saison in einer Liga für sich spielt, bewies das 3:1 eindrucksvoll. Streli Mamba, der derzeit aus der Mannschaft nicht wegzudenken ist, setzte auf dem linken Flügel in der eigenen Hälfte Lasse Schlüter gekonnt in Szene, der einen Traumpass auf den zehn Minuten zuvor eingewechselten Felix Geisler spielte und der Neuzugang vollstreckte abgebrüht aus halbrechter Position zum verdienten Endstand. Ein Konter wie aus dem Lehrbuch. Das war es dann auch. Die Beobachter aus Auerbach und Meuselwitz werden genau hingeschaut haben und daran basteln, wie man die Cottbuser Spielmaschinerie wohl stören kann.

Apropos Beobachter. Auch in Stuttgart wird man sich den FCE sehr genau angeschaut haben. Denn das Ausscheiden bei einem Viertligisten macht einen zumindest für eine Woche zum Deppen der Fußballnation. Und wer will das schon. Was sich dann aber im Stadion der Freundschaft am vergangenen Sonntag abspielte, ist mit „Drama“ nur allzu unzureichend umschrieben. Über 182.000 Aufrufe zählt die Internetvideoplattform YouTube seit vergangenen Sonntag für den Zusammenschnitt des Dramas in vier Akten. An dieser Stelle eine Bemerkung in eigener Sache: Ich muss zugeben, am Sonntag, nach dem Spiel, nur per Fupa.net-Liveticker und von meinem Freund Matthias per WhatsApp aus dem Stadion auf dem Laufenden gehalten, war ich relativ ruhig und ausgeglichen. Elferschießen, shit happens, der Bundesligist hat, wie so oft, den Hals gerade noch einmal aus der Schlinge des frühen Ausscheidens gezogen. Isso. Am Montag, nach dem ich die Pressekonferenz nach dem Spiel und die besagte Zusammenfassung auf YouTube gesichtet hatte, stellte sich bei mir ein tiefes Gefühl der Enttäuschung und Leere ein. Ich hatte den Blues. Aber so was von.

Die Pressekonferenz hatte für mich einen leicht surrealen Touch. Hannes Wolf, der den VfB Stuttgart quasi en passant wieder in die Bundesliga zurückgeführt hat, saß auf dem Podium wie ein Pennäler nach dem ersten Sex. Verlegen wusste der Stuttgarter Fußballlehrer nicht, wie er sein Glück in Worte fassen sollte und sprach mehrfach davon, wie froh man sei, weiter im DFB-Pokal mitspielen zu dürfen. Ganz anders Pele Wollitz. Der Cottbuser Trainer wirkte arg angefasst von dem, was sich da nur wenige Meter vom Presseraum entfernt in den vergangenen zweieinhalb Stunden zugetragen hatte. Und trotzdem so ein Spiel ein bisschen die Belastungsgrenze für einen Trainer nach hinten verschiebt und entsprechend an die Substanz zu gehen vermag, hatte Wollitz noch genug Adrenalin, wieder einmal zwei Giftpfeile Richtung DFB abzufeuern. Der Vereinspokal lebt von solchen Spielen, wie es die Zuschauer in einem fast ausverkauften Haus im Stadion der Freundschaft erlebt haben. Und es suggeriert den unterklassigen Vereinen, dazu zu gehören. Einmal im Jahr ihre 90 oder 120 Minuten Ruhm abzuholen im Vergleich mit den Profis. Eine Reform des Wettbewerbs würde dem Pokal seinen Reiz nehmen, wenn die international tätigen Clubs erst in der dritten Runde einsteigen würden. Bis dahin hätten sich 90 Prozent der unterklassigen Vereine aus dem Wettbewerb verabschiedet und ein Spiel gegen die Bayern oder Dortmund wäre eine Illusion mit einer Wahrscheinlichkeit von unter einem Prozent. Die erneute Klage von Wollitz über den Aufstiegsmodus in den Regionalligen wirkte vordergründig unpassend. Aber der Cottbuser Trainer war clever genug, diese überregionale Bühne für eine Korrektur im Rennen um die Aufstiegsplätze zur 3. Liga zu nutzen und eine Reform einzufordern.

Zurück zum Spiel. Akt 1 des Dramas war das schnelle Gegentor nach der Pause. Es ist eine Binse, dass du in so einem Spiel mit einem Zwei-Tore-Vorsprung im Rücken die erste Viertelstunde nach der Halbzeit ohne Gegentor überstehen musst. Brekalo konnte ungestört in hohem Tempo von links nach innen ziehen und wenn so ein Spieler am Sechzehner frei zum Abschluss kommt, hat der Keeper kaum eine Chance. Akt 2 ist natürlich das unglückliche Eigentor von Matuwila. Jay-Jay wollte retten, Meyer mitspielen. Schon war es passiert. Akt 3 des Dramas sind die ausgelassenen Chancen und das Pech, siehe Steins Kopfball in der Verlängerung auf die Latte. Akt 4 und negativer Höhepunkt des Abends war das Elfmeterschießen. Ziegenbeins Elfmeter war echt Pech. Fünf Zentimeter nach rechts und die Kirsche zappelt im Netz. Das Ding von Förster aber war eine kuriose Verkettung von unglücklichen Entscheidungen und Umständen. Der vor Wochenfrist vom Platz gestellte und für das Pokalspiel zunächst auf die Bank gesetzte Stürmer hatte 190 Minuten, netto also mehr als zwei Begegnungen, keine Spielpraxis. Für einen Spieler wie Förster ist das viel und eher ein Nachteil. Ihn dann zum Elfmeterschießen quasi kalt einzuwechseln, war riskant. Noch dazu, ihm die Verantwortung für den letzten Strafstoß zu geben. Hätte ein Marcelo oder Mamba die Kugel nicht auch unterbringen können bei der finalen Entscheidungsfindung? Rein hypothetisch, aber nicht von der Hand zu weisen, dass ein Spieler, der 120 Minuten marschiert ist, das Spielgerät dann aus elf Metern wahrscheinlich eher verwandelt, als einer, der sich zuvor 98 Prozent des Spiels nicht auf dem Feld bewegt hat. Und sich vor seinem Schuss noch ausgiebig mit den Widrigkeiten rund um den ominösen Punkt beschäftigt.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der FCE in der Regionalliga eine Ausnahmestellung einnimmt. Vom Umfeld, vom Management, vom Spielvermögen. Nicht zu vergessen die Fans. Die Choreo vor dem Spiel war Aufforderung und Ermutigung gleichermaßen. Ihr habt es drauf, sollte das eindrucksvolle Schauspiel auf den Rängen den Spielern des FCE signalisieren. Die haben das Signal angenommen und im Spiel auch umgesetzt. Leider ohne Happy End. Für dieses Mal. Abhaken.

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ÜBERZAHL                                                                                                         04.08.2017 – 02_2017/18

Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass der FC Energie ein Spiel in Überzahl beendet. Zu dominant ist die Mannschaft von Pele Wollitz derzeit auf dem Platz. Er hat den Spielern in der Sommerpause verordnet, das einzustudieren, was zum Beispiel der deutschen Nationalmannschaft im Confed-Cup große Probleme gegen die Chilenen bereitet hat. Den Gegner schon beim Spielaufbau stören, aggressiv anzulaufen, früh zu Fehlern zwingen, nach Balleroberung schnell umschalten, das Spiel zügig nach vorne treiben. Fußball modernster Prägung eben. Der Gegner wird gezwungen zu reagieren, muss oft hinterherlaufen und kann sich im Zweifelsfall nur durch Foulspiel helfen. Und dann trifft es, wie gegen Chemie Leipzig, auch einmal den gleichen Spieler, in diesem Fall Schmidt, zweimal kurz hintereinander. Ob das zweite Vergehen nun gelbwürdig war, hat der Schiedsrichter, der gut stand in der Situation, als Foul gesehen und entsprechen sanktioniert. Es war klar, dass der Aufsteiger im zweiten Abschnitt nur auf Schadensbegrenzung aus sein konnte. Zu erdrückend ist die spielerische Qualität der Lausitzer in Überzahl. Und so fielen bis zur 71. Minute noch vier sehenswerte Treffer. Mit dem deprimierenden Endergebnis waren die „Chemiker“ aus Leipzig trotz allem noch gut bedient.

Wer Pele Wollitz kennt, weiß, dass der Ostwestfale nie ganz zufrieden ist mit den Leistungen seiner Mannen. In den Pressekonferenzen nach den Spielen jedoch wirkte der FCE-Trainer aufgeräumt wie selten zuvor. Die Zufriedenheit über das bisher Geleistete tropfte ihm aus jedem Knopfloch und der Trainer weiß natürlich, dass sich Energie auf dem Weg zum Staffelsieg nur selbst ein Bein stellen kann. Die Mannschaft stellt sich derzeit von selbst und es wird interessant sein zu sehen, wie die Spieler damit umgehen, wenn die Rekonvaleszenten Weidlich und Baude wieder in die Mannschaft drängen und beispielsweise Neuzugang Christos Papadimitriou einen Platz in der Startelf beansprucht. Genau das ist es, was Wollitz sich gewünscht hat. Mehr Konkurrenz in den Mannschaftsteilen. Unter der Woche ein ständiges Casting für die Startelf. Wobei die Achse Meyer – Stein – Viteritti – Förster zunächst mal als gesetzt angesehen werden kann. Auf allen übrigen Positionen ist der Kader von Pele Wollitz variabler und stärker geworden und dadurch nur schwer auszurechnen.
Interessanterweise – und wahrscheinlich auch so gewollt – ist der Pokalknaller gegen den VfB Stuttgart am Sonntag in einer Woche so überhaupt noch kein Thema. Sollte Energie gegen Budissa Bautzen den dritten Dreier in Folge einfahren, wird es natürlich schwer sein, die Erwartungen für das Spiel gegen den Wieder-Bundesligisten auf einer realistischen Flamme köcheln zu lassen. Ein Vorteil für Energie könnte sein, dass sich die Schwaben quasi noch in der Vorbereitung auf die kommende Bundesliga-Saison befinden und noch nicht im Pflichtspielmodus angekommen sind.

Bei aller Vorfreude gilt es aber, zunächst mal Budissa Bautzen zu bezwingen. Tat sich Energie Ende September 2016 im Heimspiel gegen die Kreisstädter aus Ostsachsen noch schwer und gewann nach einem frühen Tor durch Viteritti mit dem knappsten aller Ergebnisse, war das Rückspiel im vergangenen März eine klare Sache, in dem schon zur Pause das Endergebnis (4:0) durch Tore von Viteritti, Putze, Schlüter und nochmals Putze feststand. Einen ähnlichen Verlauf wünschen sich die Fans natürlich auch für das anstehende Spiel. Die Budissen sind bisher nicht recht aus den Startlöchern gekommen, haben in Neugersdorf beim FC Oberlausitz klar verloren und gegen Neustrelitz einen knappen Dreier eingefahren. Unterschätzen werden Peles Mannen die Sachsen jedoch nicht. Schließlich will man gegen Stuttgart mit einer weißen Weste auflaufen.

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THE SHOW MUST GO ON                                                               28.07.2017 – 01_2017/18

35:4, 5-1-1. So die leidenschaftslose Bilanz der Vorbereitungsspiele des FCE. Übermächtig gegen die außer Neugersdorf unterklassigen Gegner und mindestens auf Augenhöhe gegen die Vertreter aus der tschechischen Beletage.

Aber halt. Was ist nicht alles passiert seit dem Landespokalsieg am Männertag vor jetzt schon wieder zwei Monaten. Mit der Firma JAKO wurde ein neuer (alter) Ausrüster vorgestellt, der sehenswerte Garnituren, also Trikots, Hosen und Stutzen, für die kommende Saison präsentierte. Die Heimtrikots, in Stil und Machart angelehnt an die Jerseys aus der Saison 1996/97, als der VfB Stuttgart dem FC Energie den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, den Gewinn des DFB-Vereinspokals, verwehrte. Und wie es der Fußballgott nicht besser hätte arrangieren können, wurde den Lausitzern für die 1. Hauptrunde ebenjener VfB Stuttgart zugelost. Schwere Kost, aber nicht unlösbar. Sind die wieder aufgestiegenen Schwaben in der Vorbereitung doch erst spät aus dem Quark gekommen. Süffisante Randnotiz zur Auslosung: DFB-Präses Grindel ließ es sich nicht nehmen, während die Lose von Sebastian Kehl gezogen wurden, einen kleinen Giftpfeil gegen Pele Wollitz abzuschießen, der laut Grindel ja kein gutes Wort für den DFB hat. Warum wohl, müsste sich der DFB-Präsident wohl fragen lassen.

Ein erfreulicher Punkt auf der Agenda zwischen den Spielzeiten war die Jahreshauptversammlung. Die große Zustimmung zur Sonderumlage und die Beitragserhöhung ab 2018 der anwesenden gut 500 Stimmberechtigten zeigt die Solidarität der Mitglieder und die Bereitschaft, auch in diesen schweren Zeiten ihrem Verein die Treue zu halten. Das ist vorbildlich.

Weniger vorbildlich waren die Ereignisse bei den Auswärtsspielen in Babelsberg und Bautzen. Die Chaoten, die dem Verein schweren Schaden zugefügt haben, braucht der FCE nicht und auch sonst niemand. Die in der Berufung abgemilderten Strafen, besonders das zunächst als Bestandteil des Urteils verhängte „Geisterspiel“, das nun gottlob nicht mehr Teil der Sanktionen ist, sind schmerzvoll genug.

Wer erwartet hätte, dass nach dieser Saison 1 nach dem GAU bei den Neuzugängen geklotzt werden würde, um den Aufstieg in der Spielzeit 17/18 zu erzwingen, musste in den Wochen nach dem Landespokalsieg schnell feststellen, wie begrenzt die Möglichkeiten des FC Energie sind. Und doch hat es das Team um Cheftrainer Wollitz geschafft, mit den Neuzugängen den qualitativ hochwertigen und gleichermaßen eingespielten Kader punktuell in allen Mannschaftsteilen und in der Breite stärker zu machen. So gesehen gibt es in der Regionalliga Nordost kaum einen Konkurrenten, der dem FCE das Wasser reichen könnte. Ein Selbstläufer wird die Runde jedoch nicht. Jeder Gegner muss bespielt und erstmal besiegt werden. Einen kleinen Fingerzeig hat die Testpartie gegen den FC Oberlausitz gegeben. Das 5:1 nach einer torlosen ersten Hälfte hat gezeigt, wie weit die Mannschaft schon ist. Jederzeit in der Lage, sich taktisch umzuorientieren und wenn erforderlich, einen Gang zuzulegen. Die Auftaktbegegnung beim sportlichen Absteiger in Neustrelitz wird nicht der ganz große Prüfstein, aber doch richtungsweisend. Nur ein Erfolg wird der Mannschaft sofort das Momentum geben, auf die Welle zu kommen und erfolgreich durch die Saison zu surfen.

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Talsohle durchschritten                                                                                              29.05.2017

Das war deutlich. Da verloren sich zum Treffen der Legenden am vergangenen Samstag trotz unentwegter Bewerbung gerade mal gut 1500 Unentwegte im Stadion der Freundschaft, die es nicht versäumen wollten, ihre Lieblinge aus vergangenen Zeiten noch einmal hochleben zu lassen. Und besseren, vergangenen sportlichen Zeiten zu frönen. 48 Stunden vorher dagegen brodelte es zur besten Mittagstischzeit in der Cottbuser Arena. Knapp 7.700 Fans wollten sich am neuzeitlich „Männertag“ genannten gesetzlichen Feiertag Christi Himmelfahrt nicht entgehen lassen, wie die Mannschaft des FCE letztlich souverän die attraktive Trophäe des Landesverbandes Brandenburg in den Pokalschrank von Energie einsortierte. Nicht ohne vorher den Trainer auf der Pressekonferenz mittels Bierdusche mit dem Fassungsvermögen des kurz vorher errungenen Pokals vertraut zu machen. Und natürlich mit dem Odeur des fassfrischen Wernesgrüner Gerstensaftes, der in mindestens Fünfliterstärke durch den Besten auf der Wiese an diesem Nachmittag, Kevin Weidlich, Energies Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz äußerst feucht daran erinnerte, dass sich seine Mannschaft kurz vorher die Qualifikation zur ersten Hauptrunde des DFB-Pokals erspielt hatte.

Die Spiele der Cottbuser Legenden, ja die ganze Veranstaltung, wird leider nur dadurch in Erinnerung bleiben, dass der ewige Trainer-Knurrer Eduard Geyer, quasi ein Huub Stevens des Ostens, durch seine öffentlich geäußerten Sottisen gegen den FCE seinen Nimbus beschädigt hat und dadurch der Idee, durch diese Veranstaltung einen Schulterschluss zwischen den Cottbusser Ehemaligen und dem Verein der Neuzeit herzustellen, kraft seiner noch nicht ganz vergangenen Strahlkraft als Trainergallionsfigur  Schaden zugefügt hat. Das sollte bei einer kommenden Veranstaltung dieser Art bedacht werden. Schwamm drüber.

Freuen wir uns doch lieber über den Pokalsieg der FCE-Kicker und die symbolische Aussage, die sich mit der Vorstellung der Wollitz-Mannen verbindet: Diese Mannschaft will nach oben. Der vor der letzten Saison mit heißer Nadel und stark eingeschränkten Möglichkeiten zusammengestellte Kader konnte in der abgelaufenen Spielzeit noch nicht die Anforderungen erfüllen, eine Regionalliga-Staffel zu dominieren. Dafür waren die Rahmenbedingungen nicht gegeben. Die Mannschaft durfte vor Weihnachten kurz von mehr als der Vizemeisterschaft träumen. Der Mitbewerber aus Jena war jedoch in der Gesamtabrechnung konstanter und letztlich verdienter Staffelsieger.

Fakt ist, dass die Talsohle durchschritten scheint. Die Kulisse an Christi Himmelfahrt hat der Mannschaft einen Fingerzeig gegeben, wie es in der kommenden Saison ablaufen könnte. Die Jungs von Pele Wollitz sind nun in einer Art „Bringschuld“. Wenn der FCE durchmarschiert durch die Regionalliga Nordost 2017/2018, wird keine Regelation verhindern, dass Energie ab 2018 wieder der 3. Liga zugehört.

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Nestwärme mit Signalwirkung                                                                                 15.05.2017

In Cottbus ist die Kaderplanung für die zweite Saison in der Regionalliga bereits in vollem Gang.
Interessante Einblicke in seine fußballerische Gefühlswelt gibt Claus-Dieter Wollitz Woche für Woche in den obligatorischen Pressekonferenzen. Beispielsweise am Freitag vor dem Hertha-Spiel. Gut zwanzig Minuten plätscherte die PK nach dem knackig kurzen Eingangsstatement des Cheftrainers dahin, bis sich der authentische Fußballlehrer Luft machte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zunächst, um leise überflüssiges CO2 aus dem Selters loszuwerden. Und dann den anwesenden Medienvertretern eindringlich zu verdeutlichen, dass Verein und Trainer-Team eine ganz klare Vorstellung haben, wie die Mannschaft in der kommenden Saison auszusehen hat.

Zwischenzeitlich sind schon wieder einige Tage und Spiele ins Land gegangen. Der Trainer hat Wort gehalten. Und die leise angekündigten „Verpflichtungen“ wurden vollzogen. Die Arbeitspapiere von Kevin Weidlich und Fabio Viteritti sind verlängert und wie angekündigt wurden die Optionen mit Matuwila und Mamba gezogen und unverzüglich von den Spielern gegengezeichnet. Das klingt gut und hat Signalwirkung. Zum einen intern. Die Spieler wissen, dass die Leistungsträger bleiben, gerne bei Energie spielen. Und es fällt bei den immer wieder von Pele Wollitz reklamierten professionellen Arbeitsbedingungen ja offensichtlich nicht besonders schwer, sich in der Lausitzer Metropole wohl zu fühlen als Berufsfußballer.

In der Außenwirkung haben die zuletzt erfolgreichen Personalien einen ganzen Strauß nicht zu unterschätzender Effekte, die wesentlich schwerer wiegen. Man muss nicht lange überlegen, um zu dem Schluss zu kommen, dass in Cottbus die Welt nicht untergeht, trotzdem man das Idealziel Relegation 3. Liga nicht erreicht hat. Da wird seitens des Vereins seriös und gleichermaßen unaufgeregt weitergearbeitet. Die Vision des Trainers, der in jeder Phase der Saison völlig unumstritten war und dem Verein trotz größter finanzieller Kalamitäten im Winter weiter die Stange hält, wird uneingeschränkt von allen Gremien des Vereins unterstützt. Die sportliche Leitung tut alles dafür, die Spieler besser zu machen, um das immer wieder postulierte Credo zu unterstreichen, dass in der kommenden Saison die Vergabe von Platz 1 in der Regionalliga Nordost nur über den FC Energie geht. Nicht zu vergessen der permanent spürbare und kollektive Schulterschluss zwischen Verein, Mitgliedern, Fans und Sponsoren. Im Umfeld des Vereins halten alle zusammen, ziehen alle an einem Strang. Die Region steht hinter Energie.

Alle diese Faktoren verstärken den Eindruck, dass sich Energie fit macht für Platz 1 in der Saison 2017/18 und unabhängig von der Zusammensetzung der Staffel bereit ist, die ungeliebte Klasse zu dominieren. Nicht zuletzt durch diese Aussichten wird Energie Cottbus attraktiv für Spieler, die an der Peripherie zur 3. Liga stehen. Die den Kader in der Breite besser machen, unter der Woche einen gesunden Konkurrenzkampf auf der Wiese fördern.
Und im August in der 1. Runde des DFB-Vereinspokal unter Umständen, nein, sehr wahrscheinlich, gegen einen Großen der Zunft spielen dürfen. Nicht zu vergessen die Nestwärme, die der Club für seine Spieler durchaus spürbar verströmt.

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Filmriss                                                                                                                    01.05.2017

Die Babelsberger Filmstudios sind weltbekannt. Hochdekorierte cineastische Werke wie Michael Endes „Unendliche Geschichte“ und der latent gewaltverherrlichende Tarantino-Streifen „Inglourious Basterds“ entstanden hier. Und wie eine unendliche Geschichte mit unrühmlichen Mistkerlen („Inglourious Basterds“ frei übersetzt) mutete das Szenario auf dem Babelsberger Sportplatz am vergangenen Freitagabend an.

Natürlich sollte man es aus der Distanz mit Dieter Nuhr halten und bei Ahnungslosigkeit einfach mal die Fresse halten. In der persönlichen Aufarbeitung des Spiels ist aber auffällig, wie wenig Platz die allgemeine Berichterstattung dem Runden und Eckigen auf der Wiese einräumt. Und dadurch die vollkommen Falschen zu den Protagonisten werden, sich am Ende ihre Plattform doch und nicht zu knapp „erobert“ haben.
Es mutet wie ein provozierter Filmriss an, wenn der Fußballfreund und Energie-Anhänger über youtube.de versucht, sich ein Bild zu machen über das Spiel und dem fußballerischen Kräftemessen des FCE und Babelsberg 03. Der Aufruf Babelsberg vs. Cottbus bringt ca. 15 Videos mit den inzwischen weithin bekannten Krawallszenen – aus sicherer Distanz und verschiedenen Perspektiven – teilweise mit Musik (!) unterlegt. Ein rollender Ball ist weit und breit nicht auszumachen. Allerdings ist auf einem der Videos eine kurze Rudelbildung unter den Spielern beider Teams zu erkennen, die sich aber Sekunden später nach beherztem Eingreifen von FCE-Kapitän Marc Stein glücklicherweise wieder auflöst. Nicht auszudenken, die Situation auf der Wiese wäre auch eskaliert.

Nicht auszudenken ebenfalls, Energie wäre am vergangenen Freitag noch im Meisterschaftsrennen gewesen und hätte unter dem Einfluss der Ereignisse das Spiel und die Meisterschaft vergeigt.

Die Stellungnahmen der Vereine sind eindeutig und glücklicherweise frei von gegenseitigen Schuldzuweisungen. Für Energie gilt es, sein Hausrecht im Stadion der Freundschaft in den kommenden Spielen durchzusetzen. Dem Fußball und seinen Fans die Bühne zu bereiten, und nicht einer – letztlich überschaubaren – Gruppe von „unrühmlichen Mistkerlen“ mit kollektivem Filmriss die Plattform zu bieten, an dieser gleichermaßen unsäglichen wie unendlichen Geschichte weiter zu schreiben. Sport frei – und nichts sonst.

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Rückfall                                                                                                              11.04.2017

Und schon ist sie wieder verflogen, die Brise des Erfolgs, des Startens einer Aufholjagd, die am vorletzten Sonntag durch das Stadion der Freundschaft wehte. Die starke Vorstellung gegen Jena machte Hoffnung auf ein Happy-End, es doch noch zu schaffen, die Thüringer noch abzufangen. Dann, am vergangenen Sonntag, 8000 Kilometer von Cottbus entfernt, gegen 9.55 Uhr Ortszeit: Endlich Internet, endlich kicker.de öffnen, RL Nordost ansteuern. Ergebnisse. Ernüchterung. 1:1 prangt es einem da fast übergroß entgegen. Leise Flüche der Karibik verlassen einen unwillkürlich beim Studium der Daten. Früh geführt, früh in Überzahl. Was ist da schon wieder schiefgelaufen, fragt sich der globetrottende Kolumnist mit dem Fernglas. Beim 15. der Liga muss man gewinnen, will man am Ende oben stehen im Klassement. Der Bericht auf fcenergie.de bringt kurze Zeit später Klarheit. Es ist das alte Lied, ein Rückfall der schweren Sorte. Der Gegner wird beherrscht, Chancen im halben Dutzend herausgespielt. Doch zum wiederholten Male fehlt das Spielglück. Um es mal charmant und gnädig auszudrücken. Dass die Tore der Gegner kleiner sind in den Spielen des FCE hat noch niemand nachgewiesen. Und doch hat es den Anschein, man mache das eigene Unvermögen an den Aluminiumstangen des Eckigen fest. Nein, bei aller Zuneigung ist das wohl zu kurz gesprungen. Es fehlt immer noch das gewisse Etwas bei der Verwertung der quantitativ durchaus ausreichend herausgespielten Chancen. Daran wird sich bis zum Saisonende wohl auch nichts mehr ändern. Nur gegen Jena blitzte es mal kurz auf, als Pele Wollitz‘ Mannen konsequent den Dreier erzwangen.

Apropos Wollitz. Der Cheftrainer hat in der Pressekonferenz nach Viktoria und vor Jena zum gefühlt x-ten Mal die Ungleichbehandlung seiner Mannschaft durch die Schiedsrichter reklamiert. Das ist legitim, bringt nur nach hinten raus wenig. Im Gegenteil. Die Schiedsrichter könnten sich bemüßigt fühlen, Entscheidungen pro Energie zu unterlassen, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, sie hätten Pele Wollitz nach dem Mund gepfiffen. Prompt geschehen nach wenigen Sekunden gegen Jena, als Förster am Fünfer wohl das Standbein weggezogen wurde, Schiri Burdas Pfeife jedoch den Dienst eventuell aus besagten Gründen verweigerte. Pauschalverurteilungen sind immer mit einem gewissen Rückschlagrisiko behaftet. Und das sich zum Ende einer Saison alles ausgleicht, gehört ebenso ins Reich der Fabel, wie die irrige Einschätzung, man könnte diesem Ausgleich durch öffentliche Einlassungen auf die Sprünge helfen.

Ebenso grenzwertig ist es, einen DFB-Vizepräsidenten für ein sachliches und informatives Interview über den Zustand und die Befindlichkeiten in den deutschen Fußballregionalligen mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten zu kritisieren. DFB-Vize Koch hat keinen Schwachsinn verbreitet und auch keinem Verein vorgeschrieben, ob er in der Regionalliga unter Profibedingungen arbeitet, oder wie auch immer. Da kann man dem Funktionär keinen Vorwurf machen. Eine Vorhaltung muss Koch sich jedoch gefallen lassen. Mit dem Verweis auf nicht gestellte Anträge beim DFB-Bundestag durch die Landesverbände und auch den weiteren Aussagen Kochs verströmt der DFB ein vitales Desinteresse daran, sich proaktiv in die Entwicklung des Profi-Unterbaus einzubringen. Das schmerzt, denn im Profibereich (inklusive Frauen) sind in Deutschland gerade mal 1500 bis 2000 Fußballer unterwegs, darunter jedoch in den Amateurklassen – immerhin die Basis der Profiligen – einige Millionen. Die Regionalliga hat eine Art Membranfunktion, das ist klar. Aber es sollte möglich sein, eine faire Durchlässigkeit nach oben herzustellen. Das ist Aufgabe des DFB und nicht der Landesverbände. Die Wollitz’sche Schelte kommt nicht von ungefähr. Die von ihm aufgezählten (Traditions-) Vereine wie Kickers Offenbach, Stuttgarter Kickers oder Alemannia Aachen haben in der Vergangenheit immer wieder nichts gelernt aus Selbstüberschätzung sowie Misswirtschaft und daraus folgenden Insolvenzverfahren. Der von Pele Wollitz vehement postulierte Standortnachteil der Lausitz gegenüber einer Vielzahl von Clubs gerade im Hinblick auf Entwicklung und Unterhaltung von Trainingsinfrastruktur sowie Stadionbau bzw. -unterhaltung sind nicht von der Hand zu weisen. Wie in Cottbus mit dem sportlichen Niedergang der vergangenen Jahre und damit einhergehend der wirtschaftlichen Misere umgegangen wird, ist vorbildlich und verdient allerhöchsten Respekt und Anerkennung. Das fordert Wollitz seit Monaten, schleudert es den Kritikern und Schlechtrednern Woche für Woche entgegen. Nicht ohne Grund und wohl wissend, dass der Verein mittel- bis kurzfristig die Regionalliga nach oben verlassen muss, um nicht in ähnliche Kalamitäten wie zuletzt erneut Alemannia Aachen zu geraten.

Zurück zum Sport. Unabhängig von allen sonstigen Nebengeräuschen müssen weiterhin alle Spiele gewonnen werden. Um die theoretische Chance auf Platz eins zu wahren. Wohlgemerkt, die theoretische Chance. Es ist jedoch kaum anzunehmen, dass Jena von den restlichen Spielen vier Partien nicht als Sieger beendet. Das Unentschieden von Fürstenwalde wiegt schwer. Und es ist nicht zu weit hergeholt, sich aus Sicht des FCE schon jetzt mit einer weiteren Saison im Mulm des deutschen Profifußballs anfreunden zu müssen. Leider. Der Verein, die Mitglieder, Freunde, Sponsoren und alle aus dem Team hätten mehr verdient.

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An Tagen wie diesen                                                                                          04.04.2017

Wie fängt man ein Stück über ein Fußballspiel an, bei dem man sehr gerne live vor Ort zugegen gewesen wäre? Aber es nicht einrichten konnte, weil ein wichtiger Arbeitseinsatz anstand, der letztlich doch nicht stattfand. Fange ich also mit der wichtigsten Prämisse an. Acht Punkte betrug der Vorsprung des FC Carl Zeiss Jena vor dem Spiel. Das von den Thüringern im Vorfeld spöttelnd als „Endspielchen“ bezeichnet wurde. Nach dem glück- und torlosen Remis des FCE unter der Woche in Lichterfelde gegen Viktoria Berlin. Wenn noch acht Spieltage auf dem Tableau stehen, gibt es keine Endspiele, höchstens richtungsweisende, oder maximal vorentscheidende Partien. Für Jena war es ein echtes Sechs-Punkte-Spiel. Bei Sieg mit elf Punkten Vorsprung fast durch, bei Niederlage „nur“ noch fünf Punkte vor Energie.

Die Ausgangslage war also klar. Und Cheftrainer Pele Wollitz ließ in der Pressekonferenz vor dem Spiel keine Zweifel daran, dass seine Mannschaft gegen Jena den Platz als Sieger verlassen wird, wenn es ihr gelingt, die Zuschauer von Anfang an mitzunehmen. Und das gelang von der ersten Minute an eindrucksvoll. Energie hatte in der ersten Spielminute eine gefährliche Situation im Strafraum von Jena, Förster wurde das Bein weggezogen, doch Schiedsrichter Burda – nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Verleger – wollte keine Schlagzeile „Schiri entscheidet Spiel in der ersten Minute“ provozieren und ließ das Foul an Förster ungeahndet. Aber schon diese Aktion zeigte klar, dass der FCE gewillt war, den Druck anzunehmen und wie von Wollitz indirekt gefordert, die Fans von Beginn an einzustimmen, heiß zu machen und ihr bestes Saisonspiel abzuliefern.
Ja, die Fans. Schon zu Beginn der Übertragung des Spiels im rbb konnte der interessierte Beobachter auch aus der Ferne ein gewisses Kribbeln spüren. Die Osttribüne war erstmals in dieser Spielzeit geöffnet, der Unterrang fast komplett besetzt. Und der Gästeblock ebenfalls mehr als gut gefüllt. Über 2000 Fans hatten sich auf den Weg von Jena ins Stadion der Freundschaft gemacht, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Mehr als 11000 Fans des FCE ließen keinen Zweifel daran aufkommen, das an Tagen wie diesem nur eine Mannschaft das Feld als Sieger verlassen würde. Der frühe Rückstand durch einen Volleyschuss von Kühne aus 16 Metern konnte Energie kaum erschüttern. Das Spiel war verteilt mit leichten Vorteilen für den FCE. Und doch dauerte es bis zur 34. Minute, dass Stein eine Kopfball-Vorlage von Cottbus bestem Spieler an diesem Tag Kevin Weidlich aus sechs Metern zum Ausgleich versenken konnte. Das Stadion der Freundschaft tobte erstmals. Das Spiel wogte hin und her, es hatte eine bisher nicht dagewesene Dichte. Dieses Spiel hatte, was die Intensität betrifft, schon so etwas wie Drittligaformat.
Dass es mit einem leistungsgerechten Unentschieden in die Pause ging, hatte erneut etwas mit dem Unparteiischen zu tun, der den Jenensern kurz vor der Halbzeit einen Strafstoß hätte zusprechen können, als der insgesamt glücklos agierende de Freitas den Ball an der Strafraumgrenze vertändelte und seinen Gegenspieler ungeschickt auf der Strafraumgrenze über die Klinge springen ließ. Schiedsrichter Burda sah es anders und verlegte den Tatort wenige Zentimeter außerhalb des Sechzehners. Der nachfolgende Freistoß brachte nichts ein.

Energie kam unverändert und mit der gleichen Entschlossenheit wie zu Beginn aus der Kabine und spielte nun auf die Nordwand, was den Männern in Rotweiß zusätzlichen Treibstoff verlieh. Die spielentscheidende Szene dann nach knapp einer Stunde. Der bereits in der ersten Halbzeit verwarnte Jenenser Eismann konnte den unaufhaltsam Richtung Strafraum dribbelnden Weidlich nur durch ein Foul stoppen. Konsequenz war die gelbrote Ampelkarte, Jena ab der 60. Minute nur noch mit neun Feldspielern. Den fälligen Freistoß aus 22 Metern zirkelte Ziegenbein zur Cottbusser Führung ins kurze Eck. Jetzt war das Stadion der Freundschaft ein Hexenkessel. Und Jena hatte nicht mehr die Möglichkeit, in Unterzahl nachzulegen. Einmal stockte den Lausitzer Fans und auch dem Protagonisten Avdo Spahic noch der Atem, als der Cottbusser Keeper das Spiel schnell machen wollte, er den Ball an der Strafraumgrenze jedoch überhastet Matuwila in den Rücken warf, und damit Jena fast zum Ausgleich verholfen hätte. Bekanntlich ging jedoch alles gut. Gut sechs Minuten vor Schluss kam Mamba für den etwas müde wirkenden Neu-Papa Förster. Und Streli Mamba zog kurz darauf unnachahmlich davon und düpierte Gästekeeper Koczor mit seinem wuchtigen Abschluss in die kurze Ecke. Das war die Entscheidung, auch wenn Jena nicht aufgab und kurz vor Schluss ein Tor erzielte, dem die Anerkennung wegen Abseits zu recht versagt blieb. Dann war Schluss und das Stadion der Freundschaft ein rotweißer Tempel der Freude.

Ja, an Tagen wie diesem, da zeigt es sich überdeutlich, was ein Team zu leisten imstande ist, wenn es das uneingeschränkte Vertrauen des Trainers und des gesamten Umfelds spürt. Die 13290 Zuschauer hatten ein rassiges, dabei aber größtenteils faires Spiel gesehen, dass wie eine Demonstration und Ansage an den Gegner gleichermaßen wirkte. Ein klares Statement der Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz, die dem Tabellenführer aus Thüringen insgesamt vier von sechs möglichen Punkten abgenommen hat, dass mit ihr bis zum letzten Spieltag zu rechnen sein wird.
René Klingbeil, der nach dem Spiel den Fans auf der Nord fünf Finger zeigte, wird diese am Ende der Saison wahrscheinlich nicht mehr für solcherlei Symbolik benutzen. Jena ist verwundbar. Und hat in den letzten acht Spielen zehn Punkte liegen lassen. Da klingen fünf Punkte Rückstand doch geradezu marginal. Warum soll Jena diese fünf Punkte Vorsprung ausgerechnet in den letzten acht Spielen der Saison verteidigen? Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass die Thüringer – gerade nach dem Spiel vom Sonntag – den Rest der Saison unbesiegbar durch die Staffel marschieren. Energie Cottbus jedoch kann aus diesem, jawohl, richtungsweisenden Sieg Nektar für den Rest der Saison ziehen. Die Mannschaft muss geil darauf sein, solche Spiele vor solchen Fans alle zwei Wochen zu haben. Und bis 20. Mai versuchen, alles mitzunehmen an Punkten. Und Tage wie diesen.

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Schneid und Eier                                                                                                           27.03.2017

Im Duden wird Schneid wie folgt erklärt: „Schneid, Substantiv, maskulin oder Substantiv, feminin – Mut, der mit einer gewissen Forschheit, mit Draufgängertum verbunden ist.“ Soweit die Definition unseres sprachlichen Urmeters. Es gibt dort auch eine Begriffsdeutung für Eier, aber erstens werden diese im Duden anders benannt und zweitens gehen die in der Überschrift angesprochenen Eier auf einen gewissen Oliver Kahn zurück („Eier, wir brauchen Eier!“).
Was hat das alles mit dem Spiel in Rathenow zu tun? Ganz einfach: Die Mannschaft hat in diesem typischen Pokalfight Eier gezeigt und sich von den Rathenower Zecken nicht den Schneid abkaufen lassen. Das Spiel im Stadion am Vogelgesang, das sich fest in der Hand von echten Energie-Fans befand, stand lange Zeit Spitz auf Knopf. Der Spitzenklub aus der NOFV-Oberliga Nord spielte und kämpfte über neunzig Minuten hart am Limit. Etliche Nicklichkeiten, unfaire Aktionen und auch Fouls, die u.a. dafür sorgten, dass Tim Kruse schon früh das Feld verletzt verlassen musste, schmälern die Anerkennung der Leistung von Rathenow doch erheblich. Ins Bild passte das Statement des „ewigen“ Optik-Trainers Ingo Kahlisch, der sich kurz nach dem Abpfiff darauf versteifte, dass nur ein Team das Feld als Sieger hätte verlassen dürfen: Optik Rathenow. Objektiv gesehen war lange Zeit kein Klassenunterschied zu erkennen. Und der Oberligist hatte einige gefährliche Situationen im Strafraum des FCE kreiert, die mit etwas mehr Kaltschnäuzigkeit Energie auf die Verliererstraße hätten bringen können. Spahic, dem Aluminium im Stadion Vogelgesang und dem Unvermögen von Rathenow ist es zu verdanken, dass Energie in der Nachspielzeit die eigentlich einzige Chance nutzte und Benjamin Förster einen Abpraller eiskalt versenkte. Auffällig war in diesem Spiel, dass sich Wollitz‘ Mannen von der harten Gangart des Oberligisten nicht aus der Ruhe bringen ließen. Im Gegenteil. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit war die Mannschaft gefordert, echt dagegen halten zu müssen. Am Samstagnachmittag hat sie es getan. Sie ließ sich nichts gefallen und zeigte auf dem Platz eine gesunde Härte. Ohne hinterhältig unfair zu sein. Das war gleichermaßen auffällig wie beeindruckend. Und hat gezeigt, dass das Team von Pele Wollitz im Bedarfsfall Zähne zeigen kann. Finale. Ja, der vorletzte Schritt Richtung DFB-Pokalhauptrunde ist vollzogen. Gegen FSV Luckenwalde wird der Landespokal am 25. Mai ausgespielt.
Bis dahin sind die Würfel in der Regionalliga Nordost bereits gefallen. Für Energie geht es schon am kommenden Mittwoch um drei eminent wichtige Punkte bei Viktoria Berlin, die ihr Halbfinale im Berliner Landespokal souverän nach Hause brachten und schon zur Halbzeit klar war, wer den Kunstrasen in Altglienicke als Sieger verlassen würde. Dieses Spiel bei Viktoria ist alles andere als ein Warmup für das Gipfeltreffen gegen Jena am kommenden Sonntag im Stadion der Freundschaft. Ein Sieg ist, nach dem späten und wiederum äußerst glücklichen Remis der Jenenser in Babelsberg, Voraussetzung für die theoretische Verkürzung des Rückstands auf drei Punkte gegenüber dem derzeitigen Ligaprimus. Sollte ein Dreier bei Viktoria gelingen, sollte das Stadion der Freundschaft am nächsten Sonntag brennen. Unabhängig von der Übertragung im rbb müssen alle, die es mit Energie halten, im Stadion sein. Und es mit Oliver Kahn halten – siehe oben.

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Reaktionen                                                                                                       22.03.2017

Es war nach dem Spiel in Meuselwitz. Und vor dem Nachholspiel in Markranstädt im Stadion am Bad, wo Energie bekanntlich und gleichermaßen sprichwörtlich baden ging. Nomen est omen. Wie der begrenzt-belesene Viertel-Lateiner zu sagen pflegt. Da fragte in der regelmäßigen Pressekonferenz doch tatsächlich einer der Journalisten, ob Pele Wollitz nach dem Spiel in Zipsendorf eine Reaktion seiner Mannschaft erwarte. Da musste der Cheftrainer doch erstmal eine halbe Sekunde drüber nachdenken. Der Beobachter aus der Ferne rollte mit den Fernglas-Linsen und fragte sich leise, welche Art von Reaktion das Team denn nach der (Achtung Wortspiel) Energie-Leistung von Meuselwitz unter der Woche im Speckgürtel von Leipzig zeigen solle. Die weitgehend sinnfreie Frage in dieser PK zog jedoch, einem Fluch gleich, mehrere Reaktionen bzw. Fehlreaktionen nach sich. Die den FCE wichtige, wenn nicht entscheidende, Punkte im Kampf um den Staffelsieg gekostet haben. Gegen RB Leipzig II gab es zwei Situationen, die mit Reaktionsvermögen zu tun haben. Einerseits die Situation vor dem 0:1. Als Spahic zunächst großartig reagierte, aber sich bei Energie irgendwie niemand für den Rebound zuständig fühlte. Und als de Freitas mit der Pieke den RB-Keeper zu einer Großtat zwang. Gegen Auerbach den Sonntag darauf sollte die Mannschaft wieder eine Reaktion zeigen. Hat sie. Theorie und Praxis klaffen jedoch oftmals weit auseinander. Marc Stein brachte Energie früh in Führung. Alles schien seinen Gang zu gehen. Der FCE spielte druckvoll, machte aber das zweite Tor nicht. Machte es, bekam es jedoch nicht anerkannt.  Im Gegenteil. Kurz vor der Pause Slapstick vor der Nordwand. Einen langen, ungefährlich  harmlosen Ball macht Schlüter an Spahic vorbei zu einem der Aufreger des Tages. Wer hat Schuld? Es gibt die Regel, dass es keinen Rückpass Richtung Tor gibt. Schon gar nicht aus der Luft. Denn man weiß ja nie, wo der Keeper so rumturnt im Strafraum (Stichwort: Torhüter und Linksaußen…). Normal heißt das „Leo!“ Und jeder weiß Bescheid, was zu tun oder zu lassen ist.  Das war eine Reaktion der unglücklichen Art. Der Todesstoß dann in einer extrem unglücklichen Phase. Der direkt verwandelte Freistoß von der linken Strafraumecke aus war sehr, sehr schwer zu halten.  So ein Ding haut man eigentlich nur im Training raus… Spahic versuchte alles, hat super reagiert, war aber eine Zehntelsekunde zu spät in der kurzen Ecke. Das deprimierende Spiel gegen Auerbach erforderte jetzt aber nun wirklich eine Reaktion der Mannschaft. Und die gab es gleich doppelt beim Lausitzer Derby in Bautzen. Zunächst auf dem Platz. Viteritti, Putze mit Doppelpack und Schlüter stellten nach einer guten halben Stunde die Weichen auf Sieg. Eine echte Reaktion auf allerlei Zweifel und Kritik aus dem Umfeld von Energie. Die Torflut hatte dann ein abruptes Ende. Im Schongang schipperte der Energie-Dampfer Richtung Pokalhalbfinale gegen Rathenow am kommenden Wochenende. Eine bemerkenswerte Reaktion gab es jedoch noch in Halbzeit 2 dieses meist einseitigen Spiels. Nachdem einige hochgradig ADS-Infizierte, die sich selbst Energie-Fans nennen, erfolgreich versucht hatten, durch Einsatz von Pyro eine Spielunterbrechung herbeizuführen, rumorte es gewaltig im Gästeblock. FuPa.net berichtete alarmiert, das sich die Cottbusser untereinander prügeln würden und Polizei im Block sei. Es stellte sich heraus, dass wohl die Störenfriede körperlich von den echten Fans zur Ordnung gerufen wurden. Na endlich, könnte man sagen, hat mal jemand eine Reaktion gezeigt. Aber es bleibt in dieser Form hoffentlich die Ausnahme.

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Körpersprache                                                                                                                    14.03.2017

Wolke 7 hat endgültig fertig. Jedenfalls hier. 617 Kilometer entfernt vom Stadion der Freundschaft am Eliaspark in Cottbus. Hier, an der Schnittstelle zwischen Taunus und Westerwald. Fünf Tage, zwei Spiele in dieser sogenannten „englischen“ Woche haben das fragile Kartenhaus, genannt „FCE Aufstiegsambitionen“, vorerst nach einem zarten Antippen zum Einstürzen gebracht. Die Nachholpartie bei der, nach dieser Saison nur noch in den Fußball-Analen dieser Welt existierenden, U23 des RB Leipzig, hat in aller Deutlichkeit die immer wieder von Pele Wollitz gebetsmühlenartig und gleichermaßen schonend mit „wo kommen wir denn her, woher kommen die Spieler“ umschriebene, latente Limitiertheit des Kaders von Energie Cottbus in der Saison 2016/2017 offenbart. Sehr schnell war bei dem sehr guten Regionalliga-Kick in Markranstädt zu erkennen, dass die zweite Mannschaft von RB Leipzig an diesem Nachmittag so ziemlich alles aus sich herausholte, was ging. Prägnant war vor allem – und ich musste beim Betrachten unweigerlich an Ralf Rangnick, den Erfinder des modernen Fußballs im 21. Jahrhundert, denken – die ununterbrochene Bereitschaft der zweiten Welle von RB, den ballführenden FCE-Spieler mit drei, vier Spielern aggressiv anzulaufen. Das war schon die ganz hohe Schule. Ergo: Energies Spielaufbau blieb Stückwerk und Chancen Mangelware. Zu den Gegentoren: Beim 0:1 darf die Situation im Strafraum nicht so weit eskalieren, dass der von Spahic zunächst abgewehrte Ball wieder beim späteren Torschützen landet – Stichwort mentale Frische, Stichwort Handlungsschnelligkeit. Dem 0:2 kurz vor Schluss ging ein Foul im Mittelfeld voraus. Aber deswegen stelle ich doch nicht die Defensivarbeit ein und lasse meinen Keeper alleine gegen drei Angreifer. Das hat weh getan. Glaubt es mir. Gesch….. drauf, dass „Schnicks“ Bernd Schneider, Perry Bräutigam und andere, jetzt der Berater-Zunft angehörige Ex-Profis auf der Tribüne saßen. Ob die wohl auch da waren, als die Reserve-Brause (RB) gegen Babelsberg kein Bein auf die Wiese bekam?

Okay, alles immer noch aus 617 Kilometern Entfernung.

Nach dem wenig erbaulichen Ausflug in die Fußballhauptstadt Sachsens musste keine Reaktion, aber ein Heimsieg gegen Auerbach her. Ich glaube, jetzt sollte mal die Überschrift erklärt werden. Wer genau hingesehen hat, konnte vielleicht schon in Leipzig erkennen, dass die Mannschaft nicht unbedingt mit der breitesten Brust aus dem Kabinengang aufs Feld gegangen ist. Ähnlich war es wohl im Heimspiel gegen Auerbach, trotz der Unterstützung von 4.500 Zuschauern. In Worten: Viertausendfünfhundert.  Und es ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn du mit Schultern nach vorne und hängenden Köpfen auf den Platz gehst.

Und da kommen wir sehr schnell zu den Pressekonferenzen. Und den Aussagen des Cheftrainers. Es ist sicher nicht verkehrt, allzu hochtrabende Ansprüche aus dem Umfeld des Vereins argumentativ in die Schranken zu weisen. Und doch ist es gefährlich, immer wieder unterschwellig darauf hinzuweisen, dass das Erreichte nicht richtig wegsortiert wird und nicht minder zu wenig anerkannt wird. Selbst wenn all‘ das vollkommen richtig ist und die jeweiligen Sachstandsberichte und Analysen es immer auf den Punkt bringen: Das Umfeld (Fans, Journaille und Sponsoren) kann es immer noch nicht auseinanderhalten und gleichermaßen aushalten, dass der FC Energie Cottbus definitiv in die 2. Bundesliga gehört, jedoch das kickende Personal derzeit selbst in der 3. Liga gegen nichts anderes als gegen den Abstieg kämpfen würde. Kämpfen, nicht spielen. Genau. Gras fressen, kratzen, beißen, spucken, den Gegner beim 1 gegen 1 und auch sonst den Schneid abkaufen, die Zweikämpfe annehmen und zu dominieren. Geil sein, Chef im Ring zu sein. Alles Synonyme für das Tätigkeitswort kämpfen. Bei Gott, ich kann das aus der Entfernung und ohne eine Minute live dabei gewesen zu sein seit 2. September, als gegen Meuselwitz der erste Heimdreier gelang, sicher nicht abschließend beurteilen. Ich konnte es aber auch nicht fühlen. Im Energie.fm, dem Fan-Radio (danke Jungs, Ihr macht das großartig! Darf ich auch mal Live-Reporter sein?), im Live-Ticker des fupa.net – nochmals danke an die Lausitzer Rundschau und ihre Mitarbeiter für die Begleitung der Spiele. Und, trotz allen zwischenzeitlichen Irritationen, dem rbb für seine Live-Übertragungen, sei es im TV oder per „Stream“ im Netz. Ich habe dort immer reingehört, mitgeschaut, oder gelesen. Sehr oft gezittert und gelitten. Ich habe alle Statements und Phrasen gehört, die es im Fußball gibt. Eines habe ich jedoch nicht einmal gehört oder gelesen: „Jetzt krempelt Energie die Ärmel hoch, jetzt kämpft der FCE um jeden Quadratzentimeter Wiese, jetzt wird hier Fußball gearbeitet“. Nicht einmal haben die Berichterstatter davon gesprochen, dass Energie den Rasen umpflügt, um letztlich über den Kampf die engen Spiele zu entscheiden oder zu drehen. Vielleicht liege ich völlig falsch. Und es mag sein, dass der Kader mit einem Fokus auf spielerische Elemente zusammengestellt wurde. Es ist letztlich unerheblich. 4. Liga – die ja nicht mal so heißt, weil es mehr als eine davon gibt – also korrekterweise Regionalliga, ist für die sogenannten „Kleinen“ ein Segen, weil sie in dieser Klasse am Profifußball schnuppern und sich mit den Großen der Zunft messen dürfen, ohne Ambitionen, die Klasse jemals nach oben zu verlassen. Für die Arrivierten, Abgestiegenen, aus den Ligen darüber durchgereichten Clubs ist es oft das Ergebnis von Fehleinschätzungen der eigenen Leistungsfähigkeit in Tateinheit mit Missmanagement. In der Regionalliga bist Du nicht mehr bundesweit präsent. Das kostet.

Für den FC Energie Cottbus gilt es, Ruhe zu bewahren. Und nicht in Panik auf dubiose Züge aus dem All oder sonstwo aufzuspringen.

Das Team muss in den letzten elf Spielen lernen, auch dem letzten Fan auf der Nordwand das Gefühl zu geben, alles investiert zu haben. Es sind noch elf Spiele. Genug Zeit also.

(http://www.fcenergie.de/fernglas.html)

 

Avdo Spahic #43                                                                                                                 07.03.2017

Eigentlich sollte das Fernglas am vergangenen Sonntag etwas stärker auf den Sechs-Punkte-Mann Marcelo de Freitas Costa fokussieren. Doch dann schob sich bei der Betrachtung der spärlich zur Verfügung stehenden Bewegtbilder aus der Meuselwitzer „bluechip Arena“ – okay, der Name Arena, noch dazu mit dem in Börsenkreisen als Bezeichnung für absolut sichere Aktienanlagen bekannten Begriff bluechip (Blue Chip) geadelt, schmeichelt dem Sportplatz mit seiner kleinen, feinen Tribüne doch sehr – ein Mann in den Blickpunkt, der mit zwei ganz starken Aktionen in Durchgang 1 dafür sorgte, dass Energie zur Pause lediglich mit einem Treffer zurücklag. Mit einem weniger reaktionsschnellen Keeper hätte es nämlich gegen die, wie von der Leine gelassenen Zipsendorfer durchaus auch 0:3 stehen können. Glücklicherweise nur „hätte“. Dank der Nummer 43, Avdo Spahic. Okay, beim unglücklichen Rückstand sah der junge Keeper, am 12. Februar gerade mal in den Club der Twens aufgestiegen, nicht glücklich aus. Gehe ich raus, muss ich das Ding haben. Bleibe ich in der Kiste, bin ich unter Umständen trotzdem der Depp. Eine Sache von zwei Zehntelsekunden. Der FCE-Keeper entschied sich für die proaktive Variante. Und hatte Pech, dass ihm Tim Kruse bei der Hereingabe die berühmten Sekundenbruchteile zuvorkam, das Spielgerät über seine Fäuste verlängerte und der gute Avdo nicht verhindern konnte, dass der Ball ins Tor trudelte. Dass sich Meuselwitz‘ Dadashov als Torschütze feiern ließ – geschenkt, im Nachhinein. Der gleiche Spieler hatte Spahic schon in der Anfangsphase in einer 1 gegen 1 Situation zu einer ersten Großtat gezwungen. Energie war zu diesem Zeitpunkt weder auf dem Platz, noch im Spiel. Die Defensive lethargisch, indisponiert. Auch nach dem frühen Rückstand war die derzeitige Nummer 1 von Energie hellwach und entschärfte in der Folge einen weiteren gefährlichen Versuch der Gastgeber.

Es war letztlich ein Abnutzungskampf. Meuselwitz verlor in der zweiten Halbzeit einen Akteur und Energie besann sich auf seine Stärken. Immer weitermachen, Druck machen, den Gegner müde spielen. Gegen die ab der 74. Minute dezimierten Gastgeber erzwang Schlüter den überfälligen Elfmeter, der die halb geöffnete Dose endgültig aufmachte. Nur wenige Spielzüge später kombinierten sich Weidlich und Mamba durch den gegnerischen Strafraum, Weidlichs genialer Hackenpass auf Mamba und Strelis anschließenden Schuss konnte ZFC-Keeper Braunsdorf nur prallen lassen und Marcelo war – wie schon gegen Schönberg – da, wo ein Knipser zu sein hat bei solchen Situationen. Und knipste Energie zu dem letztlich verdienten Dreier. Zurück zu Avdo Spahic. Der in Berlin geborene Torwächter mit Wurzeln in Bosnien-Herzegowina war im Herbst zunächst skeptisch beäugt als Ersatz für den längerfristig verletzten Alex Meyer eingesprungen. Von Ersatz spricht heute niemand mehr. Der talentierte Torhüter, der 2014 von Tennis Borussia Berlin zunächst in die U19 von Energie wechselte und schon 2015 zu den Profis stieß, ist derzeit nicht aus dem Kasten des FCE wegzudenken. Die Bilanz mit nur vier Gegentreffern in neun Ligaspielen spricht für die gesamte Defensive des FCE, aber in gleichem Maße für Spahic, seine Leistungen und die Fähigkeit, sich sofort integriert zu haben in den Abwehrverbund mit den überragend erfahrenen Kanten Matuwila und Stein vor ihm. Pele Wollitz bekommt Spiel für Spiel sein Vertrauen in Spahic zurückgezahlt. Und hatte schon bei der Vertragsverlängerung des „Perspektivspielers“ in 2016 eine hohe Meinung von seinem Backup für Meyer. „Der Junge hat mit knapp 1,90 m eine gute Länge, tolle Reflexe und Übersicht im Strafraum. Avdo ist fußballerisch sehr gut ausgebildet, im modernen Fußball heutzutage schon elementar wichtig und hat viel Potenzial“ zitierte seinerzeit der „Kicker“ den Cottbusser Cheftrainer. Spahic strahlt Ruhe aus, spielt ohne Mätzchen und ist völlig frei von irgendwelchen Allüren. Sein Vertrag läuft bis 2018 und Energie täte gut daran, schon bald das Gespräch mit dem Schlacks zu suchen. Bevor es andere tun.

(http://www.fcenergie.de/fernglas.html)

 

Eine ehrliche Haut                                                                                                               28.02.2017

Heute wird es emotional. Nicht zuletzt aufgrund der Entwicklungen der letzten Wochen. Aber auch wegen der bemerkenswerten Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den BFC Dynamo. Das Spiel stand lange Zeit Spitz auf Knopf. Jedoch machte wieder einmal Förster den Unterschied. Und ein gut aufgelegter Baude, der mit seiner feinen Vorarbeit erst den letztlich entscheidenden Treffer kurz vor der Halbzeit ermöglichte. Vor mehr als 7000 Zuschauern. Das ist – unabhängig von den knapp 1000 BFC-Fans – ein überragender Zuspruch. Ein kleines großes Statement der Solidarität mit diesem Verein. Die Region hat offensichtlich verstanden, dass Energie Cottbus im Jahr nach dem goldenen Jubiläum seine schwerste Phase durchlebt. Es ist schon außergewöhnlich und doch bei näherer Betrachtung nachvollziehbar, dass der Präsident des FCE Michael Wahlich eigentlich zur Unzeit mit der Unterdeckung und dem Ausgleich durch einen „ziemlich besten Freund“ an die Öffentlichkeit gegangen ist.  Das war und ist der Hilferuf eines Enthusiasten, der es an der Zeit gefunden hat, eine der letzten stillen Reserven zu heben: Die Öffentlichkeit der Region. Diese Offenbarung und die damit verbundene Aktivierung aller dem Verein verbundenen Kräfte, ist der letzte Pfeil im Köcher des Häuptlings. Er muss in die Herzen aller Energie-Fans treffen. Er muss.

Zurück zur Pressekonferenz. Ich schaue mir das immer im Internet an. Die „PK“ vom vergangenen Donnerstag habe ich erst nach dem Spiel gegen den BFC angeschaut. Nicht zuletzt, weil der Cheftrainer im Rahmen der wöchentlichen Zusammenkunft mit den Pressevertretern bestätigte, dass er nicht mehr in Cottbus angeheuert hätte, wäre ihm die prekäre Situation des Vereins bekannt gewesen. Für einen Moment fühlte ich mich brüskiert, ja sogar hinter’s Licht geführt. Und enttäuscht. Eine Sekunde später war mir jedoch klar, dass wohl jeder Arbeitnehmer, egal welcher Branche zugehörig, es sich dreimal überlegen würde, bei einem auf der Kippe stehenden Unternehmen anzufangen. Claus-Dieter Wollitz ist eine ehrliche Haut. Ostwestfale. Direkt raus. Niemals link – immer straight forward. Eine Type, mit Leib und Seele Fußballer und Coach, immens wichtiger Teil der Energie-Familie. Und – nur mit so einem Vorturner, einer extrem starken Integrationsfigur kannst du diese Klasse wieder in Richtung Sportschau verlassen.

Nochmal zurück zur besagten PK. Anschauen absolut empfehlenswert. Sich die – okay, es wird nicht jeder Satz im reinsten hannoveranischen Hochdeutsch mit Subjekt, Objekt, Prädikat beendet – Einlassungen dieses absoluten Glücksfalls für den FC Energie Cottbus anzuhören, ist fast schon Pflicht. Die Loyalität von Pele Wollitz ist beispielhaft. Für den Verein, das Umfeld. Für unsere ganze Gesellschaft. O-Ton Wollitz „Ich werde jetzt nicht die Flinte werfen.“ Er ist ein Anker in diesen unruhigen Zeiten bei Energie. Er reflektiert alle möglichen Sachverhalte im Umfeld. Sein Plädoyer an alle Energie-Supporter lautet natürlich, dass es nur zusammen geht. Und die Ansprüche nicht zu hochfliegend werden. Ergo: Ball flach halten und die nächsten beiden Auswärtsspiele konzentriert angehen. Und sechs Punkte holen.

(http://www.fcenergie.de/fernglas.html)

 

Die Quadratur des Kreises                                                                                                   25.02.2017

(veröffentlicht im Energie Echo v. 25. Feb. 2017 zum Heimspiel gegen den BFC Dynamo; Seite 27, http://www.fcenergie.de/energie-echo.html)

Die, von der Lausitzer Rundschau veröffentlichte Grafik, einen kämpferischen Pele Wollitz mit wehender Energie-Fahne darstellend, erinnert insbesondere die Älteren unter den Energie-Interessierten doch stark an die Oktoberrevolution und an Klassenkampf und die damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen.

Ähnliches findet derzeit in den Oberhäusern des deutschen Amateur-Fußball, sprich, in den Regionalligen der Republik statt. Sofern denn gespielt werden kann. Der, von der Cottbusser Haus- und Hofpostille als Pele-Revolution (Replik Pele im rbb: „Ich bin kein Revoluzzer!“) apostrophierte, in der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Schönberg von Claus-Dieter Wollitz in der ihm eigenen Rhetorik postulierte Rundumschlag gegen den derzeitigen Aufstiegsmodus, gegen die schiefe Tabelle durch die vielen Spielausfälle nach der Winterpause und die daraus resultierenden Probleme der Clubs in Sachen Spielrhythmus, Trainingsgestaltung und Aufrechterhaltung einer gewissen Spannung, mutet an wie eine leicht resignative Mischung aus Zwergen-Aufstand, Steinewerfen im Glashaus, Sturm im Wasserglas und Kampf gegen die berühmten Windmühlenflügel. Sind doch beispielsweise die Statuten zur Aufstiegsregelung von der Regionalliga in die 3. Liga seit Jahren scheinbar unverrückbar festgezurrt. Der DFB reagiert auf solcherlei Grummeln im Unterbau nicht. Bei genauem Hinsehen durchaus nachvollziehbar. Solche Themen werden auf den jährlichen Bundestagen des Verbandes abgehandelt – wenn sie es denn auf die Tagesordnung schaffen. Die fünf zuständigen Landesverbände haben jedoch offensichtlich seit Jahren kein gesteigertes Interesse an einer Änderung des derzeitigen Modus. Beim letzten Treffen in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt 2016 hat es das Thema Regionalliga-Relegation nicht mal auf die Agenda der Jahrestagung geschafft. Und DFB-Präsident Reinhard Grindel hat ebenfalls im vergangenen Jahr, auf das brisante Thema angesprochen, ganz lapidar auf den Status Quo verwiesen.

Noch ein Wort zu der löblichen und sicher nicht minder aufwendigen Umfrage der Lausitzer Rundschau. 34 von 91 in den Regionalligen tätige Clubs sind dem Vernehmen nach mit der aktuellen Aufstiegsregelung unzufrieden. Keine 40 Prozent also. Klare Mehrheiten sehen wohl anders aus. Eine tiefgreifende Reform des Unterbaus der deutschen Profiligen mutet wie die Quadratur des Kreises an. Von den 91 Mannschaften sind 22 ehemalige Erst- bzw. Zweitligisten. Dazu kommen sage und schreibe 18 U23-Teams der Proficlubs. Also ebenfalls 40 Mannschaften, die sich von ihrer Tradition und ihrem Anspruch her eher in der 3. Liga oder höher angesiedelt sehen. Alle angedachten Modelle einer reformierten Regionalliga sind von der Machbarkeit her aus den verschiedensten Gründen nur sehr schwer umzusetzen und würden zunächst eine ganze Reihe von Vereinen abhängen und in die unattraktiven fünften Ligen schicken. Das wünscht sich logischerweise keiner der sogenannten „kleinen“ Vereine.

Pele Wollitz‘ Forderung, dass der Meister einer Regionalliga-Staffel mit dem Titel automatisch die sportliche Qualifikation für die 3. Liga erreicht, ist absolut legitim. Den aktuellen Status Quo mit fünf Regionalliga-Meistern vorausgesetzt, würde das bedeuten, dass ein Viertel der 3. Liga, nämlich fünf Mannschaften, nach jeder Saison das Klassement Richtung Regionalliga verlassen müssten. Ob die Vereine, die derzeit in Liga 3 aktiv sind, damit einverstanden wären?

Für die laufende Saison und sicher auch die nächsten beiden Spielzeiten greift ergo das Prinzip Championsleague. Wer den Pott am Ende hochhalten will (äquivalent: in die 3. Liga aufsteigen), muss in der K.O.-Runde hinter sich lassen, was kommt. Auf die Regionalliga bezogen bedeutet das für unsere Lieblinge vom FCE: Die Quadratur des Kreises besteht darin, Jena nach 34 Spieltagen hinter sich zu lassen und in der Relegation weghauen, wer kommt. Nicht mehr und nicht weniger.

 

4 – 3 – 2 – 1                                                                                                                    19.12.2016

Ein 4. Advent mit 3 Punkten, Platz 2 gefestigt mit 1maligen Fans im Rücken. Auf diese Kurzform kann man den vergangenen Sonntag mit dem Spiel gegen den 1. FC Lok Leipzig bringen. Die Zahl der grauen Haare, die der Kick im Stadion der Freundschaft bei allen, die es mit Energie halten, erzeugte, ist jedoch schwer zu beziffern. Sie machten es wieder einmal spannend, die Lieblinge der Lausitz. Es war nicht von ungefähr Kapitän Marc Stein, der, Sinnbild für den absoluten Siegwillen der Mannschaft, Viterittis Freistoß-Flanke per Kopf in der 85. Minute zum umjubelten Siegtreffer über die Linie drückte. Und diesen trüben, nasskalten Nachmittag doch noch zu einem Freudenfest aller Energie-Anhänger machte. Beeindruckend der direkte Schulterschluss mit den Fans nach dem Spiel, als Ziegenbein, Förster, Viteritti, Stein und Co. eine kleine Ehrenrunde drehten, Hunderte von Energie-Anhängern abgekämpft und doch erleichtert und zufrieden abklatschten. Nicht zu vergessen das inzwischen schon ritualisierte „Uffta“ vor der Nordwand.

Die Mannschaft hat sich gefunden im Laufe der Vorrunde. Der junge Spahic ist mehr als nur ein Vertreter für den verletzten AM1, rettete am Sonntag mit Glanzreflex den Vorsprung kurz nach der Pause und war auch sonst aufmerksamer Mitspieler und manchmal klassischer Libero bei den langen Bällen von Lok. Beim Gegentor mit den Fingerspitzen noch dran, musste er Maurers technisch feinen Schlenzer jedoch passieren lassen. Die Innenverteidigung mit Matuwila und Stein ist zu einem echten Bollwerk geworden, verrichtet ihre Arbeit unaufgeregt, mit gutem Auge, souverän und sicher. Etliche Zu-Null-Spiele unterstreichen die sehr gute Arbeit der beiden Kanten im Zentrum der Energie-Defensive. Baude und Svab bzw. wahlweise Schlüter bearbeiten ihre Außenbahnen und tragen immer wieder zum Spielaufbau bei. Kruse und Putze machen zentral Räume  dicht, ohne ihr Spiel nach vorne zu vernachlässigen, Weidlich hat sich in der zweiten Hälfte der Vorrunde zu einem Taktgeber, eine Art Playmaker entwickelt, der überall auftaucht und dem Spiel immer wieder Impulse gibt. Nicht zu vergessen die beiden Halbstürmer Viteritti und Ziegenbein, die bei schnellen Kontern Löcher reißen und die klassische 9 im Sturmzentrum, Förster, mit ihren Vorlagen  immer wieder aussichtsreich in Position bringen. Die Tannenbaum-Taktik 1 – 4 – 3 – 2 – 1 hat sich bewährt und Pele Wollitz sieht auch gar keinen Grund, diese Ordnung aufzugeben. Mit Mamba und Nattermann scharren zwei vielversprechende Offensivalternativen beständig von der Bank aus mit den Hufen. Weiterhin sind noch mehrere Nachwuchsspieler mit Perspektive im Kader, der mit 23,3 Jahren sicher zu den jüngeren in der Liga gehört.

4 Punkte Rückstand auf Jena (Träume werden manchmal doch wahr, wenn man die derzeit unsymmetrische Tabelle mal ganz kurz außer Acht lässt), die Perspektive 3. Liga fest im Visier, 2 unnötige Niederlagen in Schönberg und gegen den BAK und 1 absolut authentischer Trainer sind ebenfalls Teil der Halbzeitbilanz nach 18 Spieltagen. Es bleibt spannend bis Mai. Die Mannschaft ist fit, hat immer Körner für 95 Minuten und länger. Ganz nebenbei: Noch zwei Siege im Landespokal  – zunächst gegen Rathenow und dann eventuell gegen Luckenwalde – und im nächsten August winkt zu Hause ein attraktiver Gegner im DFB-Pokal.

Nicht die schlechtesten Aussichten für 2017. Wenn alle gesund bleiben. Frohe Weihnacht. Und bis nächstes Jahr.

 

Können aufblitzen lassen                                                                                  13.12.2016

Es hätte ein rundum schöner 3. Advent werden können. Der BAK unterlag RasenBall II überraschend in einem wahren Torfestival mit 3:5, Energie hatte schon am Sonnabend Nachmittag Neugersdorf weitestgehend souverän mit 3:1 niedergehalten. Nur Jena spielte wieder einmal nicht mit. Hatten die Thüringer vor Wochenfrist nur mit Ach und Krach bei Viktoria 1889 kurz vor Feierabend in der 84. Minute per Elfmeter einen Punkt gerettet, mühten sie sich, gut 25 Minuten in Unterzahl, gegen den BFC Dynamo zu einem hart erkämpften Arbeitssieg. Die Hohenschönhausener, auf die ich ja meine Hoffnungen zur Verkürzung des Abstandes zu Jena auf vier Punkte bis Weihnachten gesetzt hatte (siehe auch „I had a dream“), wurden am Ende, permanent auf den Ausgleich drängend, im „Paradies“ gnadenlos ausgekontert. Bis dahin hatten die Mannen von René Rydlewicz das Spiel mehr als offen gehalten und hätten in der 19. Minute in Führung gehen müssen. Jenas Keeper Koczor vereitelte jedoch die eine Hundertprozentige der Berliner mit einem tollen Reflex. So ist das nun einmal mit Träumen. Manchmal zerplatzen sie wie Weihnachtskugeln, die zu lange über einer brennenden Kerze hängen.

Energie hatte seine Hausaufgaben bereits am Samstag erledigt. Gegen die über weite Strecken des Spiels mutig auftretenden Jungs von Ex-Cottbus „Papa“ da Silva erspielten sich die Wollitz-Buben einen verdienten Dreier im Lausitz-Derby gegen Neugersdorf und ließen dabei mehr als einmal ihr Können aufblitzen. Dabei zeigten Weidlich, Ziegenbein, Förster und Co. genau die Eigenschaften, die ich an dieser Stelle vor einigen Wochen eingefordert habe.  Beim ersten Treffer antizipierte Förster den luschigen Rückpass und vollstreckte schlitzohrig im Stil eines Torjägers. Das 2:0 durch Putze noch im ersten Durchgang unterstrich nachdrücklich, dass es nicht verboten ist, auch mal aus der zweiten Reihe abzudrücken. Putzes platziertes Geschoss aus gut 20 Metern ließ Gästetorhüter Flückiger jedenfalls keine Chance. Mit dem 3:0 ließ sich Energie dankenswerterweise bis zur 70. Minute Zeit. Hatte doch der Live-Ticker der Lausitzer Rundschau auf FuPa.net das Raum-Zeit-Kontinuum verlassen und verharrte für glatte 19 Minuten in der 46. Minute. Als alle Tele-Fans des FCE per Ticker dann wieder im Hier und Jetzt angekommen waren, machte Björn Ziegenbein nach prima Vorlage von Weidlich mit feinem Schlenzer an diesem herbstlichen Nachmittag im Stadion der Freundschaft alles klar. Die kurz darauf folgende kalte Dusche in Form der Ergebnisverbesserung durch de Freitas, der die Gäste noch einmal motivierte, in der letzten Viertelstunde alles zu probieren, weiter ranzukommen, kann den guten Eindruck nicht verwischen, den die Spieler von Pele Wollitz in diesem Spiel hinterlassen haben. Es mag sein, dass das Fehlen von Kruse und Baude den Defensivverbund nicht ganz so kompromisslos wie gewohnt erscheinen ließ. Am Ende war jedoch – trotz eines in der Nachspielzeit verschossenen Elfmeters durch den Neugersdorfer Loucka – der Erfolg des FCE hochverdient und hätte mit etwas Konsequenz im Abschluss auch höher ausfallen können.

Das Resümee nach der Hinrunde kann nur lauten, dass sich in Cottbus eine Mannschaft gefunden hat, die durchaus höheren Ansprüchen genügen kann und in der Rückrunde weiter die Rolle des Jägers einnehmen wird. Sollte Jena mit Glück, Dusel und Nervenstärke durchmarschieren, haben sie es verdient, in die Relegation zu gehen. Aber, Energie wird auf sich schauen (müssen), alles geben, und wahrscheinlich erst am 2. April die Spitze erklimmen. Mit Können, Beharrlichkeit und mannschaftlicher Geschlossenheit. Und einem leidenschaftlichen Umfeld. Im Stadion und unter der Woche bei der Arbeit.

 

Big points                                                                                                                    06.12.2016 

Verschenkt. Big points liegengelassen. Wieder Aluminium. Im Dreierpack. Wieder Dominanz und Spielanteile. Die zweiten Bälle geholt. Hinten wenig bis nix zugelassen. Gegen eine Mannschaft, die zwar extrem tiefstehend agierte, aber nicht eine Sekunde des Spiels den erkennbaren Willen verströmte, an diesem frostigen Nachmittag in Nordhausen den großen FC Energie Cottbus wirklich konsequent in Bedrängnis zu bringen. Oder andersrum: Nordhausen wollte letztlich nicht mehr als diese Nullnummer, weil Piplicas Männer schnell merkten, dass gegen diesen Gegner mit einer offensiven Ausrichtung wenig zu holen sein würde an diesem frostigen Nachmittag. Auf wirklich schwerem Geläuf. Aber es ist nicht verboten, selbst auf einem hart gefrorenen Platz einen Lattenabpraller aus drei bis vier Metern in das knapp 18 Quadratmeter große Eckige zu bugsieren. Wenn du die Dinger nicht machst, gewinnst du so ein Spiel eben nicht. Und lässt die große Chance aus, den BAK weiter hinter dir zu lassen und den Abstand zu den jetzt scheinbar etwas nervösen Jenensern zu verringern.

Zwei Dinge waren in diesem Spiel noch auffällig, und sollten nicht unerwähnt bleiben. Wer vor Ort war, kann es vielleicht bestätigen und auch die vielen Zuschauer des Live-Stream im rbb (ausdrücklich herzlichen Dank nach Berlin für diesen Service) wird es aufgefallen sein. Die von der ‚Haupttribüne‘ aus rechte Seite lag die ganze Spielzeit im Schatten und war vom Elfer bis zur Torauslinie von einer gut sichtbaren Reifschicht bedeckt. Ohne jetzt hier zu sehr auf die berühmte Kacke hauen zu wollen, wäre es doch für Energie in der zweiten Halbzeit ein probates Mittel gewesen, durch Aufsetzer aus der zweiten Reihe das Nordhäuser Eckige in Bedrängnis zu bringen. Für mich unverständlich, dass die doch eher spärlichen Schusschancen weitestgehend obere Etagen anvisierten. Weiterhin auffällig war, dass die Energie-Bank, also Pele, die einigermaßen großzügig bemessene Nachspielzeit von drei Minuten durch Auswechslungen bzw. einen Auswechselversuch (in der 95. Minute!) minimierte, was zumindest für den Beobachter mit dem Fernglas wenig nachvollziehbar war.

Ansonsten erwähnenswert nur die treuen Energie-Fans, die wieder einmal in mehrhundertfacher Stärke auf dem Nordhäuser Sportgelände über 90 Minuten den Ton angaben. Davor ziehe ich den Hut.

In den verbleibenden zwei Heimspielen vor Weihnachten gibt es nur eine Formel: 2 x 3 = 6. Und wer weiß, je nach den Ergebnissen der Konkurrenz könnten auch diese sechs Punkte zu den apostrophierten „Big points“ avancieren.

 

Hausaufgaben                                                                                                            28.11.2016 

Wer mag schon Hausaufgaben? Ich mochte sie nie. Speziell Mathe. Wer in der Schule nicht aufgepasst hatte, musste am Nachmittag feststellen, dass Hausaufgaben eigentlich nur lästig sind und aufhalten. Haben sie doch letztlich dafür gesorgt, dass man immer wieder in dem Gewissenskonflikt gefangen war, entweder zu spät auf den Bolzplatz zum Kicken zu kommen, oder eben die vermeintlich überflüssigen Hausaufgaben zu ignorieren, um es spätestens in der folgenden Mathestunde ausbaden zu dürfen.

Stellt sich die Frage, was hat das alles mit Energie zu tun? Nun, Fußballmathematik ist manchmal schon ein wenig kompliziert, um nicht zu sagen unlogisch. Und ohne Hausaufgaben geht es auch im Fußball nicht.

Wie am vergangenen Samstag gut zu beobachten im herbstlichen Stadion der Freundschaft. Oder kann irgendjemand die Gleichung (4517 + 11 x [4-3-3]) – (32 + 11 x [4-4-2]) = 2-1  nachvollziehen? Nein? Okay, die Einsteins unter den Lesern werden sagen, dass diese Gleichung völliger Unsinn ist im mathematischen Sinn. Völlig korrekt. Aber wenn man sie in Fußballmathe ansiedelt und in Klarsprache re-transformiert kommt man darauf, dass Energie mit 11 Mann und 4485 Fans im Rücken mit ihrem 4-3-3 System gegen 11 Luckenwalder (tief stehend mit einem doppelten Vierer-Riegel im 4-4-2 System) mit 32 mitgereisten Fans spielten und am Schluss ein glückliches 2:1 in der Nachspielzeit  herauskam.

Und dann, ja dann kommt man schnell zu der Frage, ob hier unter der Woche die Hausaufgaben von der Mannschaft ordentlich angefertigt bzw. abgearbeitet wurden, sprich verstanden und verinnerlicht. Pele Wollitz weiß, wie es geht. Über permanentes Tempo im Spiel. Über die Sprintfähigkeit. Über die Anzahl der Sprints und einer schnellen Regeneration auf dem Feld nach den Tempoläufen. Über das Verhalten nach den Sprints. Gleich, in welche Richtung. Das alles greift. Wenn jedoch eine Mannschaft mit acht bis zehn Spielern tief hinten drin steht, jede Gelegenheit nutzt, den Spielfluss durch Verzögerung zu unterbrechen, das Tempo aktiv aus dem Spiel zu nehmen, dann kannst du Hausaufgaben gemacht, Abläufe studiert haben, wie du willst, du wirst eine Doppelviererkette letztlich nur über den „Lucky Punch“ überwinden können. Wenn es denn sein muss, in der Nachspielzeit.

Mamba hat das ganz abgezockt gemacht und damit die Temperatur im Stadion gleich mal um ein bis zwei Grad steigen lassen. Dass er die folgenden Chancen nicht verwertete, hat wohl verhindert, dass der sympathische Streli wegen (dann) zweimaligem Halbstriptease (wenn ich sowas vorhabe, habe ich ein zweites Trikot drunter!) das nächste Spiel in Nordhausen von der Tribüne aus verfolgen muss.

Apropos Nordhausen. Kein Selbstgänger. Eher eine Fleißaufgabe. Also: Unter der Woche dem Trainer zuhören und die Hausaufgaben machen.

 

I had a dream                                                                                                                20.11.2016

Ich hatte einen Traum. Ich weiß, es klingt abgedroschen. Aber vor Wochenfrist habe ich meinem Freund Matthias aus Finsterwalde meine Hochrechnung bis Weihnachten aufgemacht. Meine Prognose lautet, dass Jena nach dem 18. Spieltag noch vier Punkte Vorsprung auf Energie hat. Okay, bis dahin ist es noch ein langer Weg mit drei Heimspielen gegen Luckenwalde, Neugersdorf, Lok Leipzig (Rückrundenauftakt) und dem schweren Spiel in Nordhausen am Sonntag vor Nikolaus. Gedacht wird sowieso von Spiel zu Spiel. Alles andere verbietet sich. Aber zwölf Punkte aus den vier Spielen würde jeder, der es mit Energie hält, sofort unterschreiben.

Das Restprogramm von Jena bis zum Fest der Liebe klingt mit Schönberg (H), Viktoria Berlin (A) BFC Dynamo (H) und Meuselwitz (H) trügerisch leicht im Sinne von machbar und ist doch nicht ohne. Meine Hoffnungen liegen da bei den Dynamos aus Hohenschönhausen, die zuletzt in Babelsberg in der Schlussphase ein schon verloren geglaubtes Spiel drehten und damit eine tolle Moral bewiesen. Sollte den Männern von René Rydlewicz der Coup im Paradies gelingen, könnte die Hochrechnung aufgehen.

Szenenwechsel. Filmfestival Cottbus. Samstag, 12. November im Obenkino zu Cottbus: Jo to dosć – Reicht das aus? So der Titel des Kurzfilms Cottbuser Zwölftklässler des niedersorbischen Gymnasiums, die in ihrem Festivalbeitrag nach Wegen suchen, die Tradition ihrer Volksgruppe mit der Moderne zu vereinen. Und das ist durchaus auf die Situation bei Energie übertragbar. Reicht das aus? Fragt man sich leise nach dem Spiel am Samstag. Obwohl die Babelsberger nicht unbedingt – Achtung Wortspiel! – großes Kino abgeliefert haben, tat sich Energie trotz der relativ frühen Führung durch Ziegenbein lange Zeit schwer. Gegen eine Mannschaft, die Mitte der ersten Halbzeit um ein Haar durch Schönborn quasi aus dem Nichts den Ausgleich erzielt hätte. Besser machte es der wiederum starke Kevin Weidlich mit seinem entscheidenden Kopfball zum 3:0 nach einer Stunde. Kurz nach der Pause hatte Viteritti auf 2:0 gestellt, als er einen Foulelfmeter sicher und souverän verwertete. Weidlich war im Strafraum mit Ball umgesäbelt worden. Der bisher höchste Heimsieg war eingetütet.

Wieder zu Null, wieder Spielkontrolle, wieder kaum was zugelassen. Und doch war nicht zu übersehen, dass sich Pele Wollitz‘ Schützlinge gerade im ersten Abschnitt erneut schwertaten, gute Gelegenheiten zu kreieren. Allerdings: Eine Stärke der Energie-Offensive ist, dass mindestens vier Spieler Tore erzielen können. Eine Schwäche von Energie ist, dass sich größtenteils Förster, Viteritti, Ziegenbein und Weidlich die FCE-Buden teilen. Sei’s drum. Solange die Null steht und die genannten Spieler knipsen, gibt es keine Probleme. Auch nicht am nächsten Sonntag gegen Luckenwalde.

Zurück zur Überschrift. Träumen ist erlaubt, noch dazu wenn man den Aussagen von Präses Wahlich Glauben schenkt, der am Samstag im rbb vorsichtig formulierte, dass ein Aufstieg durchaus erwünscht sei, aber nicht gefordert. Ja, ein Aufstieg ist erwünscht. Der oben zitierte Traum spielt am 31. Mai 2017 im Stadion der Freundschaft. Nach dem 2. Relegationsspiel ertrinkt das Cottbuser Schmuckkästchen in einem Meer aus rotweißer Glückseligkeit. I had a dream.

 

Neue Försterei                                                                                                 13.11.2016

Knapp neun Kilometer sind es von der Brandenburger Försterei Görden zum Werner-Seelenbinder-Sportplatz in der Brielower Straße. Ebenso von der Försterei Krahne. Seit vergangenen Samstagnachmittag gibt es eine dritte Försterei in Brandenburg. Die von Benjamin Förster. Drei Mal in 16 Minuten geknipst, lupenreiner Hattrick. Chapeau! Monsieur Forestier. Das ist es, was letztlich den Unterschied macht. Zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle sein, sprich, am langen Pfosten lauernd. Einsnull. Die Kugel abgezockt aus der Drehung wie weiland Gerd Müller in die lange Ecke machen. Zweinull. Und letztlich antizipieren, dass der Keeper runtergeht. Und der Lupfer nur noch Formsache ist, instinktiv. Dreinull. Das war schon erste Sahne. Ebenso von Ziegenbein (2) und Viteritti, die die Treffer mustergültig auflegten. Nicht zu vergessen die Defensive mit dem jungen Spahic im Rücken. Zu Null spricht immer für die gesamte Mannschaft. Denn Verteidigen fängt ja bekanntlich schon in der gegnerischen Hälfte an. Auch wenn Brandenburg immer wieder das Langholz rausholte. Das war wieder sehr gut und konzentriert, was Spahic und Vorderleute da abgeliefert haben. Halbfinale. Gratulation. Gegen Luckenwalde zu Hause? Warum nicht? Dabeisein Ende März, eine Woche vor dem Showdown gegen Jena ist jedenfalls Pflicht. Oder?

Jetzt wieder Liga-Alltag. Babelsberg wird einen oder mehrere Spione in Brandenburg auf der Tribüne gehabt haben. „Is‘ mir egal“, wird Pele Wollitz unter der Woche leise vor sich hin summen. Es müssen alle geschlagen werden. So, oder so. Und was zuletzt auswärts so formidabel klappte, also das Tore schießen, sollten die FCE-Balltreter den Fans auch mal in der heimischen Hütte bieten. Dann könnte das Stadion der Freundschaft vielleicht den Zusatz „Neue Försterei“ bekommen.

Noch ein Wort in eigener Sache: Herzlichen Dank an die Lausitzer Rundschau und die Märkische Online Zeitung für den Klasse-Service über FUPA.net. Ohne die Bewegtbilder und den Live-Ticker wären die vorstehenden Zeilen bzw. das „Fernglas“ nicht möglich. Ist der Verfasser doch immer so um die 600 Kilometer vom Geschehen entfernt. Also nochmals Dank an die LR und MOZ. Und weiter so.

 

Schatten und der zwölfte Mann                                                                           08.11.2016

Als der gute Schiedsrichter Ostrin die Partie bei Hertha II kurz nach 14 Uhr anpfiff, warfen die Spieler an diesem sonnigen Herbsttag bereits lange Schatten auf den Rasen des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Und auch der verlorene Dreier gegen den Berliner AK vom vergangenen Wochenende warf immer noch seinen quasi unsichtbaren Schatten über das Spiel von Energie. Zerfahren und nicht konsequent abgeschlossen wirkten die Aktionen des FCE und stellten den zwölften Mann von Energie, die über tausend mitgereisten Lausitzer Fans, im ersten Durchgang wiederum auf eine echte Geduldsprobe. Umso erfreulicher, dass die Defensive erneut sehr kompakt und sicher stand und so gut wie keine gefährlichen Aktionen der Hertha U23 zuließ. Nach dem 1:0 durch Cottbus‘ auffälligsten Akteur an diesem Tag Kevin Weidlich, der nach feiner Vorarbeit von Förster wenig Mühe hatte, die überfällige Führung zu erzielen, kehrte endlich Ruhe ins Spiel von Energie ein. Kuriose Randnotiz: Der Berliner Vorzeigeclub war nicht in der Lage, rund um das Spielfeld die obligaten Balljungen zu platzieren. Das verlängerte die Zeit, bis das Spielgerät wieder auf dem Sportplatz eintraf, verkürzte jedoch gleichzeitig die Netto-Spielzeit. Das störte auf Seiten von Energie nach der 71. Minute aber kaum jemanden, denn Förster machte mit einem klassischen Abstauber in numerischer Überzahl alles klar.

Der FCE ist somit wieder in der Spur. Nicht zuletzt ein Verdienst von Pele Wollitz, der unter der Woche seine Jungs wieder aufgebaut hat und zu keiner Zeit auch nur einen Hauch von Zweifel an den hohen Ambitionen des Teams aufkommen lässt. Und nicht müde wird, mit den unangefochten führenden Jenensern, die offensichtlich einen Pakt mit einer, auf späte Tore geeichten Macht geschlossen zu haben scheinen, einen langen, harten und nach hinten raus engen Strauß ausfechten zu wollen. Recht so!

Nun also das Intermezzo AOK-Landespokal-Viertelfinale beim Brandenburger Sportclub Süd 05 (Mein Gott, was für ein sperriger Vereinsname!). Die sich nach einer Heimniederlage gegen Chemie Leipzig nicht unbedingt in der Erfolgsspur befinden. Für die Männer des FCE sollte der BSCS05 ein absolut ernstzunehmender Aufgalopp für das kommende Heimspiel gegen Babelsberg sein. Um letztlich unbeschadet ins Halbfinale einzuziehen.

Mit viel spielerischem Licht, wenig Schatten und einem disziplinierten, sportlich fairen zwölften Mann.

 

Killergen und Charisma                                                                                        01.11.2016

Während Jena nach dem Arbeitssieg nahe der Grenze zur Tschechischen Republik in Neugersdorf minimalistisch und gleichermaßen ungefährdet in der Regionalliga Nordost seine Kreise zieht, hat Energie durch die unnötige Heimniederlage gegen den Berliner AK wertvollen Boden verloren. Ein Sieg in dieser richtungsweisenden Begegnung hätte nicht nur den Abstand zu Jena bei sieben Punkten belassen, sondern die Hauptstadtklubs Hertha BSC II, den BAK 07, Viktoria 1889, sowie Babelsberg und Rasenball II auf Abstand gehalten. Wie gesagt, hätte.

Als verdient wäre ein Dreier durchaus zu bezeichnen gewesen. Hatten die Schützlinge von Pele Wollitz doch vom Start weg durch einige gefährliche Angriffe deutlich gemacht, wer den Platz als Sieger verlassen wollte. Doch es sollte sich schon bald wieder die Erkenntnis einstellen, dass Energie auf spielerische Art durchaus vielversprechende Chancen kreiert, aber vor der Bude das erforderliche Killergen fehlt, um das Spielgerät ins Eckige zu befördern.

Die dieser Tage durch alle Klassen gerne zitierte Mentalität, wenn es auf dem Platz mal an der notwendigen Einstellung zum Spiel, beziehungsweise an einer gesunden Berufsauffassung fehlt, ist den Wollitz-Eleven beileibe nicht abzusprechen. Ganz im Gegenteil. Doch die Strahlkraft des charismatischen Fußballlehrers lässt eben diese Eigenschaft, das gewisse Charisma, bei der Mannschaft leider nicht zum Vorschein kommen. Es hat den Anschein, als fehle es an Typen, die bei Rückstand die Ärmel aufkrempeln, in den Kampfsau-Modus schalten und durch eine unmissverständliche Körpersprache zeigen, wo es langgeht.

Klar ist, dass nach dem 1:2 wenig Zeit blieb, sich zu schütteln, nochmal zu reagieren und die Brechstange aus dem fußballerischen Werkzeugkasten zu holen. Immerhin ging es gegen den Dritten der Liga und der Berliner AK machte es sehr clever, nahm bei jeder sich bietenden Gelegenheit Zeit von der Uhr. Das ist legitim.

Ebenfalls legitim ist auch der Ärger aller FCE-Fans über die durchwachsene Leistung des Schiedsrichtergespanns am vergangenen Samstag. Es würde zu weit führen, alle Fehlentscheidungen des Pfeifenmanns und seiner Fahnenschwenker aufzuzählen. Nach elf Spieltagen muss sich der Energie-Anhang wohl leider an die  limitierte Klasse der Gespanne in der Regionalliga, und deren unerwünschte Einflussnahme auf das Geschehen auf der Wiese gewöhnen.

Kurz Wunden lecken, Mund abputzen und sofort auf die kommende Aufgabe bei Hertha BSC II fokussieren. Zehn Punkte Rückstand auf Jena sind eine Hypothek. Aber in 22 Spieltagen kann noch viel passieren. Zum Beispiel kann man sein verborgenes Killergen entdecken, am nächsten Sonntag eine neue Serie starten und ganz nebenbei eine gehörige Portion Charisma entwickeln.

 

Hinten dicht und vorne spritzig                                                                                  25.10.2016

Auf der Heimfahrt vom Flughafen nach 14 erholsamen Tagen im sonnigen Belek erreichte den Verfasser dieser Zeilen – ab 1. November so ganz nebenbei stolzes Mitglied Nr. 4294 – die nicht ganz unerwartete Erfolgsmeldung. 4:0 in Neustrelitz. Standesgemäß. Zwei Doppelpacks von Viteritti und Förster. Die Treffsicherheit der beiden torgefährlichsten Offensivkräfte von Energie ist einerseits beruhigend und birgt dennoch ein gewisses Risiko. Zwei Drittel aller erzielten Tore in Ligaspielen gehen auf das Konto der Cottbuser Knipser. Und mindestens ebenso viele Punkte. Für den weiteren Verlauf der Saison ist Daumen drücken angesagt, dass Pele Wollitz  Woche für Woche auf Viteritti und Förster zurückgreifen kann. Die latente Abhängigkeit des Teams von ihren Torjägern ist nicht von der Hand zu weisen.

Auf der anderen Seite der Wiese steht seit sechs Spielen die Null. Ein Verdienst der Defensivkräfte des FCE, allen voran des Mannes unter der Latte. Alex Meyer strahlt durch seine sachliche Art zu spielen eine Ruhe und Souveränität aus, die seinen Vorderleuten die Sicherheit gibt, sich bei brenzligen Situationen in der „Box“ (früher „Strafraum“ genannt) absolut auf ihre Nummer 1 verlassen zu können. Allein in den letzten drei Heimspielen hat Meyer Energie mindestens sechs Punkte gerettet. Der im Sommer aus Havelse zum FCE gestoßene Torhüter ist oftmals über die gesamte Spielzeit relativ wenig beschäftigt. Und doch hellwach, wenn seine hervorragenden Reflexe gefragt sind. Sechs Mal in Folge zu Null in der Liga spricht eine deutliche Sprache. Weiter so, möchte man AM1 wünschen.

Ein Blick auf den vergangenen Spieltag zeigt, dass es in der Regionalliga Nordost derzeit nur eine Konstante gibt: Energie Cottbus. Die Konkurrenz, einschließlich Carl Zeiss Jena, schwächelt nach knapp einem Drittel der Saison. Richtungsweisend wird das nächste Heimspiel der Männer von Pele Wollitz gegen den Berliner AK 07 am kommenden Samstag im Stadion der Freundschaft. Diese Partie sollte den Energie-Anhang nachhaltig mobilisieren, ihre Lieblinge live und vor Ort zu unterstützen. Denn mit den lautstarken Fans im Rücken – nicht nur den Treuesten der Treuen von der Nordwand – werden die Jungs auch das Duell gegen den Tabellennachbarn erfolgreich gestalten können. Mitglied Nr. 4294 wird leider nur aus der Ferne mitfiebern. Aber mit exklusivem FCE-Schal und druckfrischem Mitgliedsausweis.

 

Aufwand und Ertrag                                                                                                20.10.2016

Nach dem erneuten Zittersieg gegen Fürstenwalde muss sich der an Energie Cottbus interessierte Beobachter schon einmal fragen, ob sich die Diskrepanz zwischen dem Aufwand für ein Heimspiel wie das am vergangenen Sonntag mit dem Ertrag auf Dauer letztlich in Einklang bringen lassen wird. Sprich, ob tatsächlich am Ende immer ein Dreier herausspringt. Und ob Alex Meyer in der Schlussphase immer so hellwach sein wird, wie in den vergangenen Heimspielen, die jeweils mit dem knappsten aller Ergebnisse endeten, als er mehrfach die Punkte gegen Meuselwitz, Bautzen und die Domstädter aus Fürstenwalde mit ausgezeichneten Reflexen kurz vor Feierabend festhielt.

Die Mannschaft von Pele Wollitz ist willig, fleißig und gibt auf der Wiese im Stadion der Freundschaft alles. Und doch scheint ein Körnchen Killerinstinkt und die entschlossene, alles überlagernde Dominanz zu fehlen. Die Fähigkeit, schwächere Gegner schon früh im Spiel klar zu distanzieren. Die Dinge auf dem Platz im Stil eines Aufstiegsaspiranten zu regeln, geht den Lausitzern irgendwie (noch) ab. Und sich und dem hingebungsvollen Publikum jene nervenaufreibenden, die Lebenserwartung verkürzenden Auftritte zu ersparen.

Apropos Publikum: Wer sich über die stattliche Zahl von fast 4.900 Besuchern mokiert, sollte nicht vergessen, dass Energie nicht gerade gegen den Zuschauermagneten der Liga gespielt hat, und darüber hinaus das herbstliche Wetter die Massen nicht gerade zwingend zu einem Stadionbesuch vom heimischen Kaffeetisch weglockt. Ganz zu schweigen von dem nicht unbedingt geschäftsfördernden Service des rbb, die Heimspiele des FCE aufgrund der optimalen Arbeitsbedingungen gerne aus dem Cottbuser Schmuckkästchen live zu übertragen. Dem Vernehmen nach gegen einen Obolus, der die Portokasse der Öffentlich-Rechtlichen nur in homöopathischen Dosen belastet und ergo nur einen Bruchteil des fiktiven Einnahmeverlustes von Energie, finanziell wahrlich nicht auf Rosen gebettet, kompensiert. Ein doppeltes Dauerärgernis, mit dem Energie leben muss, bis eine Versetzung in die Dritte Liga fix ist. Und das könnte dauern.

Ein weiteres Ärgernis ist die Tatsache, dass der rbb es nicht für nötig hält, in seiner sonntäglichen Sendung „Sportplatz“ eine Zusammenfassung des Spiels vom Nachmittag anzubieten. Besonders ärgerlich für alle Energie-Fans, und im Besonderen die, die im Stadion waren, welche die heiklen Szenen und Höhepunkte gerne am Abend in einer kurzen Nachlese noch einmal komprimiert und kompakt sehen möchten. Das ist keine gute Werbung, egal wie präsent per Werbebanner im Stadion der Freundschaft für den Berlin-Brandenburger Sender geworben wird. Auch dieser Sachverhalt fällt in die Kategorie hoher Aufwand und überschaubarer Ertrag.

Im sportlichen Bereich wünscht sich der Cheftrainer weiter einen Leader mit Erfahrung und dem notwendigen Charisma, um Spiele wie am Sonntag der Vergangenheit angehören zu lassen. In Neustrelitz werden die Wollitz-Buben gegen das Schlusslicht der Liga voraussichtlich wenig Probleme haben, entsprechende Konzentration vorausgesetzt. Möglicherweise kann sich Pele Wollitz leisten, mit einem offensiveren System mit zwei Spitzen mit einem 4-4-2 oder sogar einem 3-2-3-2 etwas zu probieren. Um letztlich beim nächsten Heimspiel unter Umständen mehr torgefährliche Spieler auf dem Platz zu haben. Dann könnte es auch zu Hause mit dem Ertrag klappen.

 

Seelow im Vorbeigehen rausgekegelt                                                                   10.10.2016

Nicht alle Tage spielt Energie Cottbus in einer ähnlich skurrilen Kulisse. Das Sparkassenstadion grenzt auf der Gegengerade doch tatsächlich an eine Hochhaussiedlung. Nicht die einzige Besonderheit in der Seelower Sportstätte mit direkter Wohnraumanbindung. Vier klassische Kegelbahnen beherbergt das Stadion der 5.600 Einwohner zählenden Kreisstadt unweit der polnischen Grenze. Beim Kegeln würden „alle Elfe“ einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde garantieren. Auf dem Sportfeld in Seelow bescherten den in ungewohnter Kluft angetretenen Balltretern des FCE „alle Elfe“ den Einzug ins Viertelfinale des AOK-Länderpokals.

Die Art und Weise, wie die Mannen von Pele Wollitz den Oberligisten aus Märkisch-Oderland locker und anscheinend spielerisch leicht aus dem für den Gewinner sehr lukrativen Wettbewerb kegelten, zeigt, dass unter der Woche fokussiert auf den Gegner hingearbeitet und die Vorgaben des Trainerteams nahezu optimal umgesetzt wurden. Und die eindringliche Forderung nach mehr Torgefahr durch die hinter Förster offensiv agierenden Viteritti und Weidlich (O-Ton Wollitz: „die beiden Achter“) mit insgesamt fünf Treffern schon fast übererfüllt wurde. Ein klarer Schritt nach vorn für die Lausitzer Vorzeigekicker, die nun mit entsprechendem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten ins nächste Ligaspiel zu Hause gegen Fürstenwalde starten werden. Dass das ohne Überheblichkeit von statten gehen sollte, versteht sich von selbst. Ob bei Mamba der schon lange reichlich festgeschnürte Knoten durch den Doppelpack inklusive einem Strafstoß im Nachschuss letztlich geplatzt ist, wird der pfeilschnelle Streli bei seinem nächsten Einsatz unter Beweis stellen müssen. Nur eine Randnotiz in Seelow der Gegentreffer, bei dem bei Alex Meyer wohl eine ordentliche Portion Neuer-DNA am Start war und Below für Seelow den eigentlich überflüssigen Ehrentreffer erzielte. Wer bei FuPa TV zu spät gekommen war und das Jubeltänzchen des Balljungen am unteren Bildrand nach dem Tor gesehen hat, hätte meinen können, die Gastgeber wären grade in Führung gegangen. War aber nicht so.

Gegen wen es im Landespokalviertelfinale geht, ist im Prinzip egal. Um den Wettbewerb zu gewinnen, muss jeder Gegner geschlagen werden.

Es erhärtet sich der Eindruck, dass das Team von Pele Wollitz seinen Rhythmus gefunden hat, im positiven „Flow“ die Vorbereitung auf Fürstenwalde angehen, und die Serie der niederlagenfreien Pflichtspiele am kommenden Sonntag erfolgreich fortgesetzt werden kann. Zunächst wohl auch ohne weiteren Neuzugang.

 

Verschiedene Gefühlswelten                                                                                    03.10.2016

Selbst nach dem achten Spieltag konnte die Mannschaft von Pele Wollitz noch nicht wissen, wie gut sie wirklich ist, wo sie in der Staffel Nordost der Regionalliga steht. Nicht anders ist es zu erklären, dass in der Halbzeitpause gegen Budissa Bautzen ein gewisser Daniel Ziebig beim live übertragenden rbb mit seiner nicht ganz zu Unrecht geäußerten Kritik an den Mannen von Pele Wollitz nicht hinter dem Berg hielt. Ins gleiche Horn stieß nach dem Spiel der Cheftrainer persönlich.

Natürlich ist es legitim, von den teilweise hochbegabten Energie-Kickern gerade in den Heimspielen mehr zu verlangen, als ein am Ende wieder einmal überaus enervierendes 1:0. Klar ist, bei Energie sehnt sich jeder nach einer Leistungsexplosion im Stadion der Freundschaft. Die allgemeine Erwartungshaltung erzeugt Druck auf das Team, führt in den Heimbegegnungen zu einer rätselhaften Leistungshemmung durch den allseits präsenten, über allem schwebenden Wunsch, auch in der Regionalliga Nordost Drittliga-Fußball sehen zu dürfen. Diesen Druck gilt es von den Jungs fernzuhalten.    

Ganz anders die Gefühlslage nach dem Spiel in Jena. Konzentriert, mental stark und „auf Augenhöhe“ (Lausitzer Rundschau) mit den Überfliegern der Staffel präsentierten sich die Männer aus der Lausitz selbstbewusst und mit breiter Brust im Paradies von Jena. Mit etwas Fortune und einem wohlwollenden Spielleiter hätte Energie den Abstand auf den unangefochtenen Spitzenreiter in diesem Sechspunktespiel am letzten Donnerstag im September verkürzen können. Doch Matuwila lies bei seinem Abschluss in der ersten Halbzeit aus kurzer Distanz Knipserqualitäten vermissen. Und eine elfmeterreife Situation ebenfalls im ersten Durchgang ahndete Schiri Sather zum Leidwesen der zahlreich angereisten Energie-Fans im Ernst-Abbé-Sportfeld nicht.

Das leistungsgerechte Unentschieden hat jedoch verdeutlicht, dass a) trotz weiter neun Punkten Rückstand kein Grund zum Verzagen gegeben ist, und b) am ersten Aprilwochenende des kommenden Jahres vielleicht schon ein erstes Mal abgerechnet wird, wenn Jena zu einem eventuellen Showdown im Hexenkessel „Stadion der Freundschaft“ antritt.

 

Besuch aus dem Rhein-Main-Gebiet bringt Energie Glück                                                          Energie-Echo Nr. 4  vom 25.09.2016

Johanniter-Vorstand Matthias Rudolf hatte das befreundete Ehepaar Loose aus der Nähe von Frankfurt  zum Heimspiel gegen den ZFC Meuselwitz eingeladen. Die über 600 Kilometer lange Reise hat sich gelohnt. Der FCE holte gegen völlig überforderte Zipsendorfer seinen ersten Heim-Dreier.

Die erste Überraschung gab es bereits an den Pforten des „Stadion der Freundschaft“. FCE-Geschäftsführer Normen Kothe ließ es sich nicht nehmen, die alten Freunde des FCE und die neuen Energie-Fans persönlich zu begrüßen, mit Fanschals auszustatten und dem Ehepaar Loose ein von den Spielern und Pelé Wollitz handsigniertes aktuelles Trikot von Energie zu überreichen. Die nächste Überraschung wartete schon im Arbeitszimmer von Claus-Dieter Wollitz. Der Cheftrainer nahm sich trotz der zeitlichen Nähe zum bevorstehenden Ligaspiel eine gute Viertelstunde für den Johanniter-Chef, langjähriger Partner und Freund von Energie, seine Familie und das Ehepaar Loose Zeit. Bernd Loose, Hobby-Journalist und Blogger und in den Siebziger Jahren für die SG 01 Höchst unter anderem in der Jugend gegen Ex-Cottbus-Trainer Rudi Bommer in Frankfurt am Main aktiv am Ball, fühlte dem Fußballlehrer gleich ein wenig auf den Zahn. Wollitz, der den Fußball förmlich atmet und mit jeder Pore die Entschlossenheit verströmt, den Betriebsunfall Abstieg vom Frühsommer zu korrigieren, verwies auf die Veränderungen im Kader und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten und Konsequenzen. Er sei mehr „Moderator denn Motivator“ der Spieler, die heutzutage ganz anders angefasst werden müssen, als zu seinen aktiven Zeiten als Spieler in der Bundesliga.  Die Runde war sich am Schluss einig, dass trotz aller Widrigkeiten der erste Heimsieg gegen Meuselwitz gelingen sollte, um den Abstand zu den stark gestarteten Jenaern nicht zu groß werden zu lassen. Das Gruppenbild mit Pelé Wollitz danach war Ehrensache für den Cheftrainer von Energie.

Gruppenbild mit Pele

Gruppenbild mit Pele v.l.n.r. Marc, Bernd, Basti, Pele, Matthias, Maren und Claudia

Nach diesem Highlight folgte eine höchst informative Stadionführung, in der Normen Kothe nicht ohne Stolz berichtete, dass das Schmuckkästchen am Rande des Spreeauenparks seit 1. Juli 2011 Eigentum des Vereins ist und trotz schwieriger Rahmenbedingungen von Energie Cottbus in Alleinregie bewirtschaftet und instandgehalten wird. Das nachfolgende Spiel gegen die bis dato sieglosen Zipsendorfer verbrachten die Besucher unter dem Dach der Westtribüne. In der einseitigen Partie hätte Energie schon in der ersten Halbzeit die Weichen auf Sieg stellen können, doch der Gästetorhüter Braunsdorf und die Torstangen versperrten dem Spielgerät fortgesetzt den Weg ins Eckige. Der zweite Spielabschnitt kostete den nimmermüden Anhang der Cottbusser inklusive den Besuchern aus dem Frankfurter Raum ebenso viele Nerven wie schon die erste Halbzeit. Nach einem Foul an dem in der Pause eingewechselten Bamba musste Meuselwitz die Partie mit neun Feldspielern fortsetzen und den Freistoß aus halblinker Position zirkelte Ziegenbein letztlich an Freund und Feind vorbei zum späteren Siegtreffer in das Gehäuse von Gästekeeper Braunsdorf. Den Atem anhalten mussten die Fans des FCE nur noch einmal, als ein Gästeangreifer in der Schlussphase des Spiels allein vor FCE-Keeper Meyer auftauchte, der Energie-Torhüter mit Klasse-Parade den Ausgleich jedoch verhindern konnte. Kurze Zeit später war Schluss, die 4000 Zuschauer hatten eine einseitige Partie mit einem verdienten Sieger gesehen. Erleichtert und froh zugleich konnten die Freunde des Johanniter-Vorstands Matthias Rudolf noch die ausgezeichnete Gastfreundschaft der Lausitzer genießen und den ersten Heimsieg von Energie in der laufenden Saison feiern.